Stand: 07.07.2015 12:00 Uhr

ERT nach Wiedereröffnung mit Syriza-Kurs

"Oxi" oder "Nai" - Nein oder Ja? Für den griechischen Regierungschef Alexis Tsipras war die Wiedereröffnung des Staatssenders ERT keine Frage. Es gehörte vielmehr zu seinen Wahlversprechen. Mit Pomp und Nationalstolz brachte er also am 11. Juni Griechenlands öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Athen symbolträchtig wieder auf Sendung.

Ein leuchtendes ON-AIR-Zeichen.

Wieder on air: ERT mit Syriza-Kurs

ZAPP -

Unter der alten griechischen Regierung wurde der öffentlich-rechtliche Sender ERT geschlossen. Tsipras hat ihn wieder geöffnet - auch, um ihn für seine Politik zu nutzen?

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Auf den Tag genau zwei Jahre zuvor war ERT in seiner damaligen Struktur geschlossen worden. Der Sender sollte personell verschlankt werden - eine Auflage der sogenannten Troika. Statt in die Arbeitslosigkeit zu gehen, besetzten ehemalige Mitarbeiter das Redaktionsgebäude und betrieben einen Piratensender im Netz. Zwei Jahre Engagement in einer Art Ehrenamt. Darauf sind sie heute stolz und Syriza darüber hinaus dankbar für die Wiedereröffnung. Die ehemaligen Sender-Piraten wollen jetzt nur eines: Tsipras im Kampf gegen die Brüsseler Eurokraten unterstützen.

Wer auf Regierungsseite ist, darf auf Sendung

Ist ERT deshalb weniger öffentlich-rechtlich als regierungstreu? Im neuen griechischen Öffentlich-Rechtlichen sitzen jetzt Journalisten an einem Redaktionstisch zusammen, die sich bis vor kurzem noch beschimpft haben. Keine leichte Voraussetzung für Diskussion und Themenfindung. Unser Zapp-Reporter hat den Tag des Referendums hinter den Sendungskulissen von ERT verbracht und war nicht überrascht, dass der in Griechenland bekannte Moderator Prokopis Doukas im neuen ERT nicht mehr vor die Kamera darf. Er gehörte vor zwei Jahren zu den Festangestellten, die im Nachfolgesender Nerit weitermachen durften. Also kein Pirat. Niemand, der im Verdacht steht, Syriza nah zu sein. Zu sehen ist er deshalb nicht mehr, aber zumindest im Radio zu hören:

"Ich war 17 Jahre lang der wichtigste Nachrichtensprecher hier. Aber im Moment darf ich nicht ins Fernsehen, obwohl ich da eigentlich hingehöre. Viele der Leute, die hier im neuen ERT das Sagen haben, denken, dass es besser wäre, mich ruhigzustellen. Aber wenigstens habe ich es geschafft, meine Radio-Show zu behalten, auch wenn das vielen ebenfalls nicht passt. "

Kein leichter Neustart für den Sender.

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 08.07.2015 | 23:15 Uhr