Stand: 10.02.2016 17:42 Uhr

Wie geht es weiter mit den "festen Freien"?

Es geht um nicht weniger als die berufliche Zukunft vieler fleißiger und zuverlässiger Medienmitarbeiter. Nämlich um jene sogenannte feste Freie, die in vielen deutschen Verlagen praktisch jede Menge wichtiger Redakteursaufgaben übernehmen, theoretisch aber den Status freier Mitarbeiter innehaben. Was ihnen auf der einen Seite bislang weniger berufliche Sicherheit bescherte, ermöglichte ihnen auf der anderen Seite jedoch, für mehrere Auftraggeber gleichzeitig tätig zu sein.

Das Hamburger Verlagshaus Gruner+Jahr

Wie geht es weiter mit den "festen Freien"?

ZAPP -

Freie Mitarbeit abbauen und mehr Festangestellte einstellen - das klingt erst mal gut. In der Praxis ist das aber oftmals kompliziert. Über die Folgen eines Gesetzentwurfs.

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Doch seit Ende 2015 bekommen viele von ihnen das Signal von ihren Chefredakteuren, dass es im Jahr 2016 nicht mehr so weitergehen wird. Hintergrund ist ein Gesetzentwurf von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD), der stärker gegen Scheinselbstständigkeit vorgehen will. Was gut gemeint ist, wirft viele komplizierte Fragen in der praktischen Umsetzung auf. Wie genau es mit den festen Freien weitergehen soll, ist derzeit das heiß diskutierte Thema in vielen Medienhäusern und Verlagen.

Medienhäuser basteln an Lösungen

Die ganze Branche ist aufgeschreckt, seit es im vergangenen Jahr Kontrollen des Zolls beim Verlagshaus M. DuMont-Schauberg in Köln gab. Beim Verlag Axel Springer hat man sich selbst angezeigt, und nun bastelt jedes Medienhaus notgedrungen an einer eigenen Lösung. Wer nicht ordnungsgemäß Sozialabgaben abführt, begeht Sozialversicherungsbetrug und riskiert empfindliche Strafen.

Auch bei Gruner+Jahr in Hamburg arbeiteten viele feste Freie als sogenannte Pauschalisten. Zum Beispiel als freie Redakteure für die Tagesschichten, Layouter, Dokumentare oder Schlussredakteure, eng eingebunden in die Redaktionsabläufe, der Anteil an ihrem Monatseinkommen ist oft erheblich. Von ungefähr 200 betroffenen Kollegen ist die Rede.

Weitere Informationen
13:32 min

Interview mit Frank Thomsen, G+J

10.02.2016 13:28 Uhr

Frank Thomsen, Specher des Verlags Gruner + Jahr im Interview mit ZAPP. "Wir wollen nichts von oben bestimmen, sondern individuelle Lösungen finden", verspricht Thomsen. Video (13:32 min)

Bei mehreren eilig einberufenen "Freien"-Treffen, zuletzt auch mit "Stern"-Herausgeber Andreas Petzold und Personalchef Stefan Waschatz, versuchten sie schon Licht ins Dunkel zu bringen. Werden nun alle festen Freien künftig einen Festanstellungsvertrag von Gruner + Jahr angeboten bekommen? Und wie hoch sind diese Verträge dann dotiert, kann man davon leben, sind sie befristet, lassen sie weiterhin eine Tätigkeit für andere Auftraggeber zu? Und wann wird darüber offen mit den festen Freien geredet?

Auch in Zukunft geht es nicht ohne freie Mitarbeiter

Fakt ist: Ohne die Arbeitsleistung der bisher festen Freien wird es auch in Zukunft nicht gehen in den Medienhäusern. Erste Statements in der Presse und Äußerungen von Vertretern von Gruner+Jahr bei den Freien-Treffen deuten darauf hin, dass man sich der Verantwortung für seine langjährigen fest-freien Mitarbeiter durchaus bewusst ist. Dumpinglöhne soll es nicht geben, im Vergleich zu anderen deutschen Verlagen wolle man am Ende in Hamburg gut dastehen. Jeder Fall der einzelne Mitarbeiter solle individuell betrachtet werden.

Und die neuen Verträge - von Dutzenden neuen Stellen ist die Rede - seien letztlich Aushandlungssache mit den einzelnen Chefredakteuren. Die freien Mitarbeiter von Gruner + Jahr hören die Worte wohl, allein es fehlt ihnen noch etwas der Glaube. Sie befürchten unterm Strich doch einen Wegfall von Arbeitsplätzen, sehen schlecht bezahlte "Jungredakteursstellen" auf sich zukommen - und viele wollen sich eigentlich auch gar nicht festangestellt an nur einen Arbeitgeber binden, fragen deshalb nach Teilzeitverträgen.

Brief an die Verlagsleitung

Einige fühlen sich hingehalten, andere sollen schon die Stornierung von Aufträgen oder gar Kündigungen bekommen haben. Viele wollen stärker an der Entscheidungsfindung beteiligt werden, bevor ihnen fertige Verträge vorgelegt werden. In einem neuen Brief an die Verlagsleitung vom 8. Februar 2016 stellen sie dazu fünf Forderungen auf. Über das Thema wird insgesamt noch recht wenig in den Medien berichtet, vielleicht weil viele Medienhäuser, wie beispielsweise die Funke-Medien-Gruppe, SZ, Spiegel Online, momentan mit dem gleichen Problem zu kämpfen haben.

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 10.02.2016 | 23:20 Uhr