Stand: 09.12.2015 21:11 Uhr

Vorwürfe: RT Deutsch gegen "Frontal 21"

Der russische Sender RT Deutsch, der vom russischen Staat finanziert wird, wirft dem ZDF-Politikmagazin "Frontal 21" Manipulation und "einseitige Berichterstattung" vor. Der Vorwurf: "Frontal 21" habe am 11. November in einem Beitrag über Kindersoldaten im Kampfeinsatz in der Ostukraine einseitig berichtet.

Kindersoldaten in der Ostukraine. © NDR

Vorwürfe: RT Deutsch gegen "Frontal 21"

ZAPP -

RT Deutsch wirft dem ZDF-Politikmagazin "Frontal 21" Manipulation und "einseitige Berichterstattung" vor. Die Autoren wehren sich gegen die weitgehend unbelegten Vorwürfe.

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In dem Film erzählen jugendliche Soldaten, wie sie zum Teil bereits im Alter von 14 Jahren im Kampfeinsatz waren und an "Säuberungsaktionen" der Separatisten teilgenommen haben. Ein Kriegsverbrechen- und damit aus Sicht der ZDF-Reporter ein Fall für den Internationalen Gerichtshof - und auch ein wichtiges Thema der Berichterstattung. RT Deutsch hält dagegen, der Beitrag suggeriere, dass es nur bei den Separatisten Kindersoldaten im Kampfeinsatz gäbe. Zwar werde auch auf die militärische Ausbildung von Kindern auf ukrainischer Seite hingewiesen, doch dies erfülle lediglich eine "Feigenblattfunktion".

Keine normale Berichterstattung möglich

Laut den ZDF-Reportern waren die Recherchen aufwendig und schwierig. Es sei für Journalisten ohnehin kompliziert, in das von russischen Separatisten beherrschte Gebiet einzureisen und von dort frei zu berichten. Eine kritische Berichterstattung über die Methoden der Separatisten sei dementsprechend noch schwieriger.

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RT Deutsch: Fragen und Antworten

Die vollständigen Fragen von ZAPP und die Antworten von RT Deutsch als PDF-Dokument zum Herunterladen. Download (13 KB)

RT Deutsch behauptet nun, das ZDF-Team habe sich das Vertrauen der Jugendlichen, die interviewt wurden, erschlichen. Die Reporter hätten behauptet, einen Film über deren Heldentaten machen zu wollen. Zu diesem Zweck hätte sich das ZDF-Team auch mit "Sankt-Georgs-Bändern" ausgestattet - einem russischen Tapferkeitssymbol, das auch von Anhängern der Separatisten in der Ostukraine getragen wird. RT deutsch schreibt an ZAPP dazu auf Anfrage, es gäbe zu den Sankt-Georgs-Bändern "voneinander unabhängige sich deckende Zeugenaussagen, die dies in gegebener Form beschreiben". Wie in vielen strittigen Punkten steht hier also Aussage gegen Aussage.

Denn ZDF-Autor Arndt Ginzel dementiert diesen Vorgang gegenüber ZAPP ausdrücklich: "Also es ist definitiv so, dass ich weder Sympathien zum Ausdruck gebracht, noch irgendein Band getragen habe. Es stimmt einfach nicht. Was richtig ist: Nachdem wir verhaftet wurden, haben wir uns künstlich dumm gestellt, haben immer wieder nachgefragt: Wieso werden wir jetzt hier verhaftet? Es war eine absolut brisante und komplizierte Situation, weil wir damit rechnen mussten, dass nach unserer Verhaftung das Material beschlagnahmt wird. Wir sind mit sehr viel Glück rausgekommen. Man muss sich ein Land vorstellen, in dem Sie erstens damit rechnen müssen, dass sie jederzeit verhaftet werden, in dem teilweise noch geschossen wird, in dem es Kämpfe gibt, wo Leute bewaffnet sind. Sie können natürlich nicht offen sagen: 'Hallo, wir wollen hier mal enthüllen, dass es hier Kriegsverbrechen gibt.' Sondern Sie müssen einen guten Weg finden, das zu dokumentieren und sicher wieder rauszukommen. Es ist schlechterdings unmöglich dorthin zu fahren und zu sagen, man macht was über mögliche Kriegsverbrechen."

Der Fernsehjournalist und ZDF-Autor Arndt Ginzel. © NDR

Arndt Ginzel: "Brisante und komplizierte Situation"

ZAPP -

Im ZAPP-Interview schildert ZDF-Autor Arndt Ginzel die Situation in der Ostukraine.

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Wurde das ZDF angefragt?

RT Deutsch interviewte die Protagonisten des ZDF noch einmal. Am Ende eines 16-minütigen Beitrages vom 4. Dezember 2015 äußern die Kindersoldaten ihre Enttäuschung über die Aussage des ZDF-Beitrages. Das ZDF wiederum kritisiert in einer aktuellen Stellungnahme, dass RT Deutsch verschweige, dass Ginzel bereits im Sommer einen eigenen Beitrag zu Kindersoldaten in der Westukraine produziert hat. Außerdem seien die Autoren Joachim Bartz und Arndt Ginzel nie zu den Vorwürfen befragt worden. Doch RT Deutsch hatte offenbar eine E-Mail an Frontal21 geschickt. Das ZDF kann den Eingang der Mail allerdings nicht bestätigen. Auch hier steht also Aussage gegen Aussage.

RT kann Kern der Geschichte nicht entkräften

Arndt Ginzel bewertet den RT Deutsch Beitrag als "Propaganda" - und kommt noch einmal auf den Kern seiner Geschichte zu sprechen, den RT Deutsch seiner Auffassung nach kaum interessiert: "Wir waren maximal transparent gegenüber unseren Interviewpartnern. Unsere Interviewpartner wurden auf einen Stuhl gesetzt. Wir hatten keine Möglichkeit irgendwelche Vorgespräche zu führen. Wir reden jetzt über Minderjährige und Kinder, die eingebettet sind in eine Befehlskette. Es geht in erster Linie darum, Kriegsverbrechen aufzudecken, deren Opfer Kinder sind."

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Die Existenz von Kindersoldaten im Donezbecken führt RT auf das Vorgehen der ukrainischen Armee zurück.

RT Deutsch räumt dagegen zwar ein, dass "der Einsatz von Kindersoldaten als Kriegsverbrechen gilt", hält es im konkreten Fall aber für wichtiger danach zu fragen, was Jugendliche dazu treibe, freiwillig "eine Waffe in die Hand zu nehmen und gegen ukrainische Regierungstruppen zu kämpfen". Aus Sicht des Senders ist das eigentliche Verbrechen das Vorgehen der ukrainischen Armee in der Ostukraine.

Die Kritik am Beitrag von "Frontal 21" richtet sich also vor allem gegen Einzelheiten in der Darstellung, bestreitet aber nicht die Tatsache, dass Kindersoldaten im Einsatz waren. Die Kritikpunkte werden zudem schlecht oder gar nicht belegt. Die Medienkritik von RT Deutsch erweckt daher vor allem den Eindruck, als wolle sie mit dem Angriff auf Einzelheiten der Berichterstattung den schwerwiegenden Vorwurf eines Kriegsverbrechens herunter spielen.

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ZAPP | 12.11.2014 | 23:20 Uhr