Stand: 20.09.2017 21:00 Uhr

Souad Mekhennet - Inside Islamismus

von Caroline Schmidt

Sie ist die Deutsche, die den Amerikanern die Gotteskrieger erklärt: Souad Mekhennet reist für die "Washington Post" zu Terroristen in Europa, im Nahen Osten und in Afrika, berichtet aus einer Welt aus Hass und Finsternis, die sich immer weiter ausbreitet - und die westlichen Gesellschaften mit ihrer Vision eines friedlichen Miteinanders der Kulturen zunehmend zerreißt.

Souad Mekhennet

Souad Mekhennet - Inside Islamismus

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Sie ist die Deutsche, die den Amerikanern die Gotteskrieger erklärt: Souad Mekhennet arbeitet für die "Washington Post". Sie glaubt an Aufklärung als Mittel gegen Unverständnis und Hass.

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Expertin für Einblicke in die Welt des Islam

Aufgewachsen ist Mekhennet in Frankfurt, in einem gutbürgerlichen Viertel. Der Vater ist aus Marokko eingewandert, die Mutter aus der Türkei. Ihre Eltern tun alles dafür, dass sie sich integriert. Sie achten darauf, dass sie schnell Deutsch lernt, halten alle Einflüsse fern, die das immer wieder auftauchende Gefühl von Fremdheit verstärken könnten. Mekhennet wird früh Journalistin, besucht schon mit Anfang zwanzig die renommierte Henri-Nannen-Schule in Hamburg.

Die Ausbildung hat sie im Jahr 2001 kaum abgeschlossen, als der 11. September die Welt erschüttert. Mekhennet will - wie viele Journalisten - verstehen, was diese jungen Muslime antreibt. Sie fährt in die Hamburger Viertel, in denen einige Terroristen lebten und beteten, spricht mit den Anwohnern. Sie knüpft als Muslimin schnell Kontakte in die Communities. Die großen Blätter werden auf sie aufmerksam. Der "Spiegel" engagiert sie für einige Artikel, schließlich nimmt die "Washington Post" Mekhennet unter Vertrag. 

Reise hinter die Fronten des Dschihad

Bei einer dieser Recherchen lernt sie die Witwe eines Feuerwehrmannes kennen, der in den Trümmern des World Trade Center den Tod fand. Von ihr hört sie zum ersten Mal einen Gedanken, der sie verstört. Aus Sicht dieser Frau tragen die Journalisten eine Mitschuld an dem Anschlag. "Wenn wir gewusst hätten, dass sie uns so hassen", sagt diese Frau den Journalisten, "hätten wir vielleicht etwas dagegen tun können." Und dann sieht sie in die Runde und fragt: "Warum hassen Sie uns so?" Diese Frage lässt Mekhennet nicht mehr los. Sie führt sie tief hinein in diese fremde Welt, hinter die Fronten des Dschihad, durch den Nahen Osten, Asien, Europa. Ihre Berichte klären auf, rütteln wach. Inzwischen breitet sich der Terror immer mehr aus.

Wir treffen Mekhennet für unseren Film kurz nach den Anschlägen in Barcelona. Wieder waren die Täter junge Männer, die offenbar glaubten, der Westen wolle den Islam vernichten. Sie recherchiert, wie immer in Eile, wie immer in Hast. Natürlich zweifele sie, sagt sie: Wenn man die Leichen sieht, die Biographien der Täter hört, "dann fühle ich, dass wir alle gescheitert sind". Aber gebe es nicht auch Menschen, die versuchen, gegen diesen Hass vorzugehen? Solange lohne es sich doch, "diesen Job zu machen". Mekhennet glaubt an Aufklärung als Mittel gegen Unverständnis und Hass. Es ist ein Motiv, das sie weit gebracht hat.

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 20.09.2017 | 23:20 Uhr