Stand: 12.09.2017 17:00 Uhr

Social Bots: #BTW17 letzte "normale Wahlkampf"

Manipulation in sozialen Medien: Wie verbreitet sind Social Bots in politischen Debatten? Dieser Frage geht Prof. Simon Hegelich von der Hochschule für Politik an der Technischen Universität München nach. Er untersucht im Auftrag von Medien360G, dem Medienprojekt des MDR, 160 Millionen Twitternachrichten, die einen Bezug zur Bundestagswahl haben. Seine These erklärt er im Interview mit ZAPP: "In Bezug auf die Wahl 2017 gehe ich eigentlich davon aus, dass wir auf der einen Seite sehr viele Manipulationsformen sehen, dass die aber vermutlich nicht besonders wirkmächtig werden, weil alles noch relativ normal abläuft. Ich sage eigentlich ganz gerne, dass 2017 der letzte normale Wahlkampf werden wird."

Ein Roboter, der vor einem Computerbildschirm sitzt

Social Bots: #BTW17 letzte "normale Wahlkampf"

ZAPP -

Mensch oder Maschine? Prof. Hegelich sucht nach Manipulationsversuchen im Netz. Aktuell wertet er die Tweets zur Bundestagswahl aus - vor allem ein politisches Spektrum nutze Bots.

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Rechte Spektrum setzt auf Bots

Filter-ZAPPer

Filterblasen im Vergleich

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Hegelich und sein Team wollen herausfinden, wer da twittert: Ein Mensch oder eine Maschine? Sein Befund nach Abschluss der Untersuchung: Das "rechte Spektrum" setzt auf Twitter vermehrt Social Bots ein, das linke politische Spektrum überhaupt nicht. Social Bots, das sind durch Programme gesteuerte Fake-Accounts in den sozialen Netzwerken, die vorgeben, echte Nutzer zu sein. Das nämlich stärkt die Glaubwürdigkeit der Inhalte.

Viele Follower der Parteien "inaktive Nutzer"

Mit Social Bots wird in sozialen Medien - beispielsweise auf Twitter - Stimmung gemacht, vor allem in sogenannten Filterblasen. Hegelichs Team hat herausgefunden, dass viele Follower der Parteien "inaktive Nutzer" sind, bei denen die Experten nicht wissen, ob es sich um Social Bots oder einfach inaktive Nutzer handelt. Die Parteien müssten einzeln dagegen vorgehen, wollten sie diese Profile aussortieren. Die CSU will das jetzt machen: Als erste Partei kündigt sie an, das Problem inaktiver Follower anzupacken und damit auch Social Bots auszumerzen.

Bots auf Twitter verboten

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Nur echt mit dem blauen Haken: Offizielle Profile werden auf Facebook und Twitter gekennzeichnet.

ZAPP bat den Kurznachrichtendienst Twitter um ein Interview, bekam als Antwort allerdings nur den Blogeintrag aus Juni 2017. Darin versichert das Unternehmen, Maßnahmen gegen Missbrauch zu ergreifen - bleibt jedoch konkrete Erläuterungen und Zahlen schuldig. Zudem verweist es darauf, dass die Nutzung von Bots untersagt ist. Und nimmt die Nutzer mit in die Pflicht: "Wir können nicht jeden einzelnen Tweet überprüfen, um herauszufinden, ob der Inhalt wahr ist oder nicht. Wir, als Anbieter, können nicht als Schiedsrichter über die Wahrheit auftreten. Aber Journalisten, Experten und engagierte Bürger können die Inhalte prüfen und den öffentlichen Diskurs in Sekundenschnelle beeinflussen. Das passiert jeden Tag."

Geschäftsmodell von Twitter leidet nicht unter Bots

Sind Bots ein gravierendes Problem für Twitter? Nicht wirklich, so Hegelich: "Das Problem bei Twitter ist, dass die natürlich auf der einen Seite schon das Interesse haben, gegen Bots vorzugehen. Das ist schlechte Publicity. Auf der anderen Seite muss man aber auch sagen, dass z.B. anders als bei Facebook das Geschäftsmodell von Twitter unter den Bots nicht wirklich leidet. Weil das Hauptgeschäftsmodell von Twitter ist ja nach wie vor: Die sind eigentlich sowas wie das neue Facebook. Wir haben auch ganz viele Nutzer - investiert in uns. Wenn sich jetzt herausstellen würde, dass ein entsprechender Anteil der Nutzer, zwischen neun und zwanzig Prozent vielleicht, gar keine echten Nutzer sind, dann hätte das einen extrem heftigen Effekt auf den derzeitigen Börsenkurs von Twitter."

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ZAPP | 13.09.2017 | 23:20 Uhr