Stand: 10.02.2016 17:34 Uhr

"Rabaukenjäger"-Urteil: Gericht gegen Meinungsfreiheit

Der "Rabaukenjäger" macht schon wieder Schlagzeilen: In zweiter Instanz hat das Landgericht Neubrandenburg einen Reporter des "Nordkurier" zu einer Geldstrafe von 1.000 Euro verurteilt. Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDVZ) hat mit Unverständnis auf das Urteil reagiert. Es drohe ein Präzedenzfall, der künftig jede derbe Meinungsäußerung der Presse "zu einer Art Vabanquespiel" werden lasse - mit möglichen juristischen Folgen.

Von Facebook in die Lokalzeitung

Der Fall: Im Sommer 2014 hatte ein Jäger mit seinem Auto ein totes Reh von einer Bundesstraße in Mecklenburg-Vorpommern gezogen. Es hing mit einem Seil an der Anhängerkupplung. Und wie der Zufall es so will, hielt ein Autofahrer mit seinem Smartphone drauf. Er postete das Bild bei Facebook. Aber erst als ein Reporter des "Nordkurier" das Bild veröffentlichte und einen Artikel dazu schrieb, erhitzten Bild und Jagdgeschichte die Gemüter.

Rabaukenjäger-Urteil

"Rabaukenjäger"-Urteil: Gericht gegen Meinungsfreiheit

ZAPP -

Eingriff in die Meinungsfreiheit? Ein Reporter wurde in zweiter Instanz zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er in einem Artikel einen Jäger als "Rabaukenjäger" beschimpft hat.

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Jäger wurde in sozialen Netzwerken beschimpft

Als "Rabaukenjäger" wurde der Revier-Pächter aus Vorpommern in dem Artikel bezeichnet - als ein Mann, der "am Wochenende großen Mist gebaut hat". Auch wenn der Reporter den Jäger nicht namentlich nannte, wussten offenbar viele in der Region, wer gemeint war, da der Reporter viele persönliche Details über den Mann veröffentlichte. In den sozialen Netzwerken wurde der Mann beleidigend als "Drecksjäger" beschimpft.

Als Zapp ihn 2014 um ein Interview bat, lehnte er mit der Begründung ab, dass er damit die öffentliche Meinung sowieso nicht ändern könne. Er bevorzuge, einfach zu schweigen. Jedenfalls öffentlich. Denn juristisch ging er offensiv gegen den "Nordkurier" vor - er klagte auch gegen den Begriff "Rabaukenjäger". Jetzt wurde dem Jäger in zweiter Instanz Recht gegeben und wieder geht es um die Meinungsfreiheit in der Presse. Der Verlag des "Nordkurier" und der Verurteilte kündigten an, in Revision zu gehen. Zapp hat sich den Fall auch noch einmal genau angeschaut.

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 10.02.2016 | 23:20 Uhr