Stand: 26.01.2016 13:00 Uhr

Provokant: Jung und die Bundespressekonferenz

von Daniel Bouhs
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Tilo Jung hat auf seinem YouTube-Kanal Jung&Naiv über 60.000 Abonnenten. Mit seinen Videos erzielte er über neun Millionen Aufrufe.

Die Bundespressekonferenz (BPK) als Veranstaltung des Vereins der Hauptstadtjournalisten ist eine Institution im politischen Berlin. Dreimal in der Woche können Journalisten Fragen stellen, dreimal in der Woche müssen/können sich Vertreter der Regierung dem stellen. Seit 2014 allerdings taucht dort mit Tilo Jung regelmäßig ein junges Mitglied der BPK auf, das mit vielen einfachen Fragen die Vertreter der einzelnen Ministerien und manchmal auch die eigenen Kollegen gehörig nervt.

Tilo Jung im Interview.

Provokant: Jung und die Bundespressekonferenz

ZAPP -

Tilo Jungs Fragen in der Bundespressekonferenz - für die einen Journalistenkollegen ein frischer Wind in ehrwürdigem Rahmen, für die anderen eine penetrante Zumutung.

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Die Antworten auf seine Fragen und alle anderen körpersprachlichen Reaktionen der Anwesenden nimmt Jung auf Video auf und präsentiert sie stolz in seinem YouTube-Kanal "Jung und naiv". Gern auch mal als gekonnter Zusammenschnitt der gegebenen Antworten, der dann die Zwänge einer "diplomatischen Aussage" erst recht deutlich werden lässt. Den Regierungssprechern fällt es manchmal sichtbar schwer, die Nachfragen des jungen Kollegen zu ertragen. Gegenüber ZAPP verteidigt Jung dagegen sein fast schon anarchistisches Handeln: Er wolle Grundsätzliches von der Regierung hören, er wolle Politik verstehen und die Antworten dann auch für alle dokumentieren.

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Anfeindungen von Kollegen

Offiziell hört man vom Vorsitzenden der Bundespressekonferenz, Gregor Mayntz, dazu kein böses Wort. Manchmal unterstützt er sogar die Wahrheitssuche des jungen Kollegen, indem er den Regierungsvertretern signalisiert, dass diese oder jene Frage durchaus ihre Berechtigung habe. Unter den Hauptstadtjournalisten ist die Toleranzschwelle hingegen nicht ganz so hoch.

Die Journalisten in der BPK arbeiten meist unter Zeitdruck, brauchen oft nur die eine passende Antwort auf ihre wichtigste tagesaktuelle Frage und haben auch nicht die Nerven für einen ausgedehnten - und vor allem oft nicht tagesaktuellen - Fragenkanon, den sie auch als Tilo-Jung-Show wahrnehmen. Ihren Unmut lassen sie ihn mitunter deutlich spüren. Oliver Towfigh Nia vom Verein der ausländischen Presse zu ZAPP: "Es kamen einige Kollegen sehr aggressiv auf ihn zu - drei oder vier Kollegen, die auch öfters hier unten sind, im Saal sitzen, die ihn dann auch angebrüllt haben und alles drum und dran. Ich kann es zum Teil verstehen ... aber wie gesagt: Der Ton, wie er angegriffen wurde, war nicht ganz richtig."

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Jung versteht genervte Kollegen, ist aber nicht sein Problem

Tilo Jung dagegen steht im Gespräch mit ZAPP voll zu seiner Arbeit: "Ich kann verstehen, wer in so einem Modus arbeitet, den kann ich vollkommen verstehen. Nur arbeiten wir hier ja auch. Und wir haben hier auch unseren Modus. Und ich würde nie auf die Idee kommen, mich über die Fragen und Themen der Kollegen zu beschweren. Weil das ist genauso ergänzend wichtig für uns, wie hoffentlich unsere Fragen wichtig für die sind. Und am Ende ist es doch das Problem derjenigen Journalisten, die einen Redaktionsschluss haben, dass sie in einem Medium arbeiten, wo das noch relevant ist."

Jung selbst hat keinen Redaktionsschluss, er publiziert im Netz. Auf YouTube folgen ihm über 60.000 Fans. Auf Facebook sind es über 178.000, was ihm nach eigenen Angaben eine wöchentliche Reichweite von 5 bis 6 Millionen Menschen beschert. Seit er im Februar auch dort Videos aus der BKP veröffentlicht, seien knapp 50 Millionen Views zusammengekommen - Zahlen, von denen viele Medienmacher träumen. Mehr von und über Tilo Jung gibt's diese Woche in ZAPP.

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 27.01.2016 | 23:20 Uhr