Sendedatum: 27.09.2017 23:20 Uhr

Perspektivwechsel: Die Wahlnacht bei der "taz"

von Sabine Schaper

Im eigentlichen Konferenzraum der "taz" in der Berliner Rudi-Dutschke-Straße, in einem Dschungel aus Zimmerpalmen und Telefon- und Computerkabeln, hat die "wahl-taz" ihr Lager aufgeschlagen. Drei Wochen lang hat ein eigens zusammengestelltes Team hier täglich Sonderseiten produziert und Reporter durchs Land geschickt, um die Stimmung vor der Wahl einzufangen. Jetzt ist er da, der Wahlsonntag, die Redaktion füllt sich am späten Nachmittag. Auf einem Beamer laufen bereits ARD und ZDF. Kaffee wird gekocht. Noch zwei Stunden bis zur Schließung der Wahllokale. Dann kommt die erste Prognose, auf die die "taz" sofort reagieren muss.

Ein Redaktionsraum der TAZ

Hinter den Kulissen der Wahlnacht

ZAPP -

Korrespondenten aus der ganzen Welt haben über die Bundestagswahl berichtet. Wie ist ihr Blick auf die Wahl, was berichten sie den Zuschauern zu Hause? ZAPP hat nachgefragt.

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Das lange Warten auf die erste Hochrechnung

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Keine Zeit für Sprachlosigkeit: Johanna Roth, "taz"-Redakteurin im Ressort "Meinung + Diskussion" am Wahlabend.

"Das Ergebnis kommt um 18 Uhr, dann aktualisieren wir die Zeitung mehrmals für die unterschiedlichen Druckereien und wollen natürlich immer den aktuellsten Stand drin haben - das muss hier dann wie am Schnürchen laufen", sagt Johanna Roth, "taz"-Redakteurin im Ressort "Meinung + Diskussion". Ihre Aufgabe ist es, so schnell wie möglich den Kommentar aus der Chefredaktion - eine Einordnung des Wahlergebnisses und möglicher Koalitionen - zu redigieren und für die Titelseite der Zeitung sowie taz.de zu produzieren. Aber die Zahlen gibt es bisher noch nicht.

"Dazu muss man jetzt schnell eine Haltung entwickeln"

Langsam versammeln sich die Redakteure um die Fernseher. Auf dem Bildschirm erscheint der Countdown, dann endlich die bunten Balken. Rund 13 Prozent für die AfD, heißt es, unruhiges Raunen geht durch die "taz"-Redaktion, Schnaufen, Sprachlosigkeit. "Das war zwar irgendwie klar, aber 13 Prozent sind schon eine Hausnummer", findet Johanna Roth mit Blick auf den Bildschirm erste Worte. "Das ist - ich glaube, auch gerade hier in der "taz" - ein ziemlicher Schock."

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Hinter den Kulissen der Wahlnacht

27.09.2017 23:20 Uhr

Korrespondenten aus der ganzen Welt haben über die Bundestagswahl berichtet. Wie ist ihr Blick auf die Wahl, was berichten sie den Zuschauern zu Hause? ZAPP hat nachgefragt. mehr

Außerdem: Die SPD will keine weitere Große Koalition. "Das sind Nachrichten, die danach drängen, kommentiert zu werden. Dazu muss man jetzt schnell eine Haltung entwickeln." Kurze Zeit später ist der Kommentar vom Chefredakteur Georg Löwisch auch schon da, soll unbedingt noch mit in die nächste Aktualisierung des Blatts.

Gewitterhimmel über dem Reichstag

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Gewitterhimmel über dem Reichstag, das Titelbild der "taz" vom Tag nach der Wahl.

Ein Stockwerk höher bespricht die Seite 1-Redaktion den Titel der Montagsausgabe. Der Reichstag vor dunklem Gewitterhimmel, ein Blitz schlägt ein. Verschiedene Vorschläge für die Schlagzeile werden diskutiert, am Ende die Entscheidung, ganz auf Worte zu verzichten. "Das finde ich gut", sagt Johanna Roth, die sich mit dem Team wegen des Kommentars abstimmen muss, der darunter stehen wird. "Das stellt unsere Sprachlosigkeit gut dar, bringt aber trotzdem eindeutig unsere Haltung rüber."

Draußen ist es längst dunkel, alle Zeitungen sind im Druck, als eine neue Nachricht die Runde macht: Am Alexanderplatz, wo die Wahlparty der AfD stattfindet, soll es zu Krawallen gekommen sein. "Wir haben jetzt noch einen Reporter hingeschickt, der anschaut, was da los ist. Für die Zeitung ist es jetzt natürlich zu spät, aber die Kollegen von taz.de werden dann sicher noch mitnehmen, was er mitbringt."

Die Debatte geht weiter

Langsam leert sich der die Redaktion, auch Johanna Roth packt zusammen. Der Wahlabend ist überstanden - aber das Wahlergebnis wird sie und die "taz" auch darüber hinaus beschäftigen: "Wir haben uns auch in den letzten Wochen schon viel damit beschäftigt und viel diskutiert, wie man der AfD am besten begegnet. Es gibt das bekannte Bild: 'Wir springen über das Stöckchen, das die AfD uns hinhält' - wir diskutieren da auch hier im Haus viel und ich glaube, die Debatte wird uns weit über den Wahlsonntag noch begleiten."

Kommentar

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 27.09.2017 | 23:20 Uhr