Stand: 11.02.2015 06:00 Uhr

Perfide Propaganda: Geisel als IS-Reporter

Der britische Fotoreporter und Korrespondent John Cantlie wurde im November 2012 zusammen mit dem inzwischen ermordeten amerikanischen Fotografen James Foley in Syrien entführt: Seitdem hat die Terrormiliz IS immer wieder Propagandavideos veröffentlicht, in denen John Cantlie wie ein unabhängiger Fernsehreporter von "vor Ort" berichten muss.

Der britsiche Journalist John Cantlie, der sich in IS-Gefangenschaft befindet.

Perfide Propaganda: Geisel als IS-Reporter

ZAPP -

Die Propagandavideos des IS im Netz werden immer professioneller. Sogar entführte Journalisten zwingt die Terrormiliz inzwischen für ihre Zwecke vor die Kamera.

3,92 bei 12 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Zum Beispiel aus der umkämpften Stadt Kobane, als der IS noch versuchte, diese zu erobern. Dort musste der entführte Journalist die Erfolge der IS-Kämpfer herausstellen und die Erfolge der Anti-IS-Allianz herunterspielen. Berichte ausländischer Medien seien falsch, sagte er in die Kamera, am Ende würde der IS in Kobane und in ganz Syrien siegen.

Wie überlebt man als IS-Gefangener?

Weitere Informationen
mit Video

Harte Gegengeschichten: Anti-IS Videos im Netz

11.02.2015 23:25 Uhr

Die IS-Milizen wissen, wie man Jugendliche im Netz erreicht. Ihre Gegner versuchen, mit Gegenkampagnen auf die Sprache und die Erfahrungen junger Moslems einzugehen. mehr

Die Videos sind inzwischen hochprofessionell gemacht, mit Luftaufnahmen, Aufsagern, Interviews, gekonnten Zwischenschnitten. Ein Freund und Kollege von John Cantlie sagte dazu gegenüber ZAPP, die Geisel hätte sicher keine Wahl, es sei "eine Überlebensstrategie", in den Propaganda-Videos mitzuspielen, um nicht getötet zu werden.

Die Ereignisse der letzten Wochen haben gezeigt, dass der IS nicht vor öffentlichkeitswirksamen Enthauptungen oder gar der Verbrennung seiner gefangenen Geiseln zurückschreckt. Cantlie hofft mit seiner Mitwirkung in den Propagandafilmen vermutlich einfach so lange in Gefangenschaft zu überleben, bis er befreit wird, freigekauft wird oder fliehen kann.

"Professionelle Medienarbeit"

Die Dschihadisten verbreiten ihre Ideologie gezielt und professionell über das Internet - um Angst unter ihren Gegnern zu verbreiten und durch die Radikalisierung junger Leute in der ganzen Welt für Nachschub an Kämpfern zu sorgen. Über soziale Netzwerke wie WhatsApp und Twitter lassen sich aktuelle Kriegsbilder schnell und weitgehend unkontrolliert verteilen. Sogar der BND bescheinigt dem IS eine "professionelle Medienarbeit" zur Rekrutierung von jungen Kämpfern und zur Verbreitung seiner radikalen Ziele.

Weitere Informationen
mit Video

IS-Propaganda: Wie gefährlich für Deutschland?

03.09.2014 23:35 Uhr

Ein Berliner Rapper wirbt per Video um deutsche Kämpfer, ein islamistisches Magazin versucht Akademiker nach Syrien zu locken. Die Medien ringen mit den Propagandabildern. mehr

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 11.02.2015 | 23:25 Uhr