Stand: 30.11.2016 18:14 Uhr

Olympia - ohne ARD und ZDF

von Annette Leiterer

Farbenfrohe Sommerspiele - wie zuletzt in Rio de Janeiro - mit besten Übertragungszeiten im deutschen Fernsehen und Marktanteilen um die 22 Prozent, das ist erst einmal Geschichte. Von 2018 bis 2024 wird es keine Live-Berichterstattung bei ARD und ZDF zu Olympia geben. Der ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky sagte zu ZAPP, er sei "sehr, sehr traurig" über die gerade gescheiterten Verhandlungen um Sublizenzen mit dem Rechteinhaber Discovery, der bereits im letzten Jahr die Berichterstattungsrechte erwarb (siehe Film).

Woran lag es? Die Theorie "Retourkutsche"

Thomas Kistner, Sportredakteur bei der "Süddeutschen Zeitung", glaubt nicht, dass die Verhandlungen allein daran gescheitert sind, dass ARD und ZDF nicht die Summe geboten haben, die Discovery für die Sublizenzen haben wollte. Er ist der Meinung, dass die ARD mit ihrer kritischen Berichterstattung über Doping für einen "verheerenden Schlag ins Kontor des IOC gesorgt hat." Das habe IOC-Chef Thomas Bach in eine "unsägliche Rolle" gebracht. Den deutschen Chef des Olympischen Komitees beschreibt Kistner als keinen, "der Dinge schnell vergisst". Er vermutet Bachs Einflussnahme in Bezug auf die Rechteverhandlungen zwischen den Öffentlich-Rechtlichen und Discovery.

Die ARD hat dazu eine andere Lesart. Axel Balkausky sieht dahinter eine grundsätzliche Entscheidung des IOC: eine Unterstützung des "Olympic Channel", den Bach direkt nach den Spielen in Rio gestartet hat. Dieser Olympia-Kanal ist eine Herzensangelegenheit von Thomas Bach und bestens dazu geeignet, Olympia auch zwischen den Spielen zu vermarkten.

Der DOSB bedauert Entscheidung

Michael Vesper, der ehemalige Grünen-Politiker und jetzige Vorstandsvorsitzende vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), bedauert das Scheitern der Verhandlungen und lobt die "exzellente Berichterstattung" von ARD und ZDF bei den vergangenen Spielen. Er setzt offenbar darauf, dass die Spiele irgendwann wieder den Weg zu den öffentlich-rechtlichen Sendern finden: "Wir erleben im Moment etwas, was wir im Fußball vor Jahrzehnten auch schon mal erlebt haben. Also da ist die Welt auch nicht untergegangen. Und wie sie wissen, sind die Rechte dann irgendwann einmal auch wieder bei den Öffentlich-Rechtlichen gelandet." Noch steht aber nicht einmal fest, wo die olympischen Spiele nach 2024 überhaupt stattfinden. Die Spiele davor finden allesamt in Asien statt, die Wettkämpfe starten zu deutscher Zeit in der Nacht. Damit ist das Angebot für die Live-Berichterstattung ohnehin weniger attraktiv als zum Beispiel bei den Sommerspielen in Rio.

Eingespartes Geld Riesenchance für ARD und ZDF

Offen ist noch, ob die ARD und das ZDF in ihren Nachrichtensendungen mit Bildern über die Spiele berichten können und ob die Paralympics eventuell bei den Öffentlich-Rechtlichen stattfinden werden. Fest steht nur, dass der für die Spiele eingeplante Etat auf dem Sportrechteetat und die vorgesehenen Produktionsmittel erst einmal freigeworden sind. Dazu meint Axel Balkausky: "Da ist noch gar nicht entschieden, ob das Geld im Sportbereich bleibt. Sondern das werden die Intendantinnen und Intendanten jetzt in Ruhe entscheiden, nach Vorschlägen, die jetzt aus vielen Richtungen kommen innerhalb der ARD, weil es natürlich überall Begehrlichkeiten gibt." Thomas Kistner sieht in den freigewordenen Mitteln eine Riesenchance für ARD und ZDF: "Wann, wenn nicht jetzt, ist die Gelegenheit da, hier wirklich mal Journalismus auf breiter Ebene zu praktizieren? Denn im Sport - gerade im olympischen Sport - gibt es nicht nur das Problem des Dopings, wir haben Korruption, wir haben ganz offenkundig verschobene Spiele."

Sport-Etat der TV-Sender ist endlich

ARD und ZDF senden in den kommenden Jahren zwar nicht mehr live von Olympia, dafür haben sie nun aber ein klares Signal an die Sportverbände gesendet: "In den letzten Jahren hieß es ja, der Sportrechte-Etat ist unerschöpflich. Ich glaube, wir sehen gerade, dass das nicht so ist", meint Balkausky. Und ergänzt: "Da draußen müssen sich alle Verbände überlegen, was sie in Zukunft mit ihren Rechten machen wollen." Was der Discovery-Konzern nun mit seinen Rechten macht, wird die Öffentlichkeit im Januar erfahren. Dann sollen die konkreten Pläne zur Olympia-Berichterstattung vorgestellt werden.

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ZAPP | 30.11.2016 | 23:20 Uhr