Stand: 20.01.2016 13:40 Uhr

Neustart für syrischen Journalisten in Lingen

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Der syrische Journalist Nawras Kadro weiß, wie sich Flüchtlinge fühlen - er ist selbst aus Syrien geflohen und arbeitet jetzt bei EV1.TV.

Seit Silvester, den Übergriffen, aber auch der daraus entstandenen Hetze gegen die Flüchtlinge, ist für Nawras Kadro seine Arbeit noch wichtiger geworden. Der syrische Journalist will vermitteln, erklären, zusammenführen. Und bekommt die Chance dazu durch den lokalen niedersächsischen Fernsehsender EV1.TV. Dort produziert der 29-Jährige Filme für Flüchtlinge.

Nawras Kadro im Gespräch mit dem Bewohner eines Flüchtlingsheims.

Neustart für syrischen Journalisten in Lingen

ZAPP -

Nawras Kadro ist 2013 aus Syrien geflohen, jetzt arbeitet er beim Lokalsender EV1.TV. Mit seinen Filmen will er Flüchtlingen dabei helfen, in Deutschland anzukommen.

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Den Flüchtlingen helfen und eine Stimme geben

Er will Orientierung bieten in einer ihnen fremden Welt. "Die Idee ist, dass die Flüchtlinge alle Infos bekommen in einem Film. Sie werden willkommen geheißen von einer offiziellen Person, wie dem Landrat. Also wissen sie, dass die Informationen richtig sind, weil sie von der 'Regierung' kommen. Dann wird vieles klarer. Weil, sie sind ja gerade erst angekommen. Sie wissen nichts über Deutschland, sie wissen nicht, warum sie ausgerechnet hier gelandet sind, von der Grenze hierher gebracht wurden." Seit Silvester bekommen durch ihn die Flüchtlinge aber auch eine eigene Stimme. In seinem neuen Projekt will er von den Bewohnern des Erstaufnahmelagers in Meppen wissen, wie sie mit den Vorgängen in der Silvesternacht umgehen.

Flucht vor dem Regime in Syrien

Nawras Kadro ist 2013 aus Syrien geflohen. Seine Fernsehbeiträge für das Staatsfernsehen in Syrien waren dem Regime zu kritisch. Viele seiner Freunde wurden inhaftiert oder ermordet. Vor drei Jahren entschloss er sich deshalb dazu, sein Heimatland zu verlassen und zu fliehen. Sein Weg führte ihn über die Türkei, Griechenland, den Balkan bis nach Nordhorn in Niedersachsen. Sobald er sich dort orientiert hatte, war für ihn klar, dass er nicht nur rumsitzen und auf die Entscheidung über sein Bleiberecht warten wollte.

Neustart bei EV1.TV

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Er kam in Kontakt mit dem regionalen Fernsehsender EV1.TV. Gemeinsam mit Programmchef Alex Backers hat er Konzepte ausgearbeitet und produziert journalistische Formate speziell für Flüchtlinge. "Wir haben den Nawras hier als einen Dreimonats-Praktikanten, erst mal, der auch vom Landkreis Grafschaft Bentheim gefördert wird. Also wir bekommen kein Geld, aber er bekommt Unterstützung. Und wir sehen es eben auch als eine gesellschaftliche Verpflichtung an, da wo es Möglichkeiten gibt, auch eben etwas zu unternehmen."

Der Traum: Die Rückkehr in ein friedliches Syrien

Zahlreiche Filme sind inzwischen entstanden, eine Lebenshilfe für die Neuankömmlinge. So berichtet er über die bürokratischen Abläufe und Hürden für Flüchtlinge, aber auch über die fremde deutsche Kultur – auf Arabisch, Persisch, Englisch. Eines Tages aber, so die große Hoffnung des Journalisten, will er wieder zurück nach Damaskus. Und von dort berichten über ein freies, friedliches und demokratisches Syrien.

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 20.01.2016 | 23:40 Uhr