Stand: 31.01.2017 16:00 Uhr

Holger Stark verstärkt "Zeit"-Investigation

von Daniel Bouhs
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"Die Gesellschaft braucht investigativen Journalismus, der den Herrschenden auf die Finger schaut", so Holger Stark. "Die Zeit" will ihren Beitrag verstärken.

Holger Stark hat in diesem Jahr großes vor: Er will der "Zeit", die lange vor allem für Analysen denn Enthüllungen stand, eine "neue Dimension" hinzufügen. Seit Februar baut der langjährige "Spiegel"-Rechercheur, der für seine Berichte über die Ausspähaktivitäten der NSA ausgezeichnet wurde, bei der Wochenzeitung den Bereich "Investigation" aus und damit nicht zuletzt neue Konkurrenz für seinen bisherigen Arbeitgeber auf. Probleme hat er damit keine, das stärke den Journalismus insgesamt. Zudem gibt es genug zu tun: "Es ist erkennbar, dass nicht genügend Vorgänge anständig ausgeleuchtet und beschrieben werden", sagte Stark gegenüber ZAPP. "Gucken Sie sich die VW-Affäre an, wo wir bis heute nicht genau wissen, was ist. Schauen Sie sich die NSA-Affäre an."

Keine Recherche-Allianz geplant, aber punktuelle Kooperation

Tatsächlich sind Investigativ-Ressorts in vielen Medienhäusern schon seit Jahren angesagt, teils mit systematischen Kooperationen. So arbeiten NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" oft zusammen und das über das Recherchenetzwerk ICIJ bei Projekten wie "Panama Papers" und "Offshore Leaks" auch mit Kollegen aus aller Welt. Der "Spiegel" hat als Reaktion darauf wiederum den Verbund EIC mitgegründet und arbeitet über ihn bei Recherchen wie "Football Leaks" mit Medien in anderen Ländern zusammen. Stark wolle hingegen nicht "rein um des Formats willens eine neue Allianz gründen", sondern nur punktuell Kooperationen suchen - "je nachdem, was die Geschichten brauchen".

Investigativ-Truppe inhouse rekrutiert

Bei der "Zeit" muss Stark allerdings nicht bei null anfangen: Stephan Lebert hat erste Investigativ-Journalisten zusammengezogen. Mit dabei sind Rechercheure wie Christian Fuchs - ein starker Kenner vor allem der Geheimdienstszene. Stark will die anfängliche investigative Arbeit nun vor allem mit Bordmitteln ausbauen: "Die Einbindung meiner Person in die Chefredaktion ist ein Signal, dass das nicht nur in einer kleinen Dunkelkammer am Ende eines Ganges geschehen soll, wo alle paar Monate ein Mal die Tür aufgeht, es Licht wird und eine Geschichte zum Vorschein kommt", sagte er ZAPP.

Fakten gegen den "Schleier von Postfaktizität"

Bei der "Zeit" würden "in allen Ressorts viele jüngere wie ältere Kollegen darauf warten, abgeholt zu werden und in investigativen Projekten zusammenzukommen". Er wolle von Thema zu Thema immer neue Kollegen projektweise einbinden und dadurch "eine Summe schaffen, die größer ist als das, was die Einzelnen beitragen kann". Dazu passt: In der "Zeit" gilt auch Politikchef Bernd Ulrich als Fan aufwendiger Recherchen. Ulrich hatte zuletzt davon gesprochen, vor allem an "rekonstruktiver Investigation" interessiert zu sein, um nach Ereignissen wie der Kölner Silvesternacht etwas gegen den "Schleier von Postfaktizität" zu tun, der sich inzwischen rasch über "praktisch alles" lege.

Die "neue Dimension", von der Holger Stark spricht - sie könnte am Ende also alles andere als eine Übertreibung gewesen sein. Mit der "Zeit" ist in Sachen Investigation nun jedenfalls zu rechnen.

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