Stand: 11.10.2017 21:00 Uhr

Mitgerissen: Stürme in den Medien

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Jan Philipp Burgard berichtete für die "Tagesschau" aus Miami über den Hurrikan Irma - natürlich stellte er sich in den Sturm.

"Auf dem Brocken können heute 118 km/h mittlere Windgeschwindigkeit erreicht werden - erste Hurrikan-Stufe. Wer das mal erleben will: Nichts wie hin. Aber Vorsicht: Das kann einen schon von den Beinen reißen." Diese Einladung zum Extremerlebnis sprach voller Begeisterung Donald Bäcker, der Wettermann von ARD-Morgenmagazin am vorigen Donnerstag aus, als er über das Sturmtief Xavier berichtete. "Nichts wie hin" scheint auch das Motto für alle Medien, wenn sich Stürme ankündigen.

ARD-Reportrer im Hurricane in Florida.

Mitgerissen: Stürme in den Medien

ZAPP -

Wenn draußen der Sturm tobt, schwärmen Reporter aus, um zu berichten - und stellen sich in den peitschenden Regen. Das gibt gute Bilder und sorgt für Quote. Doch ist es sinnvoll?

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Unwetter bringen Quote

Medienmacher wissen: Sturmbilder machen Quote und werden geklickt. Als ein schwerer Hurrikane jüngst über Miami fegte, schilderte der ARD-Reporter Jan Phillipp Burgard sturmzerzaust und sich an ein Geländer klammernd in der Tagesschau: "Wer jetzt nicht in Sicherheit ist, für den ist es eigentlich zu spät." Besorgte Zuschauer fragten sich dabei, wie es eigentlich um die Sicherheit des Reporters selbst bestellt sei. Darauf antwortete der Reporter umgehend auf Facebook:

"Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, vielen Dank für Ihr Feedback auf unsere Berichterstattung über Hurrikan Irma aus Miami. Einige von Ihnen haben Sorgen über die Sicherheit unseres Teams zum Ausdruck gebracht. Dazu ein kleiner Einblick hinter die Kulissen, der Sie vielleicht etwas beruhigt: Unsere Live-Schalten haben wir aus einem Hotel produziert, das nicht evakuiert wurde, weil es als baulich Hurrikan-sicher eingestuft worden war ..."


Sturmbilder produziert unter Lebensgefahr

Während sich deutsche Zuschauer noch wundern und Auslandsreporter sich erklären, bieten sich den US-Zuschauern noch ganz andere Szenen. Dort werden Reporter weggeweht und Sender greifen unter Lebensgefahr gedrehte Privat-Videos dankbar auf.

Enttäuschung, wenn nichts passiert

Keine Frage: Berichte über ein bevorstehendes oder aktuelles Unwetter sind wichtig, schließlich können so Menschenleben gerettet werden. Doch der Grad zum Sensationsjournalismus um der Quote willen ist schmal. Manchmal scheint es, als sei aus Sicht der Medienmacher das Glück über ein ausgebliebenes Wetterunglück die eigentliche Katastrophe.

 

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 11.10.2017 | 23:20 Uhr