Stand: 28.10.2015 16:23 Uhr

Medialer Stellungskampf ums "Sommermärchen"

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Will sich wehren: Franz Beckenbauer.

Nach fast zweiwöchiger Schockstarre gehen Franz Beckenbauer und Günter Netzer jetzt in die Offensive - gegen die Berichtersattung des "Spiegel". Der Tenor: Das "Sommermärchen 2006" sei nicht gekauft worden.

Das Verlagshaus des "Spiegels" in Hamburg © NDR

Medialer Stellungskampf ums "Sommermärchen"

ZAPP -

Mithilfe von Bestechung soll der DFB die WM 2006 nach Deutschland geholt haben. Das zumindest legt der "Spiegel" sehr nahe. Nun wird mit harten Bandagen gekämpft.

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Netzer, Aufsichtsrat des einstigen Organisationskomitees (OK), hat jetzt dem Kronzeugen des "Spiegel" eine Frist gesetzt: Der ehemalige Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und OK-Vizepräsident Theo Zwanziger solle seine Behauptung zurückzunehmen, er - Netzer - habe in einem kleinen Kreis davon gesprochen, dass 6,7 Millionen Euro aus einem privaten Darlehen des verstorbenen Adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus "an die vier Asiaten" des höchsten FIFA-Gremiums geflossen seien.

Videos
03:18 min

Hajo Seppelt: "Schwieriger als bei der Mafia"

28.10.2015 23:20 Uhr

Für den ARD-Doping-Experten Hajo Seppelt sind die Schwierigkeiten bei der Recherche zu DFB und FIFA keine Überraschung. Die Welt des Sports sei verschwiegener als die Mafia. Video (03:18 min)

Gegendarstellungen gefordert

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Stützt die Version des "Spiegel": Theo Zwanziger.

Von Bestechung ist also die Rede. Davon, dass der DFB die Weltmeisterschaft nur mit Hilfe findiger Geldtransfers nach Deutschland geholt haben soll. Theo Zwanziger könnte es immerhin genauer wissen. Unter dem Titel "Der Fall DFB" packt er gegenüber dem Spiegel aus und kündigt an, dies auch vor Gericht so zu vertreten. Der DFB wiederum greift nach einer desaströsen Krisen-PR zu juristischen Mitteln: DFB-Medienanwalt Christian Schertz will im Magazin Gegendarstellungen platzieren - nicht zuletzt gegen den Verdacht, die Fußball-WM 2006 in Deutschland sei "mutmaßlich gekauft".

Schwarze Kassen aus "Spiegel"-Sicht belegt

Schertz sagte ZAPP: "Es hat keinen Stimmenkauf gegeben. Mit dieser steilen These hat der 'Spiegel' aber sein Heft verkauft." Der Chefredakteur des "Spiegel", Klaus Brinkbäumer, wiederum verteidigt die Recherchen seiner Kollegen: "Der zentrale Punkt in der ersten Titelgeschichte war die schwarze Kasse im Zusammenhang mit der WM 2006. Das ist so gut belegt, wie wir es recherchieren konnten. Wir konnten das in unserer zweiten Titelgeschichte untermauern."

Das "Sommermärchen" von 2006 steht unter Bestechungsverdacht. © NDR

Christian Schertz: "Es hat keinen Stimmenkauf gegeben"

ZAPP -

DFB-Medienanwalt Christian Schertz sagt im ZAPP-Interview, warum er im "Spiegel" Gegendarstellungen platzieren will.

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Sportjournalisten teilen sich in zwei Lager

Es geht um die Deutungshoheit in der Affäre, um Platz und Sieg - und das auch unter Sportjournalisten. Die befinden sich seit zwei Wochen in einer Art medialem Stellungskampf: Die einen springen Beckenbauer und Co. mitunter offensiv zur Seite. Die anderen wiederum stärken sich dieser Tage auf einer eigenen Konferenz für die nächsten Enthüllungen über die Machenschaften des organisierten Sports.

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 28.10.2015 | 23:40 Uhr