Stand: 19.01.2016 16:00 Uhr

Live-Streaming: "Jeder kann jetzt Journalist sein"

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Sobald irgendwo etwas passiert, zücken viele Menschen ihr Smartphone und halten drauf - einige streamen direkt ins Netz. (Archivbild)

Explosionen hallen durch die Straßen Jakartas. Die Hauptstadt Indonesiens wird am 14. Januar von einem Terroranschlag erschüttert. Der Deutsche Chris Czermak lebt dort und kann von seinem Büro aus alles mitverfolgen. Er holt sein Smartphone raus und filmt mit - per Live-Stream kann die ganze Welt zuschauen. "Zuerst wussten wir gar nicht, dass das ein Anschlag war. Menschen aus der ganzen Welt haben sich zugeschaltet", erzählt er im Interview mit ZAPP. Und ergänzt, es sei ihm wichtig, dass Ereignisse wie diese geteilt werden.

Eine Streaming App auf einem Smartphone.

Live-Streaming: "Jeder kann jetzt Journalist sein"

ZAPP -

Ob bei Konzerten oder Katastrophen: Mit dem Smartphone und der richtigen App ausgestattet, kann jeder live Ereignisse in die Welt streamen. Das hat Folgen.

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Das Smartphone ersetzt das Kamera-Team

Auf die Frage, ob er über Periscope auch weiter gesendet hätte, wenn ein Mensch im Bild gestorben wäre, meint er, dass in Asien viel härtere Szenen als in Deutschland gezeigt würden. Czermak ist kein Reporter, aber fasziniert von Periscope. Er hält also drauf und erzählt seinen Followern, was er sieht. Mit dem Smartphone und der richtigen App ausgestattet, kann jeder live Ereignisse in die Welt streamen. "Jeder kann jetzt Journalist sein", so Norman Pearlstine von Time Inc. Was auch immer mehr Menschen machen. Ohne journalistische Einordnung zeigen sie, was passiert. Und die Echtzeit-Berichterstattung bei außergewöhnlichen Ereignissen übt einen großen Reiz aus, das zeigen die enormen Klickzahlen - was auch im Journalismus zur Kenntnis genommen wird.

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Live-Streaming boomt, die Medien wollen dabei sein

Viele Medien sehen im Live-Streaming eine Chance, Nutzer zu gewinnen und an sich zu binden. Was in den USA längst zum Alltag gehört, steckt hierzulande noch in den Anfängen, aber es geht los: Es wird live von Demos berichtet oder über die Räumung der Veranstaltungshalle von "Germany's Next Topmodel" nach einer Bombendrohung. Ein Reporter des "Stern" filmt am Tag der Anschläge von Paris einen Anti-Terror-Einsatz, hängt sich an die Polizei, live über Periscope kann jeder dabei sein: "Ich habe keine Ahnung was hier passiert", kommentiert er, hält aber drauf. "Ich stehe direkt hinter den Polizisten mit gezogener Waffe." Terror und Tod direkt in die Timeline zwischen Katzenbilder und Kochrezepten. Ist das die Zukunft in der Medienwelt ?

Wo sind die Grenzen?

Nah dran und authentisch sei Live-Streaming, sagen die Macher. Facebook, Twitter und Snapchat sind dabei, bieten passende Tools an, YouTube arbeitet noch daran. Von der CES-Technologiemesse in Las Vegas ging kürzlich die Botschaft aus, dass Live-Streaming weltweit den Medienmarkt erobert. Wie aber sollen Nutzer zwischen journalistischen Angeboten und privaten Periscope-Berichten unterscheiden können? Was ist, wenn im laufenden Bild Persönlichkeitsrechte verletzt werden? Wenn Geiselnehmer im Netz verfolgen können, ob und von wo aus die Polizei angreifen wird? Es stellen sich ethische und journalistische Fragen.

Nicht jede Geschichte eignet sich fürs Live-Streaming

Der Chief Creative Officer von Vice, Eddy Moretti, sagt im Interview mit ZAPP, dass er sich auch vorstellen könnte, im Live-Stream über den IS zu berichten. Vice hatte im vergangenen Jahr eine Aufsehen erregende Dokumentation aus dem Innenleben des IS gesendet. Der Film war geschnitten. Für Moretti hat Live-Streaming den Charme des Augenblicks: "Jeder kann in der Situation dabei sein." Und dabei setze sich jeder beim Zuschauen seine eigenen Grenzen. Aber nicht jede Geschichte, meint Moretti, sei geeignet über Live-Streaming erzählt zu werden. Nur: Wer entscheidet das?

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 20.01.2016 | 23:40 Uhr