Stand: 29.03.2017 11:00 Uhr

Im Glück: Das Magazin "Katapult" kann Print

von Stefanie Groth

Die Macher von "Katapult", einem Magazin für Sozialwissenschaften, verteilen die Ausgaben in ihrem Heimatort Greifswald höchstpersönlich - und zwar mit dem Fahrrad. Unbedarft und zugleich konstruktiv gehen Chefredakteur Benjamin Fredrich und seine Mitstreiter die Arbeit an dem jungen Magazin an, das bisher ganz gut läuft.

Katapult

Im Glück: Das Magazin "Katapult" kann Print

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"Katapult" ist ein junges Magazin für Sozialwissenschaften. Das Projekt begann als Online-Magazin, mittlerweile hat die Print-Ausgabe eine Auflage von 20.000 Exemplaren.

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"Zuallererst war da nur der Wunsch, ein Magazin zu machen, gar nicht welches. Verbunden mit dem Wunsch war, die Sozialwissenschaften zu behandeln, weil wir gesehen haben, dass die Naturwissenschaften sehr gut behandelt werden in vielen Zeitungen und die Sozialwissenschaften außen vor sind, oder mal eine kleine Seite in einer großen Zeitung bekommen. Die Lücke wollten wir schließen", sagt Fredrich.

Angefangen hat alles im Schwimmbad

Er ist in seiner Heimatstadt geblieben, hat hier Politikwissenschaft studiert. Mit "Katapult" will er nun auch beruflich in Greifswald Fuß fassen. Dass aus der bloßen Idee mehr wurde, liegt an seinem Hobby. Der Grundstein für "Katapult" wurde, wenn man so will, im Schwimmbad gelegt. "Anfangs wollte ich das Magazin zunächst nur online machen. Den Wunsch kann man ja haben, aber es umzusetzen, ist etwas anderes. Im Schwimmverein habe ich dann jemanden kennengelernt der programmiert. Den habe ich gefragt, ob er mir kostenlos eine Internetseite programmiert. Der hat 'Ja' gesagt. Und dann stand ich vor dem Dilemma. Ich hatte nun keine Ausrede mehr es nicht zu machen."

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In Greifswald trägt Chefredakteur Benjamin Fredrich die Zeitschrift selbst aus.

Keine Ausrede, willige Mitstreiter, Unterstützung von der Universität Greifswald - und bald auch ein "Exist-Gründerstipendium" des Bundeswirtschaftsministeriums, inklusive Unternehmensberatung. "Die haben uns sehr viele gute Sachen gesagt und wir haben daraus gelernt, einerseits. Andererseits haben sie auch sehr konservative Ansichten gehabt, uns gesagt nach Berlin zu gehen, unbedingt, weil da die Infrastruktur für Startups besser ist, für den Zeitungsmarkt sowieso. Sie haben uns geraten, keinesfalls zu drucken und viele positive Referenzen zu sammeln", erzählt Fredrich. Also beschließen er und sein Team: zu drucken, auf jeden Fall in Greifswald zu bleiben und ausschließlich negative Lesermeinungen zu veröffentlichen. "Da raten die übrigens auch zu, nicht auf alles zu hören", fügt der 29-Jährige zwinkernd hinzu.

Auflage: 20.000 Exemplare

Vor zwei Jahren als Online Magazin gestartet, erscheint mittlerweile die fünfte Ausgabe in Printform. Vier Ausgaben im Jahr. 100 Seiten pro Ausgabe. Insgesamt vertreiben sie 20.000 Exemplare in Deutschland, Österreich, Luxemburg, Liechtenstein und der Schweiz.

Ihr Alleinstellungsmerkmal: Karten und Grafiken, die komplexe Zusammenhänge aus Politik und Wirtschaft einfach verständlich machen. "Dass wir uns diese Nische gesucht haben, war Zufall und ist eigentlich aus einem Mangel entstanden. Uns ist schnell aufgefallen, dass wir kein Geld haben für Bilder und kein Geld haben, irgendwas Visualisiertes zu kaufen. Dadurch sind wir auf die Idee gekommen, nur Grafiken und Karten zu benutzen.“ Diese Karten zu entwerfen, haben sie sich schnell selbst beigebracht. Mittlerweile sind sie so gut darin, dass sie "Katapult" damit querfinanzieren können. Auftrags-Grafiken für Verlage und Wissenschaftler zahlen, was Verkäufe, Spenden und Abos (noch) nicht einbringen.

"Es reicht für Miete und Essen"

Überhaupt in den Druck zu gehen war auch so eine Notlösung. Die erhoffte Anschlussförderung nach dem Gründerstipendium vom Bund hätte vom Land Mecklenburg-Vorpommern kommen sollen, blieb aber aus. "Da haben wir uns gefragt wie wir eine Einnahmequelle bekommen. Dachten uns gut, dann müssen wir was verkaufen, und das waren dann eben die Artikel, die wir ja vorher schon online kostenlos zugänglich machen, weil wir ja auch einen Bildungsauftrag haben und von der Rechtsform her gemeinnützig sind", erklärt Tim Ehlers, Mitgründer und Mann für das Layout bei "Katapult".

Dass es so gut läuft, überrascht den 33-Jährigen schon ab und an: "Wir können keine großen Sprünge machen, aber wir können Miete und Essen bezahlen. Und das ist angesichts dessen, dass das Magazin, noch sehr jung ist, schon so ein bisschen unwirklich manchmal." Für die Macher ist "Katapult" Herzenssache und ernste Angelegenheit zugleich. Ella Daum, Mitgründerin, Autorin und Frau für die Logistik: "Es macht unheimlich viel Spaß hier, aber sobald man weiß, wir müssen wieder die 2.000 Abos verpacken und versenden, merkt man: Das muss jetzt hier klappen! Und ich hab manchmal Angst, dass ich bei den Postleitzahlen eine Null vergesse, falsch sortiere, die nicht ankommen und wir dadurch einen riesengroßen Verlust haben."

 Klares Ziel vor Augen

Am meisten spürt Fredrich die steigende Verantwortung. Vor der Druckfreigabe habe er zunehmend schlaflose Nächte. Trotzdem hat er ganz klar ein Ziel vor Augen. "In fünf Jahren wären wir gern vor dem Cicero, die haben eine Auflage von 80.000. In Greifswald werden wir aber auch dann noch selbst austragen", sagt er.

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 29.03.2017 | 23:20 Uhr