Stand: 04.07.2017 18:23 Uhr

Hoax? Medienhype mit Suizid im Netz

von Gudrun Kirfel

Es ist geheimnisvoll. Es ist gruselig. Und es versetzt Eltern in größte Sorge. Für viele Medien hat die sogenannte Blue Whale Challenge alle Ingredienzen einer starken Geschichte. Am Ende geht es angeblich um Leben und Tod. Der Sinn des angeblichen Spiels besteht laut Medienberichten darin, Jugendliche in den Selbstmord zu treiben. Über die "Blue Whale Challenge" haben bereits "Bento", "Vice" sowie "Spiegel TV" und vor allem die "Bild" auf der Titelseite sowie in Form eines Facebook-live-Auftritts sowie RTL berichtet.

Schrift auf einem Handy

Hoax? Medienhype um "Blue Whale Challenge"

ZAPP -

Angeblich soll die "Blue Whale Challenge" Jugendliche in den Tod treiben, viele Medien haben über das Spiel berichtet. Doch gibt es das Spiel überhaupt?

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Gibt es das Spiel überhaupt?

Fast alle Medien, außer RTL, versehen die Berichterstattung mit dem Zusatz, dass es das Spiel eventuell gar nicht gibt und geben Tipps und Beratungsstellen zur Suizidprävention an. Nichtsdestotrotz wird teilweise detailliert auch mit Videos, deren Echtheit nicht gesichert ist, auf Details der Suizide eingegangen. Genau das ist laut Pressekodex Richtlinie 8.7 nicht geboten.

Kein erwiesener Zusammenhang zur Challenge

Ob dieses Spiel mit Todesfolge tatsächlich schon so stattgefunden hat - im In- oder Ausland - ist nicht erwiesen. Was sich belegen lässt, ist der Suizid von einigen Dutzend Jugendlichen aus Russland in einer sehr kurzen Zeitspanne. Manche gehörten dabei einer Internetgruppe auf VK.com, dem russischen Facebook, an. Dass diese Selbstmorde aber in einem Zusammenhang mit der "Blue Whale Challenge" stehen, ist in keinem Fall bewiesen.

Der Medienhype um die "Blue Whale Challenge" ist indes nach Einschätzung von Psychologen hochgefährlich. Dadurch, dass die Medien diese Geschichte aufgriffen und sie als echt annahmen, wurde das Phänomen durch Trittbrettfahrer zu einem realen Problem. Mittlerweile gibt es im Google App Store ein gleichnamiges Spiel zu kaufen. Auf Facebook posten Jugendliche immer wieder "Wo geht es zu diesem Spiel?" oder "Wie kann ich mitmachen?".

Spiel ist auch in Deutschland aufgetaucht

Am Freitag meldete die "Bild"-Zeitung in reißerischen Großbuchstaben über eine halbe Seite auf dem Titelbild, dass ein gleichnamiges WhatsApp-Spiel auf deutschen Schulhöfen aufgetaucht sei. Im Text erklärt "Bild": "Die Betroffenen erhalten eine WhatsApp-Nachricht, die als Warnung getarnt ist. Doch tatsächlich gelangt man durch das Öffnen zu dem lebensbedrohlichen Spiel."

Auch uns in der ZAPP Redaktion liegt diese WhatsApp-Nachricht vor. Der Polizeiwache Zweibrücken in Rheinland-Pfalz wurde diese Nachricht von besorgten Eltern vorgelegt. Und uns wurde von der Polizeisprecherin Westpfalz, Angela Walz, bestätigt, dass diese Nachricht nicht zu irgendeinem Spiel führt. Die einzig nachweisbare Gefahr im Zusammenhang mit der "Blue Whale Challenge" geht also bisher von der Medienberichterstattung über das Thema aus.

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 05.07.2017 | 23:20 Uhr