Stand: 14.02.2017 20:00 Uhr

Graphic Novels als kritischer Journalismus

Journalisten haben in den USA zurzeit keinen leichten Stand: Der Präsident hat ihnen den Krieg erklärt, immer wieder müssen sie sich gegen den Vorwurf "Fake News" wehren. In diese Stimmung hinein hat die US-amerikanische Illustratorin Sarah Glidden nun die Graphic Novel "Im Schatten des Krieges" veröffentlicht, in der es in weiten Teilen um gezeichnete Recherche geht. "Ich hatte nie darüber nachgedacht, wie Journalismus funktioniert. Ich nahm ihn als selbstverständlich, wie Wasser, das aus der Leitung fließt. Es hat mich dann fasziniert, wie viel Arbeit in Wahrheit dahinter steckt, wie viel Nachdenken", meint sie heute zurückblickend.

Sarah Glidden, amerikanische Illustratorin porträtiert vor einer Mauer. © Sarah Glidden

Graphic Novels als kritischer Journalismus

ZAPP -

Die amerikanische Illustratorin Sarah Glidden zeichnet in "Im Schatten des Krieges" eine Recherche nach. Sie zeigt darin viel über das Wesen des Journalismus.

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Was macht der Krieg mit den Menschen?

Gemeinsam mit Freunden des "Seattle Globalist", einer gemeinnützigen Online-Publikation, ist sie 2010 in den Irak, nach Syrien und in die Türkei gereist, um dort zu recherchieren. Sie machten sich auf die Suche nach Geschichten über den US-amerikanischen Krieg im Irak, den die USA gegen den Irak führten und über den in den USA hauptsächlich "embedded journalists": Reporter, die in ihrer Berichterstattung von Informationen abhängig waren, die das US-Militär vollständig kontrollierte. Sarah Glidden und ihre Freunde wollten von Menschen erzählen, vom Alltag während und nach dem Krieg, von Flüchtlingen, aber auch von Soldaten.

Besuch bei einer kurdischen Familie: Ausschnitt aus der Graphic Novel "Im Schatten des Krieges" von Sarah Glidden.
Wie gelangt man an die "Wahrheit"?

Zudem geht es aber immer wieder auch um die eigene Arbeit. Es geht um die Bedingungen, unter denen eine Geschichte entsteht, um Neugier, Angst und die Frage, wie man denn die "Wahrheit" herausfinden kann. Um diese Recherche authentisch abzubilden, machte Sarah Glidden während der Reise unzählige Fotos und zahlreiche Tonaufnahmen.

Buchtipp & Leserreise

Sarah Glidden: Im Schatten des Krieges.
Reportagen aus Syrien, Irak und der Türkei.
Reprodukt Verlag 2016, Preis: 29 Euro

Sarah Glidden ist auf Lesereise in Deutschland:
22. Februar in Berlin,
23. Februar in Hamburg
24. Februar in Frankfurt/Main.

Die Aussagen in der Graphic Novel hinterher sind oft wortwörtliche Zitate, die Zeichnungen detailgenaue Schilderungen der tatsächlichen Situationen. Beinahe sechs Jahre hat sie an ihrer Novel gezeichnet und erstaunlicherweise hat sich die Aktualität dieser Geschichte trotz einer anderen geopolitischen Lage kaum geändert. Und bekommt in Trump-Zeiten noch ein zusätzliches Gewicht, indem sie zeigt, welch mühsames, aber auch lohnendes Geschäft der Journalismus sein kann.

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 15.02.2017 | 23:20 Uhr