Stand: 09.05.2017 15:30 Uhr

Fake-Bild geht viral: "Ich war erschrocken"

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"Sind Twitter-Accounts mit Locher im Gesicht denn glaubwürdige Quellen?", fragt Artur in einem Tweet.

Der Twitter-User Artur sorgte mit einem Tweet kurz nach der Landtagswahl in Schleswig-Holstein für Wirbel. Er veröffentlichte ein Foto der ARD-Wahlsendung, auf der eine falsche Namenseinblendung zu sehen ist. Viele User und Medien retweeteten es, oft mit einer Portion Spott und Häme. Allerdings: Das Foto ist gefälscht. Viele Medien entschuldigten sich später bei der ARD, dass sie es nicht gegengecheckt hatten. Doch was trieb Artur dazu, es zu verbreiten? Wir haben mit ihm gesprochen.

Fake-Bild.

Carsten Harry Petersen - ein Fake-Bild geht viral

ZAPP -

Ein Fake-Bild, das eine angeblich falsche Namenseinblendung in einer ARD-Wahlsendung zeigt, sorgte im Netz für Wirbel. Der Urheber wundert sich im Interview mit ZAPP, dass niemand nachhakte.

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ZAPP: Artur, so heißen Sie im Netz. Wie heißen Sie im echten Leben?

Artur: Ich möchte anonym bleiben, weil mir die unangemessen große Aufmerksamkeit für diesen albernen Tweet unangenehm ist.

Was war Ihre Absicht, als Sie das gefälschte Insert getwittert haben?

Artur: Einige Menschen nutzen Twitter beruflich, etwa Politiker oder Journalisten. Andere - wie ich - haben dagegen einfach Freude daran, sich in 140 Zeichen mehr oder weniger witzig über Alltagsthemen auszutauschen, in diesem Fall also Fernsehen.

Ein Witz, der nicht besonders originell ist, kommt besser an, wenn man ihn als Foto oder Fotomontage verpackt. So war es hier auch - den Namen Peter Harry Carstensen haben schließlich schon andere vor mir verdreht. Aber im Kontext der seriösen Wahlberichterstattung wirkte er noch alberner. Das Ganze war also ein Witz, ein Scherz, vielleicht kein origineller, aber es war einer.

Waren Sie von dem Medienecho überrascht?

Artur: Ich war erschrocken, als ich sah, dass einige Medien meinen Tweet ungeprüft für ihre Berichte genutzt haben. Wer mein Twitter-Profil ansieht, erkennt sofort, dass ich Twitter privat und nicht etwa als Journalist nutze. Zudem werde ich auf meinem Profilbild durch einen Locher verdeckt. Das sieht vielleicht lustig aus, aber sicher nicht wie eine glaubwürdige Quelle.

Es war nicht meine Absicht, dass die betroffenen Medien durch ihre falsche Berichterstattung womöglich dazu beigetragen haben, dass das Vertrauen zu ihnen abnimmt. Die Zeit, sich die "Panne" vom NDR bestätigen zu lassen, hätten sie sich aber nehmen müssen. So hat ein alberner Tweet letztlich dazu geführt, dass einige Menschen falsch informiert wurden. Mich freut aber, wie transparent fast alle Medien ihre Berichte später korrigiert haben - das halte ich für den richtigen Umgang mit solchen Fehlern.

Entstehen so Fakenews?

Artur: Das sollten Medienwissenschaftler beantworten.

Haben Journalisten, die Ihren Tweet zitiert haben, vorher bei Ihnen nachgefragt?   

Artur: Kein Medium, das über die gefälschte Panne berichtet hat, hat mich davor kontaktiert. Ich hätte natürlich aufgeklärt, dass es sich um eine Fälschung handelt. Ich habe schließlich keine Freude daran, wenn Zeitungen ihre Leser falsch informieren.

Wie haben Sie das Insert gefälscht?

Artur: Ich habe ein Bildschirmfoto vom Livestream des Ersten gemacht und dieses Foto mit dem Bildbearbeitungsprogramm Photoshop verändert: Um den korrekten Namen von Peter Harry Carstensen zu verdecken, habe ich die unbeschrifteten Stellen des Inserts vervielfältigt und über dem Namen platziert. Auf diese Fläche habe ich dann "Carsten Harry Petersen, CDU" geschrieben und dafür die passende Schriftart, Schriftfarbe und Größe gewählt. Es waren also wenige, einfache Arbeitsschritte.

Sie sind selbst ein junger Journalist, haben Sie etwas aus dieser Aktion gelernt?

Artur: Ich habe zunächst mit dem NDR telefoniert - eine Redakteurin hat mir versichert, dass dort wegen meines Tweets niemand in Schwierigkeiten kam. Nachdem die Verwirrung aufgeklärt war, hätten sie auch darüber schmunzeln können.

Davon abgesehen: Jeder, der in sozialen Medien recherchiert, muss besonders aufmerksam sein und Informationen prüfen, bevor er sie verbreitet. Warum es in diesem Fall schiefging, sollten die betroffenen Redaktionen aufklären.

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Dieses Thema im Programm:

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