Stand: 13.01.2016 08:00 Uhr

Der Preis der Wahrheit: Whistleblower im Exil

Die Doping-Enthüllungen der ARD um die russische Leichtathletik schlugen ein wie eine Bombe: Die unabhängige Untersuchungskommission der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada hatte daraufhin Anfang November 2015 in ihrem Bericht schwere Dopingverfehlungen in der russischen Leichtathletik diagnostiziert, der russische Verband Araf war aus dem Weltverband IAAF ausgeschlossen worden, das Moskauer Anti-Doping-Labor verlor seine Akkreditierung. Der ARD-Doping-Experte Hajo Seppelt erhielt dafür am Mittwoch den Deutschen Fernsehpreis.

Screenshot aus dem ZAPP Beitrag über die Anti-Doping-Doku der ARD. Zu sehen ist Julija Stepanowa bei den Olympischen Spielen, die als Whistleblowerin über das russische Dopingsystem ausgepackt hat. © NDR Fotograf: Screenshot

Der Preis der Wahrheit: Whistleblower im Exil

ZAPP -

Der Skandal war riesig, die Folgen dauern an: Doch für die Whistleblower, die das Doping in der russischen Leichtathletik aufdeckten, setzt sich kaum jemand ein.

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Nach dem Bekanntwerden des Skandals musste die Spitze der russischen Anti-Doping-Agentur Rusada geschlossen zurücktreten. Vier Topfunktionäre verloren ihre Posten, einschließlich des geschäftsführenden Direktors Nikita Kamajew. Die entscheidenden Hinweise dafür kamen von den beiden russischen Whistleblowern Vitali und Julija Stepanow. Vitali arbeitete für die russische Antidopingagentur, seine Frau Julija war eine der Spitzen-Leichtathletinnen des Landes. Sie hatten dem ARD-Reporter Hajo Seppelt die Beweise für das organisierte Doping in Russland geliefert und konnten den Betrug mit Hilfe von verdeckten Audio- und Videomitschnitten im Detail nachweisen. Julija Stepanowa hatte selbst Dopingmittel zur Leistungssteigerung bekommen.

Für Whistleblower bricht Existenz zusammen

Mit der Weitergabe dieser Informationen nahmen sie ein hohes persönliches Risiko auf sich, mussten ihre Heimatstadt Moskau verlassen und leben nun mit ihrem Kind in einem anderen Land, aus Angst vor Rache-Attacken wegen ihres "Verrats". Die ARD wartete extra mit der Enthüllung der Vorwürfe im Fernsehen, bis die Whistleblower in Sicherheit waren. Beide stehen auch weiter zu ihren Handlungen: "Ich wollte etwas Gutes tun, ich wollte etwas zum Besseren wenden. Mir ging es darum, dass unser Sport in Russland sauber wird. Aber stattdessen wurde ich durch die Suspendierung Russlands jetzt quasi zum zweiten Mal gesperrt", sagt Julija Stepanowa. Auch deshalb ist ihre Einkommenssituation im Exil im Moment sehr prekär.

Seppelt kritisiert Umgang mit den Stepanovs

Der ARD-Reporter Hajo Seppelt, der sich bis heute um seine Whistleblower kümmert, beklagt gegenüber ZAPP besonders diesen Zustand. Nach seiner Beobachtung kam bisher weder Unterstützung vom Internationalen Leichtathletikverband, noch vom IOC für die Stepanows, die ein solch außergewöhnliches Engagement mit hohem persönlichen Risiko für einen sauberen Sport gewagt haben.

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ZAPP | 13.01.2016 | 23:40 Uhr