Stand: 12.04.2017 20:24 Uhr

Der Fall Reski, die Mafia und "der Freitag"

Bild vergrößern
Journalistin Petra Reski gilt als Mafia-Expertin und publiziert regelmäßig über die organisierte Kriminalität.

Recherchen über die Mafia in Deutschland sind schwierig. Nur eine Handvoll Journalisten wagt sich an das Thema und riskiert damit auch noch, vor Gericht zu landen. Denn die Herren der organisierten Kriminalität versuchen immer wieder, die unbequemen Rechercheure mit Klagen mundtot zu machen. Die Journalistin Petra Reski hat das selbst erfahren: Mehrfach versuchten Mafiosi, sie einzuschüchtern. In einem aktuellen Fall hat sie dadurch nicht nur Ärger mit einem Kläger, sondern auch noch mit der Redaktion des "Freitag". Dessen Herausgeber, Jakob Augstein, und Petra Reski streiten sich in aller Öffentlichkeit darüber, wer die Verantwortung für das Verfahren übernimmt.

Eine Bildkomposition zeigt eine Radarschüssel, eine Ausgabe der Zeitung "der Freitag" und Petra Reski

Der Fall Reski, die Mafia und "der Freitag"

ZAPP -

Mafia-Expertin Reski wurde wegen der Namensnennung einer Person in einem im "Freitag" veröffentlichten Artikel verklagt. Über den fehlenden Beistand der Redaktion ist eine Debatte entbrannt.

3,54 bei 13 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Autorin erwartete juristischen Beistand

In einem Artikel für den "Freitag" hatte Reski den Namen eines Mannes genannt, der nicht genannt werden will und jetzt Persönlichkeitsrechte geltend macht. Er hatte schon in einem anderen Verfahren gegen den MDR Klage eingereicht. Auch dort ging es um Persönlichkeitsrechte und "identifizierende Berichterstattung". Reski hatte darüber geschrieben, genauso wie die "tageszeitung" und der "evangelische pressedienst", epd. Alle nannten den Namen, nur Reski wurde vor Gericht gezogen und erwartet jetzt etwas, was für andere Medienhäuser selbstverständlich ist: Juristischen Beistand der Redaktion von "der Freitag".

Interviews
14:02 min

"Recherche über Mafia schwierig"

Journalist Ludwig Kendzia vom MDR erklärt die Schwierigkeiten bei der Mafia-Berichterstattung - die vor Gericht enden kann. Medien sollten ihre Autoren bei Klagen juristisch unterstützen. Video (14:02 min)

08:30 min

"Lassen Kollegen bei Klagen nicht allein"

Der MDR wurde für einen Mafia-Beitrag verklagt. Für Boris Lochthofen, Direktor des Landesfunkhauses, war klar, den Autoren vor Gericht juristisch beizustehen. Aber: "Es gibt keinen Blankoscheck". Video (08:30 min)

"Redaktionen keine Rechtschutzversicherung für mangelhafte Recherche"

Aber Augstein lehnt ab, weil er sich von der freien Autorin getäuscht fühlt: "Ich meine, es ist ja ungewöhnlich, so einen Streit zwischen einem Verlag und einer Autorin so öffentlich auszutragen, aber wir stehen natürlich zu unseren Entscheidungen und auch zu unseren Fehlern. Frau Reski, die eine sehr engagierte Anti-Mafia-Autorin ist, hat bei uns einen Artikel geschrieben und darin einen Namen erwähnt eines Mannes, von dem sie wusste, dass sie ihn nicht erwähnen darf, weil bereits ein Gericht geurteilt hatte, dass der Name in Verbindung mit der ’Ndrangheta, dieser italienischen mafia-ähnlichen Organisation, nicht genannt werden darf. Wir wussten es nicht, sie wusste es", so Augstein in einem Interview mit dem Deutschlandfunk.

"Es gab keine Rückfragen"

Reski ist empört. Sie habe lediglich über ein Gerichtsverfahren berichtet. In einem Interview mit ZAPP wirft sie dem "Freitag" vor: "Es gab keine Rückfragen bzgl. der Namensnennung, überhaupt keine. Weder von der Redaktion noch von einem Justitiar. Also wenn das jetzt irgendwie zu Zweifeln seitens der Redaktion geführt hätte, hätte ich erwartet, dass mich jemand darüber informiert. Das war aber nicht der Fall. Niemand hat nach diesen Namen gefragt, ob man den Namen nennen dürfe oder nicht."

Journalisten ohne Rückhalt?

Durch diesen Streit taucht für freie Autoren eine alte Frage wieder auf: Wie halten es die Medienhäuser - gerade bei investigativen Recherchen - mit dem juristischen Beistand im Fall einer Klage? Immer häufiger werden Autoren direkt verklagt, weil sie das schwächste Glied in der Kette sind - und weil man auf diese Weise versucht, mutigen Journalisten den Mut zu nehmen.

Weitere Informationen
Link

Stellungnahme: "der Freitag" zum Fall Reski

Herausgeber Jakob Augstein äußert sich in einer Stellungnahme auf der Homepage von "der Freitag" zum Fall Reski und weist ein Fehlverhalten des Verlags von sich. extern

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 12.04.2017 | 23:20 Uhr