Stand: 02.09.2015 12:00 Uhr

"Das Mutcamp": Afrika-Klischees in KiKA-Sendung?

Die eigenen Ängste überwinden, für ein freieres, unbeschwerteres Leben - das will der Kinderkanal des MDR Kindern und Jugendlichen beibringen und hat sich dazu ein besonderes Konzept ausgedacht. In der Sendung "Das Mutcamp", dessen dritte Staffel gerade läuft, sollen sich sechs Jugendliche mit Hilfe einer Psychotherapeutin und eines Coaches ihren größten Albträumen stellen - in Südafrika. Denn dort warten auf die Protagonisten laut dem MDR "tiefe Abgründe, enge Höhlen, große Höhen und jede Menge wilde Tiere". Und laut Kritikern jede Menge Afrika-Klischees.

Ein afrikansisches Kind

Afrika-Klischees in KiKA-Sendung?

ZAPP -

"Das Mutcamp" zeigt Jugendliche, die sich in Südafrika erfolgreich ihren Ängsten stellen sollen. Afrika kommt dabei allerdings nicht so erfolgreich weg, monieren Kritiker.

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Auf ihrer Reise sollen sie Vogelspinnen und Elefanten anfassen, auf einer wackligen Hängebrücke laufen oder sich tagsüber in ein Township wagen und einen südafrikanischen Schuljungen nach Hause begleiten - um hinterher festzustellen, wie arm und verdreckt es dort aussieht. Es sind "Mutproben" wie die letztgenannte, die für Erstaunen und Unmut sorgen. Kritiker werfen den Machern der Sendung vor, ein ziemlich undifferenziertes Bild von Südafrika zu zeichnen und sich dabei leichtfertig rassistischer Afrika-Stereotype zu bedienen.

"Vorurteile, Klischees und rassistische Traditionen aufgerufen"

"Das Problem ist, dass der südafrikanische Kontext, wie in der MDR-Formulierung so schön deutlich wird, als exotische Kulisse herhalten muss. Und dass da leider sehr viele Vorurteile, Klischees und tatsächlich auch rassistische Traditionen aufgerufen werden, um Teil dieser bedrohlichen, fremden und anderen Kulisse zu werden", sagt der Politikwissenschaftler Joshua Kwesi Aikins im ZAPP-Interview. So diene das Land bloß als Staffage, schwarze Einheimische kämen kaum zu Wort - selbst dann nicht, wenn es darum gehe, "Land und Leute" kennenzulernen - oder würden zum Teil bloßgestellt, ohne dass die Betreuer eingriffen.

MDR kann die Kritik nicht nachvollziehen

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Die Mutcamper Elsa, Lea und Lena mit Coach Shital beim Löwenspaziergang.

Die MDR Pressestelle antwortete auf ZAPP-Anfrage wie folgt zu den Vorwürfen:

"Der Reihe 'Das Mutcamp' liegt ein pädagogisch durchdachtes Konzept zugrunde: Die Jugendlichen sollen ihre Ängste überwinden und ihre persönlichen Grenzen erweitern. Neben den einzelnen therapeutischen Aufgaben, die direkt auf ihre Ängste abgestimmt sind, wird auch an der Stärkung des Selbstbewusstseins gearbeitet. Diesen Prozess weit weg von zu Hause stattfinden zu lassen, wirkt dabei unterstützend. Wie man Kindern, die ihre Ängste bewältigen wollen und TV-Machern, die ihnen dabei helfen und das Ganze therapeutisch und pädagogisch begleiten, Rassismus unterstellen kann (z.B. durch die Auswahl des Drehortes), können wir nicht nachvollziehen."

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"Ekelig, abwertend, abstoßend"

"Fortlaufend findet eine negative und stereotype Zeichnung Südafrikas sowie der dort lebenden Menschen statt" - Migazin.de kritisiert "Das Mutcamp" und nennt Beispiele. extern

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"Das Mutcamp" im Netz

Auf KiKA.de gibt's alle Folgen des "Mutcamps" zum Anschauen. extern

 

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 02.09.2015 | 23:20 Uhr