Stand: 21.03.2016 17:30 Uhr

Christliche Medien: Neue Plattformen für die AfD?

Der Hinweis kommt eher beiläufig und doch ist er ein Indiz: Auf ein "Pro und Kontra" zur Frage "Kann man als Christ die 'Alternative für Deutschland' wählen?" hätte die Redaktion "fünf Mal so viele Leserbriefe für wie gegen die AfD" erreicht, berichtet "ideaSpektrum" Anfang März. Die AfD beschäftigt Christen und damit auch christliche Medien wie "ideaSpektrum", das Magazin für "Nachrichten und Meinungen aus der evangelischen Welt". Auf der Titelseite finden sich immer wieder Fragen wie "Zu wenig CDU? – Wechsel zur AfD?" und "Ist die AfD die konservative CDU?!". Während viele Medien mit der rechtspopulistischen Partei fremdeln, taucht sie hier wie selbstverständlich auf.

Christliche Medien präsentieren die AfD

Christliche Medien: Plattform für die AfD?

ZAPP -

Konservativ-christliche Medien wie "idea" und kath.net berichten besonders fleißig über die AfD. Soziologe Kemper wundert das nicht, es gibt ein große ideologische Schnittmenge.

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Klatt: "Das sind Medien mit ähnlich konservativem Stallgeruch"

Thomas Klatt ist Protestant, Theologe und Journalist. Ihn wundert es nicht, dass die AfD und ihre Protagonisten in Publikationen wie "ideaSpektrum", im TV-Ableger "ideaHeute" auf Bibel TV und in den Texten der hauseigenen Nachrichtenagentur idea, deren Meldungen auch katholische Plattformen wie kath.net übernehmen, großen Raum einnehmen. "Das sind Medien mit ähnlich konservativem Stallgeruch und da fühlen sie sich auch irgendwo sicher und wohl", sagt Klatt zu ZAPP. "Da sind irgendwo auch die eigenen Leute - ohne jetzt in Personalunion dieselben zu haben, aber von der gedanklichen Ebene her."

Gemeinsamkeiten zwischen AfD und wertekonservativen Christen

Videos
17:17 min

Die AfD und die christlich-konservativen Medien

16.03.2016 23:20 Uhr

Christlich-konservative Medien teilen mit der AfD viele Werte und bieten dieser ein Podium, wo sich Vertreter "sicher und nicht vorgeführt" fühlen können, so Journalist Klatt. Video (17:17 min)

So umstritten die AfD auch sein mag: Mit wertekonservativen Christen hat sie Gemeinsamkeiten, mit erzkatholischen ebenso wie mit den sogenannten Evangelikalen. Sie machen sich unisono stark für das traditionelle Familienbild ohne Homo-Ehe, wollen eine Welt ohne Abtreibungen und verhindern, dass Schwule und Lesben Kinder adoptieren. Dabei treten sie sogar gemeinsam auf. Bei der "Demo für alle" etwa applaudierten die Teilnehmer der Vorsitzenden nicht nur Christdemokraten, sondern auch einer Vertreterin der "Christen in der AfD". Dazu kommt die gemeinsame Angst vor Überfremdung, auch vor religiöser Überfremdung.

Forschung: Religiöse Medien "sehr wichtig" für die AfD

"Wichtig sind da Personen wie die stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Beatrix von Storch, die ja sowohl die Evangelische Kirche in Deutschland als auch den Zentralrat der deutschen Katholiken als zu liberal betrachtet", sagt der Soziologe Andreas Kemper, der die Verbindungen zwischen AfD und Kirche seit Monaten analysiert. Wenn Kemper klassische Medien mit konservativ-christlichen vergleicht, stellt auch er fest, dass sie "sehr viel näher an der AfD dran sind als die 'normalen' Medien". Kemper spricht im Interview mit ZAPP von einem "sehr großen Konsens" und erklärt aufgrund seiner Forschungsergebnisse: Für die AfD seien christliche Medien wie "kath.net" und "idea" sehr wichtig, da sie "die Ideen der AfD noch mal publik machen, weil's deren eigenen Ideen auch sind."

Videos
12:16 min

AfD bei konservativen Christen "große Rolle"

16.03.2016 23:20 Uhr

Für christliche Fundamentalisten ist die AfD eine "interessante Partei", so Soziologe Kemper, es gibt ideologische Schnittmengen. Christliche Medien sind daher wichtig für die AfD. Video (12:16 min)

GKP: "AfD und Christentum nicht vereinbar"

Allerdings spaltet die AfD auch in Anhänger und Gegner - die Republik ebenso wie die Christen. Sowohl die Deutsche Bischofskonferenz als auch die EKD verweisen auf Anfrage auf Äußerungen hin, in denen sich ihre Funktionäre etwa von "Strömungen mit rechtsradikalem Gedankengut" distanziert haben. Die Gesellschaft Katholischer Publizisten (GKP) hat nur wenige Stunden nach den jüngsten Wahlerfolgen der AfD in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sogar in einer Presseinfo erklärt: "Die Infragestellung elementarer Freiheitsrechte ist eine Bedrohung für unsere Gesellschaft. Zwischen AfD und Christentum verläuft hier ein unüberbrückbarer Graben."

Kontra-Stimmen kommen bei extrem Konservativen nicht an

Soziologe Kemper, der unter anderem für die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung arbeitet, glaubt allerdings nicht, dass Kontra-Stimmen etwa von Vertretern der Landeskirchen, wie sie auch in den konservativ-christlichen Medien beispielsweise Gastbeiträgen von AfD-Politikern entgegengesetzt werden, bei den konservativsten Christen ankommen: "Das sind gefestigte Meinungen", sagt Kemper. "Diskutieren ist dann vielleicht auch eher etwas Formales, das sein muss. Aber ich glaube nicht, dass es da tatsächlich um einen Argumentationsaustausch geht."

Keine klaren Statements der Redaktionen

Welche Spielregeln sich die Print-, TV- und Onlineredaktion "idea" und ihr Kunde kath.net im Umgang mit der AfD gegeben haben, wie sie die Positionen der Partei und die Wahlerfolge bewerten, konnte bis zum Sendetermin nicht geklärt werden: Beide Redaktionsleitungen wollten ZAPP kein Interview geben. Sie lehnten es ebenfalls ab, Fragen schriftlich zu beantworten - erst nach der Ausstrahlung des Beitrags bekamen wir eine Antwort-Mail von "idea"-Chef Helmut Matthies. Darin betont er: "Wir haben stets in Pro und Kontra über die Partei berichtet." Der Sender Bibel TV, der "ideaHeute" ausstrahlt und damit verantwortet, wollte sich nicht zur "idea"-Berichterstattung äußern, entgegnete nur, man sei "kein politischer Sender".

EKD fördert "idea", macht sich Inhalt aber "nicht zueigen"

Die EKD wiederum bestätigte, dass sie "idea" auch im laufenden Jahr mit etwa 130.000 Euro fördert. Ob sie sich an der Berichterstattung der von ihr geförderten Redaktion über die AfD stört, behält sie hingegen für sich. Ein Sprecher erklärt auf ZAPP-Anfrage, dass seine Kirche mit der Berichterstattung von "idea" nicht in Verbindung gebracht werden möchte: "Die EKD nimmt inhaltlich keinen Einfluss auf die Veröffentlichungen der von ihr unterstützten Medien und macht sich deren Inhalte auch nicht zueigen."

Hinweis der Redaktion

ZAPP wollte sich ursprünglich am Beispiel des politischen Themas "Flüchtlinge" mit der Frage beschäftigen, welche Werte ein von Katholiken wie Protestanten getragener Sender wie Bibel TV transportiert. Mit den sich abzeichnenden Wahlerfolgen der AfD und den Berichten über die christlichen Positionen der Partei in der Bibel-TV-Nachrichtensendung "ideaHeute" hat sich die Redaktion allerdings entschieden, sich zunächst dieses Themas anzunehmen. Zur Dokumentation die bereits geführten Interviews mit Bernd Merz und Ulrich Parzany von Bibel TV.

 

Interviews
08:55 min

Merz: Einflussnahme Evangelikaler "nie erlebt"

40.000 - 50.000 Menschen spenden für Bibel TV, so Theologe Bernd Merz. Einflussnahme von Gesellschaftern oder Spendern hat der ehemalige Geschäftsführer des Senders nicht erlebt. Video (08:55 min)

09:22 min

Parzany: "Haben Respekt vor jeder Überzeugung"

Welche Auswirkungen hat die Zuwanderung von Flüchtlingen aus einem anderen Kulturkreis auf die Christen in Deutschland? Pfarrer Parzany von Bibel TV sieht "eine Riesenaufgabe". Video (09:22 min)

 

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 16.03.2016 | 23:20 Uhr