Sendedatum: 08.11.2017 23:20 Uhr

Bundeswehr: Mit Hollywood gegen Nachwuchssorgen

von Sebastian Asmus

Hauptmann Michael steht in einem Container voller Waffen, erklärt Gefechtsköpfe mit Tandemhohlladung und die Munition für die Granat-Maschinenwaffe. Das schwere Maschinengewehr ordnet er kurz und präzise ein: "Ist laut, tut weh". In Folge 4 der neuen Bundeswehr-Werbe-Serie "Mali" erfährt der Zuschauer, was die Bundewehr für ihren Auslandseinsatz in dem afrikanischen Land an Waffen eingepackt hat. Die Kamera darf scheinbar in jede Kiste rein filmen und immer und überall bei dem Auslandseinsatz dabei sein. Die Soldaten filmen zum Teil sogar selbst mit kleinen Action-Kameras. Einer von ihnen erklärt: "Man muss sich auch mal 30 Stunden die Kackerei verkneifen können. Deswegen gehe ich jetzt auf die Toilette. Ich hoffe, ich kann mich erleichtern." Selbst auf dem Klo ist die Kamera dabei. Der Zuschauer erfährt, dass bei Temperaturen von mehr als 40 Grad auch dieses Geschäft recht schweißtreibend ist.

Bundeswehr-Werbe-Serie "Mali" © NDR

Bundeswehr: Mit Hollywood gegen Nachwuchssorgen

ZAPP -

Die Bundeswehr landet mit ihrer Werbe-Serie "Mali" gerade einen YouTube-Erfolg. Schnelle Schnitte, Bass, gute Stimmung in der Truppe - und die Kamera ist überall dabei.

bei Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Werbung für den Nachwuchs in der Bundeswehr

Schnelle Schnittfolgen, basslastige Musik, gute Stimmung in der Truppe bescheren der YouTube-Serie beachtliche Erfolge. Das bestätigen die Kommentare. Die erste Folge der Serie wurde schon mehr als 700.000 mal geklickt. Insgesamt 40 Folgen werden es bis Anfang Dezember sein. Die Bundeswehr will damit mehr junge Menschen für das Soldatenleben interessieren. Seit dem die Wehrpflicht ausgesetzt worden ist, fehlt vor allem Nachwuchs für anspruchsvollere Aufgaben. Und so zu werben bringt viel Aufmerksamkeit - erneut. Im vergangenen Jahr hatte die Bundeswehr mit der ähnlich aufgemachten Serie "Die Rekruten" schon einmal großen Erfolg. Sie begleitete Soldaten in der Grundausbildung. Die Bundeswehr zählte 21 Prozent mehr Bewerbungen im Quartal nach der Serie im Vergleich zum Vorjahresquartal.

Aufklären, nicht verharmlosen?

Bild vergrößern
Will aufklären: Dirk Feldhaus, Sprecher der Bundeswehr für die Werbe-Serien.

Über die Serie "Die Rekruten" hatte Zapp berichtet. Der Serie war von Politikern und Medien vorgeworfen worden, den Soldaten-Beruf zu verharmlosen. Dirk Feldhaus ist Sprecher der Bundeswehr für die Werbe-Serien. Nach seiner Einschätzung hat die Bundeswehr auf die Kritik reagiert: "Es ist ein gewisses Risiko, in einem Auslandseinsatz zu drehen, das war uns von Anfang an klar. Wir drehen die Realität und in der Realität können diese Dinge passieren und wenn sie passieren, müssen wir sie nicht zeigen, aber wir müssen drüber reden. Wir wollen natürlich aufklären und das werden wir mit "Mali" auch machen."

Reaktionen auf tödlichen Absturz

Die Bundeswehr will mit ihrem Einsatz in Mali im Rahmen der internationalen UN-Mission "MINUSMA" den Frieden im Land sichern. Knapp 1.000 Soldaten sind in dem Bundeswehr-Camp in Gao stationiert. Bei der Mission sind bisher keine Bundeswehr-Soldaten in Kampfeinsätzen ums Leben gekommen. Im Juli aber ist ein Kampfhubschrauber der Bundeswehr abgestürzt, die beiden Piloten kamen ums Leben. Die Dreharbeiten zu "Mali" sollten eigentlich am Unglückstag zu Ende gehen. Die Bundeswehr entschied aber, die Stimmung im Bundeswehr-Camp danach aufzunehmen. In einer der letzten "Mali"-Folgen will die Bundeswehr den Vorfall thematisieren, sie wird Anfang Dezember bei YouTube freigeschaltet werden. Zurzeit laufen die Abstimmungen zwischen der Bundeswehr und der für die Serie verantwortlichen Kölner Produktionsfirma SpinTV.

Weitere Informationen
mit Video

Bundeswehr im Netz - Wehrdienst als Daily Soap

02.11.2016 23:20 Uhr

Mit der Web-Serie "Die Rekruten" wirbt die Bundeswehr um Nachwuchs. Auf YouTube können Interessierte die Grundausbildung beim Bund verfolgen. Doch werden sie auch über das Berufsrisiko aufgeklärt? mehr

Erfolge in den sozialen Medien

Ein beachtlicher Erfolg ist der Serie jetzt schon sicher: Der zur Serie ins Leben gerufene Chatbot ist derzeit einer der erfolgreichsten in Deutschland. Der "MaliBot" lässt sich über den Facebook-Messenger starten. Dahinter verbirgt sich ein lernfähiger Software-Roboter, der Bilder, Videos und Infos verschickt - in Echtzeit. Und er kann Fragen beantworten: Er weiß, wie heiß es aktuell in der Region ist, in der die Soldaten stationiert sind, dass es dort sehr wohl Bier gibt - aber nur alkoholfrei. Und auf die Frage nach dem Sinn des Lebens verweist er - klar - auf die Bundeswehr und den Mali-Einsatz. Die Titelmelodie der Serie hat es sogar in die Charts von spotify geschafft. Auch auf Instagram und Snapchat läuft die Serie bestens.

Spätfolgen finden keinen Platz in der Serie

Bild vergrößern
Jan-Philipp Krüger vom "Bund Deutscher EinsatzVeteranen" kritisiert, dass die Serien nicht zeigen, wie es Soldaten nach den Einsätzen geht.

Kritik gibt es von ehemaligen Soldaten. Jan-Philipp Krüger ist im "Bund Deutscher EinsatzVeteranen" aktiv, hat vor seiner Entlassung aus der Bundeswehr am Horn von Afrika Erfahrungen in einem Auslands-Einsatz gesammelt. Er kann von Kameraden berichten, die den Gefahren mit der gleichen Portion Galgenhumor begegnet sind wie die Mali-Soldaten. Während des Einsatzes ging es ihnen gut - trotz der permanenten Lebensgefahr. Psychische Erkrankungen sind bei ihnen erst nach dem Einsatz ausgebrochen. Doch für solche Spätfolgen reiche die Drehzeit von "Mali" nicht aus.

Weitere Informationen
03:47

Gedanken eines Soldaten in Mali

24.10.2017 21:15 Uhr
Panorama 3

Seit 2013 beteiligt sich Deutschland an einer UN Mission in Mali, hier wird das Engagement der Bundeswehr in Afrika kaum wahrgenommen. Panorama 3 hat einen Soldaten in Gao begleitet. Video (03:47 min)

Soldaten in Mali: Eine lebensgefährliche Mission

Die Bundeswehr-Aufklärer sind von ihrem Mali-Einsatz wieder zurück in Lüneburg. Mit einem öffentlichem Appell am Donnerstag ist die Arbeit der Soldaten gewürdigt worden. mehr

Wegschauen ist keine Alternative!

26.01.2017 18:30 Uhr
NDR Info

Der Einsatz im westafrikanischen Mali zählt zu den gefährlichsten der deutschen Soldaten. Nun hat der Bundestag der Verlängerung und Ausweitung zugestimmt. Christina Nagel kommentiert. mehr

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 08.11.2017 | 23:20 Uhr