Stand: 10.06.2015 16:50 Uhr

Boykott: Keine "Bild" mehr an der Tanke

Eine Reihe von Einzelhändlern sind schon ausgestiegen: Was kürzlich ein Edeka-Händler in Chemnitz probierte, oder vor einiger Zeit ein Zeitungskiosk in Marburg, hat jetzt auch ein Tankstellenbesitzer in Papenburg nachvollzogen: Er wollte die „Bild“-Zeitung einfach nicht mehr verkaufen. Aus ethisch-moralischen Gründen, in seinem Fall wegen der umstrittenen Berichterstattung des Boulevardblattes nach dem Absturz einer Germanwings-Maschine in Frankreich.

Eine Tankstelle in Papenburg.

Boykott: Keine "Bild" mehr an der Tanke

ZAPP -

Einige Verkaufsstellen in Deutschland weigern sich aus moralischen Gründen, die "Bild" zu verkaufen. Oft werden sie dann gar nicht mehr mit Presseerzeugnissen beliefert.

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Zwar hat der Deutsche Presserat kürzlich festgestellt, dass der Co-Pilot in den allermeisten Fällen benannt und abgebildet werden durfte, wegen der außergewöhnlich schweren Tat, die in ihrer Art und Dimension einzigartig ist. Denn dies spräche für ein überwiegendes öffentliches Interesse an dem Fall. Zu diesem Punkt waren trotzdem die meisten Beschwerden beim Presserat eingegangen. Vielen Lesern hatten offenbar die Eltern des Piloten leid getan, die damit auch am Pranger standen und deren Haus von den Medien belagert wurde. Auch eine unzulässige Vorverurteilung des Co-Piloten wurde immer wieder genannt.

Grossist stellt Belieferung komplett ein

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Für viele ein Ärgernis: Die Berichterstattung über den "Germanwings"-Absturz.

Solche Beobachtungen und Überlegungen bewogen auch den Papenburger Tankstellen-Betreiber Bastian Hogg, die "Bild" aus dem Verkaufsregal seiner Tanke am Osterkanal zu nehmen. Vorher hatte er ca. 20 Exemplare der Zeitung pro Tag verkauft. Daraufhin stellte allerdings der Pressegrossist "Nordwestpresse", der als Monopolist für die Belieferung mit Presseerzeugnissen im Raum Oldenburg, Wilhelmshaven, Papenburg zuständig ist, die Belieferung sämtlicher Presseerzeugnisse ein.

Leere Presse-Regale in der freien Tankstelle fast ganz ohne Zeitungen und Zeitschriften waren die Folge. An dem Verkaufsboykott hält der Tankstellenbetreiber trotzdem weiter fest. Über 200.000 Menschen haben inzwischen seine Boykott-Gründe auf Facebook gelesen. Aber auch Kritik an dem Boykott kam durchaus bei ihm an: Für manch einen Kunden gehört eben zum Einkauf morgens an der Tanke die BILD-Zeitung zum Frühstücksbrötchen dazu.

"Bild" bedauert Entscheidung

Auch Sandra Petersen, Sprecherin des Axel-Springer-Verlages, bedauert in ihrer Stellungnahme die Entscheidung von Bastian Hogg: "Wir nehmen Kritik an 'Bild' immer ernst - jeder ist frei zu entscheiden, ob er 'Bild' lesen möchte. Ein Zeitungshändler hat, abgesehen von seiner persönlichen Meinung, aber eine wichtige Funktion: Mit seiner Auslage ermöglicht er seinen Kunden, die Medienvielfalt in Deutschland überhaupt in Anspruch nehmen und sich ihre eigene Meinung bilden zu können." Man werde sich weiterhin um eine "Lösung im Sinne der Leser" zu finden, so Petersen.

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 10.06.2015 | 23:35 Uhr