Stand: 01.03.2017 20:26 Uhr

#Bismarckplatz: Polizei und Social Media

von Hendrick Maaßen
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Die Polizei Mannheim hat die Kommunikation im Netz nach der Amokfahrt betrieben.

Ein PKW rast in eine Menschengruppe und schon geht wieder die Angst um: ein Terroranschlag? Ein Tathergang nach dem Vorbild Nizza oder Berlin? Als vor einigen Tagen in Heidelberg ein Auto in eine Fußgängergruppe rast, ist die Unsicherheit groß. Auf Twitter informiert die Polizei über die Amokfahrt und die Festnahme des Täters:

Sofort wird mögliche Täterherkunft zum Thema

Doch während die Polizei noch die Hintergründe sondiert, ist bei einigen auf Twitter der vermeintliche Hintergrund des Täters schon klar: ein Islamist, Zuwanderer oder Mensch mit Migrationshintergrund muss es gewesen sein. Gezielt wird Stimmung gemacht, werden Informationen der Polizei angezweifelt:

Offensive Öffentlichkeitsarbeit zur "Beschwichtigung"

Im Polizeipräsidium Mannheim sitzt zu dieser Zeit Anne Baas an den Social-Media-Kanälen der Polizei. Im Interview mit ZAPP spricht sie von offensiver Öffentlichkeitsarbeit. "Ich habe erst mal versucht, zu beschwichtigen. So Sachen zu sagen, die Kollegen draußen ermitteln noch, lasst die mal die Arbeit tun. Sobald wir etwas wissen, informieren wir natürlich. Erst einmal versucht, die Leute zu beruhigen, die Leute wissen zu lassen, wir sind da! Wir schweigen jetzt nicht einfach stundenlang, aber ihr müsst jetzt auch noch ein bisschen Geduld haben und wir informieren euch, sobald wir etwas wissen."

Screenshot eines Twitter-Eintrages

#Bismarckplatz: Polizei und Social Media

ZAPP -

Nach der Amokfahrt von Heidelberg twitterte die Polizei gegen das Gerücht an, der Täter sei ein Ausländer oder Migrant. Dabei nutzte sie sehr emotionale Tweets und direkte Ansprachen.

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Polizei twitterte auch emotional

In Zeiten sozialer Medien und schneller Netzverbindungen ein frommer Wunsch. Die Polizei reagiert mit eigenen Tweets, nicht nur förmlich, sondern auch emotional. Damit bekam die Twitterei um den #Tatverdächtiger allerdings weiteren Schub. Irgendwann twitterte Anne Baas:

Und begründet: "Das müssten wir natürlich nicht. Aber einfach, um manchen den Wind aus den Segeln zu nehmen, haben wir das extra noch mal geschrieben. Allerdings haben wir danach auch gemerkt, das hat vielen nicht gereicht, die haben dann noch einen Stammbaum, ein Vornamen gewusst und ein Passbild gefordert." Hater und Trolle lassen sich meist nicht überzeugen, gegen Hetze und Hatespeech helfen am Ende nur Anzeigen. Auch die Polizei prüft die Strafverfolgung: "Wir werden uns einzelne Meldungen anschauen und nach ihrem strafbaren Inhalt bewerten", sagte Polizeisprecher Norbert Schätzle.

Polizeiarbeit im Netz kann Diskussionen stoppen - und auslösen

Im Zeitalter der sozialen Netzwerke ist es normal und wichtig, dass auch die Polizei dort präsent ist. So kann sie schnell informieren, beruhigen und Gerüchte einfangen - wie schwer Letzteres ist, haben die Beamten im aktuellen Fall gesehen, diesen aber nach Meinung der meisten Experten gut gemeistert. Auch nach dem Amoklauf von München wurde die Social-Media-Arbeit der Polizei gelobt. Doch schnell kann ein unbedachter Tweet auch eine tagelange Diskussion auslösen, wie die #Nafri-Debatte von Köln zeigt. Vorsicht ist geboten - auch und gerade für die Polizei.

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 01.03.2017 | 23:15 Uhr