Stand: 23.10.2015 17:19 Uhr

Wann kauft Google die Europa League?

von Daniel Bouhs
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Sportrechte sind begehrte Ware - bald auch für Google und Co.? Die TV-Branche fürchtet das.

Früher waren die Fronten im Sport-Business klar: Fernsehkanäle teilten sich die Spektakel auf, von der Champions League über Formel 1 bis hin zu den Olympischen Spielen. Die einen - vor allem das Bezahlfernsehen oder zumindest frei empfangbare Privatsender - haben sich meist Live-Rechte der Events ergattert, andere - oft öffentlich-rechtliche Sender - zumindest Lizenzen für ausführliche Berichte.

Die Zeiten aber, in denen klassische TV-Sender unter sich bleiben, sind praktisch vorbei. Jetzt kämpfen auch andere um die begehrte Ware "Sportrechte": Konzerne und ihre Marken. Ein Thema, das die Branche auf den Münchner Medientagen umtreibt, ja, das für Unruhe sorgt.

Wann läuft die WM bei Google?

"Adidas hat bei der letzten Europameisterschaft einen eigenen Kanal gemacht - in einem eigenen Newsroom, mit 30 Redakteuren", berichtet etwa Joachim Wildt, dessen Plazamedia Group Events produziert, also für Sender ebenso arbeitet wie für die neuen Angebote der Konzerne. Noch, sagt Wildt, habe sich kein Konzern, der bisher bloß Werbekunde war, auch gleich ganze Veranstaltungen gesichert, aber damit sei nun zu rechnen. "Schauen wir nach Salzburg: Red Bull könnte der nächste Besitzer der Formel 1 werden", sagt Wildt.

Er glaube außerdem daran, dass IT-Konzerne für ihre Plattformen Sportrechte kaufen werden: "Als ich noch in Nyon bei der Uefa war, war immer das Thema: Wann kommt Google, wann kauft sich Google die Europa League? Das wird passieren - die Frage ist nur: wann."

NDR Sportchef Axel Balkausky © NDR Fotograf: Marcus Krüger

Axel Balkausky: "Das wird die größte Schlacht"

ZAPP

ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky äußert sich im ZAPP-Interview zu den anstehenden Verhandlungen mit der Deutschen Fußball Liga (DFL)

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Auch traditionelle Plattformen haben Zukunft

Während Wildt als Dienstleister, der für alle arbeitet, eher gut gelaunt von einer "neuen Herausforderung“ spricht, müssen sich andere Sorgen machen. Wer braucht zum Beispiel noch das klassische TV, wenn im Digitalen die Sportszene samt ihrer Sponsoren künftig Events einfach selbst präsentieren kann? ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky glaubt an eine Kombination: "Es gibt die Projekte der Konzerne, aber es wird auch die traditionellen Plattformen noch sehr, sehr lange geben." Ja, auch er beobachte das Abwandern auf neue Plattformen, also weg vom klassischen TV. "Sehr viele Sportarten gehen woanders hin“, sagt Balkausky. "Sie kommen zu uns, um an die breite Öffentlichkeit zu gehen."

Im Interview mit ZAPP spricht Balkausky in München auch über die anstehenden Verhandlungen mit der Fußball-Bundesliga. Er geht weiter davon aus, dass die ARD für ihre "Sportschau" ein Rechtepaket lösen wird - aber gleichzeitig auch von harten Verhandlungen: "Das wird die größte Schlacht, die man je erlebt hat."

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Werner Starz: "Mehr Emotionen verbreiten"

Discovery-Manager Werner Starz bietet sich Sport-Veranstaltern und Sponsoren als Partner an. Der Konzern hat sich gerade die Olympia-Rechte gesichert. Video (05:03 min)

Mischformen bei "Discovery"

Der US-Konzern Discovery bietet sich derweil als Mischform an - mit klassischen Sendern wie Eurosport und neuen Angeboten für die neuen Partner aus der Sport- und Sponsorenwelt. Jüngstes Beispiel: die Olympischen Spiele. Discovery hat den öffentlich-rechtlichen Sendern in Europa die Rechte weggeschnappt und das nicht zuletzt, weil es dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) dabei hilft, den Traum einer opulenten Olympia-Plattform in die Realität umzusetzen - etwas, das öffentlich-rechtliche Sender so niemals mit ihrer Unabhängigkeit vereinbaren könnten.

"Bei uns können Marken Geschichten inszenieren, deshalb bleiben wir als Plattform interessant", sagt Discovery-Manager Werner Starz in München. Gerade habe auch die Rugby Weltmeisterschaft gezeigt, wie gut Fernsehen nach wie vor funktioniere: "Aus Deutschland haben neun Millionen Zuschauer bei uns zugesehen", berichtet Starz. "Hätte ein Partner wie Land Rover das selbst gemacht, im Netz gestreamt und nett kommentiert - es hätten wesentlich weniger zugesehen."