Sendedatum: 27.09.2017 23:20 Uhr

AfD und Medien: Eine Frage von Schuld und Sühne?

von Annette Leiterer & Caroline Schmidt

Kaum sind die Wahllokale geschlossen, geht schon die Suche nach dem Schuldigen los. Wie konnte die AfD nur so viele Wählerstimmen einheimsen? Wer hat ihr dabei geholfen? Schnell geht es daran, die Schuld zu verteilen, bevor die Ursachenforschung überhaupt ernsthaft angefangen hat. Für Joachim Herrmann, den Spitzenkandidaten der CSU im Bundestagswahlkampf, ist die Sache schon am Abend klar: Schuld sind die Medien, allen voran die öffentlich-rechtlichen Sender.

Alice Weidel

AfD und Medien: Eine Frage von Schuld und Sühne?

ZAPP -

Wer trägt die Verantwortung, dass die AfD so viele Stimmen erzielen konnte? Die Schuldfrage war nach der Wahl rasch geklärt: die Medien sind es. Doch stimmt das wirklich?

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Medien verstärken Stimmungen

Für viele andere liegen die Dinge dagegen ein wenig komplizierter. Richtig ist, dass Medien Stimmungen und Konflikte in der Bevölkerung meist verstärken. Und richtig ist auch - ZAPP hat selbst einige Male darüber berichtet  - dass die AfD diesen Verstärker sehr gut zu nutzen wusste. In einem internen Papier, das Anfang des Jahres in den Medien kursierte, legte die Partei die Strategie für den Wahlkampf fest. Ausdrücklich rät sie darin zur Provokation von Konflikten: "Je nervöser und je unfairer die Altparteien auf Provokationen reagieren desto besser. Je mehr sie versuchen, die AfD wegen provokanter Worte oder Aktionen zu stigmatisieren, desto positiver ist das für das Profil der AfD."

Kommentar

Journalistisches Wunschdenken

23.11.2016 23:20 Uhr

"Herbeigetalkter" Rechtsruck? Solange wir uns vormachen, es wäre die Schuld der öffentlich-rechtlichen Medien, werden wir das Problem nicht begreifen, meint Annette Leiterer. mehr

Nicht über jedes Stöckchen springen

Die Branche diskutiert schon lange darüber, wie gut diese Strategie funktioniert. Tina Hildebrandt, Leiterin des Hauptstadtbüros der "Zeit", sagte gegenüber ZAPP, dass dieses Eingehen auf jede Provokation der AfD tatsächlich helfe, denn es "stärkt ihren Markenkern der ausgegrenzten Mehrheit". Auch Andrea Röpke, freie Journalistin und Rechtsextremismusexpertin, ärgerte sich darüber, dass die Medien sich "in großen Teilen von der AfD und ihren Anhängern und auch den Vordenkern der rechten Szene vor sich hertreiben" lassen.

Zapp über die Afd
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2016: Das Jahr der Populisten

07.12.2016 23:20 Uhr

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31.08.2016 23:20 Uhr

Ein "Extrablatt" erreichte die Haushalte vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern. Darin wird Stimmung für die AfD gemacht. Wie bereits zuvor in anderen Bundesländern. Video (06:17 min)

Es muss berichtet werden

Doch andererseits waren sich die meisten Journalisten einig, dass man die AfD nicht totschweigen dürfe. Denn das wäre, so Hildebrandt, schlicht "undemokratisch". Medien sind dazu da, relevante Stimmungen und Konflikte in der Gesellschaft aufzugreifen.  Und eine Partei, die so viele Menschen wählen, ist relevant. Oder wie es der ehemalige Chef des Bayerischen Rundfunks Nikolaus Brender es am Montag bei "hart aber fair" formulierte: Dann hätte man den Sendern "umgekehrt vorgeworfen, ihr gehört dem Schweigekartell an".

Simple Provokationen ignorieren

Wie man es macht, macht man es also falsch? Der richtige Weg scheint - wie sooft - in der Mitte zu liegen. Der österreichische Moderator Armin Wolf, der seit Jahren mit der rechtspopulistischen FPÖ umgehen muss, rät "simple Provokationen" zu ignorieren. Natürlich müsse man über tatsächliche Grenzüberschreitungen berichten wie Gaulands Rede von den Leistungen der deutschen Soldaten in zwei Weltkriegen.  

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Unter Beschuss: Starjournalist Armin Wolf

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Der österreichische Moderator Armin Wolf gilt in der Branche als Vorbild, ist bekannt für seine hartnäckigen Interviews. Das stört offenbar viele, vor allem einige Politiker. mehr

Wenn die AfD aber zum Beispiel behauptet, sie sei die "wahre Schutzmacht der Homosexuellen",  sei das doch "so offenkundig seltsam und nicht ernst gemeint und nur dazu gedacht in die Medien zu kommen". Stattdessen, so der Kommunikationswissenschaftler Carsten Reinemann, solle man die AfD besser mit Sachthemen zu konfrontieren, "wo sie nicht so stark ist, wo sie entweder keine Konzepte hat oder solche Konzepte, die vielleicht ihren Wählern oder manchen von ihnen schaden könnten". Genau dafür wäre jetzt Raum.

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Die Verbreitung von Ressentiments in Deutschland ist gewachsen, so das Ergebnis einer Studie. Schuld daran sind auch die Medien, die extreme Positionen präsentieren und gesellschaftsfähig machen. mehr

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Spezieller Umgang: Journalisten und die AfD

14.06.2017 23:20 Uhr

Mit der AfD reden oder nicht? Das Netzwerk Recherche wollte und lud AfD-Vize Gauland aufs Podium - was nicht allen gefiel. Ein Mitglied trat deshalb aus der Vereinigung aus. Video (04:41 min)

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 27.09.2017 | 23:20 Uhr