Unsere Geschichte - Zehn Tage im Mai

Eine deutsche Nachkriegskindheit

Sonntag, 11. Oktober 2015, 13:00 bis 13:30 Uhr
Montag, 12. Oktober 2015, 03:55 bis 04:25 Uhr

Ein Mann und eine Frau stehen vor einem See.

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In seinen Träumen geht Dieter Radloff immer wieder durch das brennende Berlin. Er riecht dann die Bomben, den Staub, hört Glas splittern, MG-Schüsse, Stimmengewirr. In seinen Träumen ist Dieter Radloff im Jahr 1945, es sind die letzten Kriegstage. 70 Jahre zuvor sitzt sein Vater, Oberleutnant Fritz Radloff, im Keller des Reichstages. Ein hochdekorierter Nazi. Es ist der 2. Mai 1945. Deutschland hat gerade kapituliert.

Bis eben hat Fritz Radloff noch an den Endsieg geglaubt, jetzt ist ihm alles abhanden gekommen - sein Reich, seine Einheit, sein Auftrag. Er ahnt nicht, wie tief er noch fallen soll. Weiß noch nichts von der Katastrophe, die ihn zu Hause erwartet. "Niemals zum Russen", schreibt Fritz Radloff in seinem Kriegstagebuch, und "lieber verrecken". Nun, auf der Flucht vor den Sowjets, hat er nur noch einen Gedanken: Nach Hause, nach Neustrelitz, zu seiner schwangeren Gertrud. Im frühen Morgengrauen des 2. Mai 1945 bricht Fritz Radloff auf. Raus aus der Hölle, mitten durch längst von den Russen erobertes Gebiet. Es wird eine zehntägige Odyssee. Der einst stolze Offizier versteckt sich nun im Unterholz.

Es geht über Nassenheide, Gransee, Fürstenberg, Ravensbrück, 40 Kilometer am Tag. Endlich Neustrelitz. Endlich erreicht er die Augustastraße 22. Dort erwartet ihn eine erschütternde Nachricht: Seine Frau Gertrud hat sich mit ihrem ungeborenen Kind in einem See ertränkt.

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Nachkriegskinder leiden unter dem Schweigen über die Vergangenheit

Wie Kriegserlebnisse der Eltern nachfolgende Generationen prägen, davon können die Geschwister Dieter und Ursula Radloff ein Lied singen. Beide sind klassische Nachkriegskinder und doch hat der Krieg sie ihr Leben lang verfolgt. Durch die Erfahrungen der Eltern, die sie verschwiegen. Ihr Leben lang haben sich Dieter und Ursula Radloff als falsche Kinder gefühlt. Erst als sie über 60 Jahre alt sind, erfahren sie, dass ihr Vater lange vor ihnen schon einmal eine Familie hatte, die Anfang Mai 1945 ausgelöscht wurde.

Weil er das Geheimnis immer spürte, hat Dieter Radloff seit langem einen Wunsch: Dass er endlich die Geschichte seiner Familie zusammensetzen kann. Dazu geht er mit seiner Schwester Ursula den Weg, den sein Vater vor genau 70 Jahren nahm. Zu Fuß von Berlin nach Neustrelitz, seinem wahren Zuhause, wie der 65-Jährige sagt. Dabei hat er die kleine Stadt die meiste Zeit seines Lebens nicht gekannt.

Eine Reise in die Vergangenheit

"Zehn Tage im Mai" ist die Geschichte einer deutschen Nachkriegskindheit, die bestimmt ist von einem Familiengeheimnis. Dieter und Ursula Radloff, die Geschwister, begeben sich in unserem Film auf die Spur ihres Vaters Fritz Radloff, sind an den Schauplätzen von 1945 und an den Orten ihrer Kindheit unterwegs. "Zehn Tage im Mai" berichtet einerseits von einer schmerzhaften Reise in die Vergangenheit, aber auch einer Versöhnung. Denn am Ende der Reise haben sich die beiden Geschwister wieder gefunden. Lange Jahre hatte das Familiengeheimnis beide getrennt.

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Autor/in
Kathrin Matern
Redaktion
Birgit Müller
Produktionsleiter/in
Stephan Helms