Landpartie - Bäderarchitektur an der Ostsee

Auf Usedom und Rügen

Sonntag, 27. September 2015, 13:30 bis 15:00 Uhr

Zu Kaisers Zeiten reiste die vornehme Gesellschaft in die Sommerfrische. Wer es sich leisten konnte, kurte in einem der Ostseebäder. Die Berliner Hautevolee fuhr regelmäßig mit dem gesamten Hausstand in ihre Sommerresidenzen. Die Gebäude sehen aus wie Ableger der Stadthäuser in den Berliner Villenvierteln Grunewald, Wannsee und Lichterfelde. Viel vom Charme des 19. Jahrhunderts ist bis heute in den Seebädern auf Usedom und Rügen erhalten geblieben.

Die "weißen Perlen" an der Ostsee

Diese sogenannte Bäderarchitektur zeichnet sich nicht durch einen einheitlichen Baustil aus. Die Architekten bedienen sich unterschiedlicher Elemente aus Renaissance, dem Barock, der Gründerzeit und dem Jugendstil. Erlaubt ist, was gefällt - und den Reichtum der Besitzer zeigt. Viele der luxuriösen Sommerhäuser liegen an der Promenade direkt am Meer. So unterschiedlich im Stil, haben viele dieser Bädervillen doch eine Gemeinsamkeit: feine Holzschnitzarbeiten an den Balkonen und Laubengängen. Meist sind die  Häuser und die Verzierungen in Weiß gehalten. Daher auch die Bezeichnung "weiße Perlen" für die Ostseebäder.

Feine Holzschnitzarbeiten als Inspiration

Manch eine Villa, die zu DDR-Zeiten als Erholungsheim diente, wurde nach der Wende aufwendig restauriert. Es gibt nur noch wenige Handwerker, die wissen, wie die alten Holzschnitzarbeiten gemacht werden. Der Zimmermann Frank Borchert ist auf die Sanierung von Balkonen an den Bädervillen spezialisiert. Er kennt sich aus mit der Formensprache der Verzierungen. Und er weiß, welches Holz zu nehmen ist, damit die erneuerten Holzelemente Regen und Seewind lange trotzen.  Das Schnörkelwerk an den Balkonen der alten Villen inspiriert auch die Goldschmiedin Rebecca Grob. Sie stellt Silberringe her, die die Muster aufnehmen. "Bäderarchitektur-Kollektion" nennt sie diese Schmuckstücke.

Von der Bäderarchitektur zum DDR-Plattenbau

Zu jeder Zeit wurde gebaut an der Ostsee: Aus der Kaiserzeit blieb die verschnörkelte Bäderarchitektur. Die Nazis planten in Prora ein fast fünf Kilometer langes Urlauber-Gebäude. Und in der DDR standen Plattenbau-Ferienheime, aber auch Kulturhäuser zur Erholung für die Werktätigen ganz hoch im Kurs. Wie die Villen im 19. Jahrhundert, so waren einige Feriendomizile aus der DDR-Zeit ausgewählten Gästen vorbehalten: Das Cliff-Hotel in Sellin stand nur den Mitgliedern des Zentralkomitees der SED offen. Heute kann jeder zahlende Gast im Hotelpool seine Bahnen ziehen  - unter einer ganz besonderen Deckenkonstruktion, geschaffen vom Binzer Baumeister Ulrich Müther. Ein beliebtes Fotomotiv ist ein Gebäude in Binz, das aussieht wie ein Raumschiff. Müther hat auch diesen Rettungsturm gebaut. Heute wird er als Standesamt genutzt. Müther gestaltete mit Beton. Aber seine Bauten wirken nicht betonschwer, sondern leicht und filigran.

Geocaching als Freizeitvergnügen

Beim Geocaching, einer modernen Schatzsuche mit GPS-Gerät, sind Architekturschätze auf der Strecke eingeschlossen. Immer dienstags starten am Haus des Gastes in Binz Touren für Einsteiger. Die Teilnehmer können sich die GPS-Empfänger dort auch leihen.

Zu Fuß und per Rad unterwegs

Der Weg ist das Ziel - zu Fuß oder mit dem Rad. Auf Rügen und Usedom gibt es ein gut ausgebautes Radwegenetz - und an vielen Stellen das Fahrrad gleich dazu. UsedomRad heißt die Idee funktioniert wie der Fahrradverleih in einigen großen Städten: Urlauber können an einer Stelle ein Rad ausleihen und es ganz woanders wieder abgeben. Wenn ein Radler einen Plattfuß hat, dann kommt sogar Hilfe mit einem Ersatzrad. Usedom und Rügen sind  ideal für eine entspannte Landpartie auf dem Fahrrad - Strandleben und Badespaß eingeschlossen.

Moderation
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