Stand: 01.06.2011 15:14 Uhr  | Archiv

Erfahrene Bruchpiloten

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Ivo Nörenberg und Oliver Goetzl (v.l.), Ballonfahrer: Plötzlich versagte der Gasbrenner.

Nun ist er ihnen sicher: der Titel als geniale Bruchpiloten des Naturfilms. Denn nachdem Ivo Nörenberg und Oliver Goetzl bereits 2007 während ihres Drehs zu "Wildes Russland" mit einem Heißluftballon an den Berghängen des Urals abgestürzt waren, erwischte es sie diesmal in Indien: Während der Fahrt versagte plötzlich der Gasbrenner, sodass dem Piloten nur noch das Ablassen des Gases und die anschließende Bruchlandung aus 30 Metern Höhe blieben, um dem Aufprall an der sich nähernden Felswand zu entgehen.

Katastrophen-Déjà-vu?

Im Unterschied zu ihrem ersten Absturz im Ural sahen die Insassen den Aufprall diesmal auf sich zukommen und konnten sich am Boden des Ballons festhalten - im Ural war der Ballon so plötzlich gegen eine Bergspitze geprallt, dass der Crash Kameramann Ivo völlig überraschte. Beim Blick durch den Sucher der Kamera sei die Entfernung zu sich nähernden Gegenständen nur schwer einzuschätzen, erzählt Ivo im Gespräch - und so hatte er keine Gelegenheit mehr, sich festzuhalten. Ivo wurde damals aus dem Korb geschleudert und prallte mit dem Rücken auf den Steinen auf - eine Situation, die auch Oliver als Albtraum erlebte: Der Regisseur sah seinen Drehpartner regungslos liegenbleiben und konnte selbst nicht sofort zu Hilfe eilen, weil der Ballon sofort wieder aufstieg und der Fahrer erst einige Kilometer weiter landen konnte.

Doch die Filmer hatten Glück: Ein zertrümmertes Schulterblatt diagnostizierten die Mediziner, als das Team 36 Stunden später aus der entlegenen Gegend das Hamburger Krankenhaus erreichte - fast noch eine glimpfliche Diagnose angesichts des dramatischen Unfalls.

"Wir werden immer wieder fliegen"

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Der Absturz verlief glimpflich: Keiner der Ballon-Insassen wurde schwer verletzt.

Auch in Indien hatten die beiden Tierfilmer ihren Schutzengel an Bord: Beide kamen mit leichten Blessuren davon - und das, während Oliver sich gerade erst von einem Klippensturz zu erholen begann. Und die Konsequenz? Die beiden lachen. "Wir werden immer wieder fliegen", so die tierfilmverrückten Hamburger.

 

Festival-Lieblinge Gulo Film

Über 90 internationale Preise haben Oliver Goetzl und Ivo Nörenberg von GULO Film Productions für ihre Filme bereits gewonnen. Mit ihrem neuen Film "Held aus dem Dschungelbuch - Der Lippenbär" konnten sie die wahrscheinlich strengste Tierfilmjury der Welt überzeugen: Das renommierte Wildscreen Festival im englischen Bristol zeichnete die Produktion im Oktober 2012 mit dem "Panda Award" für die besten Verhaltensaufnahmen aus. Ein Ritterschlag für die Tierfilmer: Die alle zwei Jahre vergebenen Auszeichnungen gelten als die "Oscars" der Naturfilmbranche.
Das Erfolgsrezept der beiden Filmer? Sie verfolgen ihre Filmprojekte mit einer Leidenschaft und Konsequenz, die ihresgleichen sucht. Weitaus länger als geplant verharren sie oft an schwierigen Drehorten, bringen weit über 100 Stunden Rohmaterial für einen 45-Minüter mit und stellen auch im Schnitt jedes Detail immer wieder auf den Prüfstand. Perfektionismus und Liebe zur eigenen Arbeit, die man den Filmen einfach ansieht.