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Tchibo - Vom Kaffeeversand zum Handelsriesen

Samstag, 03. Dezember 2016, 12:45 bis 13:30 Uhr

Tchibofiliale in den 1950er-Jahren. © NDR/Tchibo, honorarfrei

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"Wir sind immer in eine Tchibo-Filiale gegangen, und meine Mutter hat sich eine Tasse Kaffee gegönnt. Probierkaffee für 20 Pfennig." Schon als Kind fand Christian Esselun den Duft von frischem Kaffee toll, inzwischen verkostet er schon seit 28 Jahren täglich Tchibo-Kaffee - ein Kaffee-Experte, der in seinem kleinen Kontor Kaffeebäume züchtet.

"Wer sparsam ist, ist auch schlau"

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In den 1960er-Jahren ist das Verpacken der Bohnen noch Handarbeit und Frauensache.

Mit Kaffee fing bei Tchibo 1949, im Gründungsjahr der Bundesrepublik Deutschland, alles an. "Er hatte ein gutes Händchen, einen guten Kaffeegeschmack, und er wusste, was er macht!", sagt der ehemalige Röstmeister Dietlef Kasberg über den Tchibo-Gründer Max Herz. Seine Geschäftsidee war der Kaffeeversand per Post. Dadurch konnte er seinen Röstkaffee ein paar Groschen billiger verkaufen, das kam gut an: "Das Kaffeemännchen Tchibo weiß genau, wer sparsam ist, der ist auch schlau" - hieß es in diesen Jahren. Ein Werbetrick machte seinen Mokka schnell bekannt: Er lieferte den Kaffee in praktischen Haushaltsdosen, später ließ er die Bohnen sogar in Taschen- und Geschirrtücher einnähen. Solche soliden Werbegeschenke waren bei den Kunden begehrt.

In den Wirtschaftswunderjahren wuchs das Unternehmen rasant. Zusammen mit seiner Frau Ingeburg fuhr Herz durch die Republik und suchte Läden in bester Lage. Bald eröffnete jede Woche eine neue Tchibo-Filiale: Kaffeespezialgeschäfte, typisch mit Ausschank am Stehtisch.

Bunte Warenwelt als zweites Standbein

Heute steht der Hamburger Kaffeegroßröster und Handelsriese mit eigenem Filialnetz für eine bunte Warenwelt mit wöchentlich wechselnden Produkten. Neugier und die Lust an Überraschungen, aber auch die Verheißung auf "gut und günstig" locken Woche für Woche Käufer in die Filialen.

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Sabine Speet ist Leiterin einer Tchibo-Filiale, jeden Dienstag dekoriert sie eine neue Warenwelt.

Die Söhne Günter und Michael Herz übernahmen nach dem Tod des Firmengründers 1964 den Röstbetrieb. Statt Werbegeschenke gibt es jetzt Frühstückbrettchen, Salatbestecke oder Uhren im Kaffeegeschäft zu kaufen. Das wurde das zweite Standbein des Konzerns. Anders als Vater Max meidet die Familie Herz heute die Öffentlichkeit - keine Interviews, keine Fotos.

Tchibo ist eine der bekanntesten deutschen Marken. Der Konzern hat 12.500 Mitarbeiter im In- und Ausland. Der Film erzählt den Aufstieg vom Kaffeeversand zum führenden deutschen Kaffeeröster und Handelsunternehmen. Die Unternehmensgeschichte ist eng verknüpft mit der deutschen Nachkriegsgeschichte, dem wirtschaftlichen Aufschwung der Bundesrepublik Deutschland und schließlich der deutschen Einheit.

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Autor/in
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Redaktion
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