Ein Dorf im Ural

Sonntag, 21. Mai 2017, 00:45 bis 01:30 Uhr

Spätestens seit der Hollywood-Schnulze "Doktor Schiwago" gilt der Ural bei vielen Menschen als die Grenze zwischen Kultur und Wildnis. Am Ural endet Europa, wird gern behauptet. Dabei ist der Ural ein weitgehend unbekanntes Gebirge mit fantastischen Landschaften. Hier mischen sich Asien und Europa, Russland und Kasachstan - eine genaue Grenze ist kaum zu ziehen.

Das Filmteam hat die Bewohner eines kleinen Dorfes im Südural einige Wochen mit der Kamera begleitet. Die Menschen sind arm. Jeder im Dorf produziert seine Nahrung selbst, hält sich ein Schwein, eine Kuh, ein paar Hühner und bewirtschaftet einen halben Hektar Gartenland. Für Einkäufe fehlt meist das Geld. Das Leben ist hart und entbehrungsreich, aber die Menschen haben ein großes Herz. Das ergibt sich aus den Gesprächen mit den Menschen, aus ihren Liedern und ihrer Gastfreundschaft. Das tief in den Bergen versteckte Fünfhundert-Seelen-Dorf heißt Irgisly und bedeutet: mutiges Mädchen. Mut ist hier tatsächlich gefragt und der Wille zum Überleben. Ein durchschnittlicher Monatslohn beträgt gerade mal 1.400 Rubel, also rund 20 Euro.

Das Leben am Rand Europas

Lebensfreude trotz aller Entbehrungen

Für den Weg zum nächsten Arzt braucht man sieben Stunden - auf unbefestigten und schlammigen Straßen. Seit ein paar Jahren gibt es Strom, geheizt wird mit Holz, gekocht auf dem Feuer, gewaschen im Fluss. Die Männer haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von gerade mal 52 Jahren, bedingt durch Arbeitslosigkeit, Zigaretten, Wodka. Trotz aller Härte haben sich die Menschen von Irgisly etwas bewahren können, worauf sie nicht verzichten wollen: eine funktionierende Dorfgemeinschaft, lebendige Großfamilien, eine urwüchsige wilde Landschaft und eine intakte Umwelt. Für die Kinder ist Irgisly ein Paradies, ein "Bullerbü" des Ostens.

Und das Dorf hat eine Zukunft: Die jungen Leute wollen bleiben. Sie lieben das Leben im Dorf, in der Familie, in der Gemeinschaft. Die Ladenbesitzerin Lilia verweist stolz auf die steigende Nachfrage nach Verhütungsmitteln: "Die Lebensfreude", so sagt sie, "ist trotz der vielen Probleme ungebrochen."

Redaktionsleiter/in
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Redaktion
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Autor/in
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Regie
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Autor/in
Dethlev Cordts
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