Stand: 11.11.2015 07:05 Uhr

Nordfriesen bangen um Zukunft von Krankenhäusern

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Was wird aus dem Klinikum Nordfriesland? Die Menschen an der Westküste machen sich Sorgen um die vier Standorte.

Extrem weite Wege für eine wichtige Operation, eine bevorstehende Geburt oder eine stationäre Behandlung? Die Menschen an der Westküste sind in Sorge um die Zukunft des Nordfriesland Klinikums mit seinen vier Standorten Husum, Niebüll, Tönning und Wyk auf Föhr. Und die Proteste werden lauter: Montagabend machten 200 Menschen in Tönning ihrem Ärger Luft. Denn in einem Gutachten wird vorgeschlagen, aus Kostengründen den stationären Teil in Tönning mit seinen 29 Betten zu schließen.

Gutachten sieht harte Einschnitte vor

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Laut Gutachter müsste auch die Klinik Husum auf Spezialbereiche verzichten, würde aber insgesamt als zentraler Standort gestärkt.

Langfristig ist eine enge Zusammenarbeit des Klinikums Nordfriesland mit dem Diako-Krankenhaus in Flensburg angedacht. Doch bevor es dazu kommen kann, muss sich das Klinikum Nordfriesland gesundschrumpfen und Verluste in Millionenhöhe zurückfahren. Vorschläge dafür liefert ein Gutachten des ehemaligen Diako-Geschäftsführers Karl-Heinz Vorwig. Neben der Schließung des stationären Bereichs in Tönning empfiehlt er, dass auch Niebüll mehrere Fachbereiche abgibt, darunter die Geburtshilfe. Auch Husum müsse auf Spezialbereiche verzichten, würde aber insgesamt als zentraler Standort gestärkt, so Vorwig. Wyk auf Föhr bliebe erhalten, stabile Landeszuschüsse für die Inselversorgung vorausgesetzt. Die Geburtenstation musste allerdings schon geschlossen werden. Fest steht: Auf den Kreis als Träger des Krankenhauses kommen auf mehreren Ebenen harte Verhandlungen zu, bis der Kreistag in Husum schließlich am 11. Dezember die endgültige Entscheidung trifft. Für den gesamten Umbauprozess des Klinikums sind drei Jahre vorgesehen.

Gespräche über Kooperation mit Tondern?

Die Bürger zwischen Tönning und Föhr sind beunruhigt: Droht am Ende vielleicht sogar ein Kliniksterben? Oder gelingt es dem Krankenhaus, sich grundsätzlich besser aufzustellen? Dabei könnte eine Anregung aus Dänemark helfen. Denn auch in der Grenzstadt Tondern droht einer Tagesklinik mitsamt Unfallchirurgie aus Kostengründen das Aus. Marit Jessen Rüdiger, für die Schleswigsche Partei Mitglied des Stadtrats in Tondern, sagte, sinnvoll sei eine Kommunikation zwischen den beiden Kliniken. "Ich bin mir einfach gar nicht so sicher, dass man voneinander weiß, dass da ein Problem ist im Augenblick." Vielleicht könnten Synergien zwischen den beiden Kliniken geschaffen werden, sodass die Notversorgung gesichert wäre, schlägt Marit Jessen Rüdiger vor. Sie befürchtet, dass die Menschen an der Westküste sonst bald ohne Krankenhaus dastehen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 11.11.2015 | 12:00 Uhr