Stand: 11.09.2017 08:25 Uhr

Zur Sache: Wenn Fremde zu Nachbarn werden

Mehr als eine Million Menschen sind in den vergangenen zwei Jahren nach Deutschland gekommen, um hier ihrer Verfolgung aus politischen oder religiösen Gründen, zum Teil aber auch ihrer wirtschaftlichen Not in ihrer Heimat zu entkommen. Allein 2015 waren es etwa 29.000 Flüchtlinge, die in Schleswig-Holstein ein neues Zuhause suchten, in diesem Jahr werden es vielleicht noch knapp 4.000 sein. Sie alle wurden und werden nach ihrer Erstaufnahme in die Städte und Gemeinden des Landes verteilt. Eine Situation, die in einigen Gemeinden aber auch bei den Flüchtlingen selbst zu Unsicherheiten führte. Davon ist heute fast keine Rede mehr, denn die Integration - insbesondere auf dem Land - scheint besser zu funktionieren, als anfänglich gedacht.

Im Studio sitzen die Gäste Ahmad Ahmad (v.l.), Torsten Geerdts, Atiq Assisi und Sandra Blümke. Im Hintergrund steht Moderator Michael Frömmter. © NDR Fotograf: Andrea Schmidt

Innenmisterium will Integration erleichtern

NDR 1 Welle Nord - Zur Sache -

In der Sendung "Zur Sache" berichten Geflüchtete und Betreuer von bürokratischen Hürden in Sachen Integration. Das Innenministerium verspricht Abhilfe.

0 bei 0 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Neues Integrationsgesetz geplant

Zu Gast bei Moderator Michael Frömter waren am Sonntagabend in der Sendung "Zur Sache" Sandra Blümke, die unbegleitete Flüchtlinge betreut. Außerdem zwei Flüchtlinge - Atiq Asisi aus Afghanistan und Ahmad Ahmad aus Syrien. Der Afghane lebt seit zwei Jahren in Kiel und wartet immer noch auf eine Anhörung. Der Syrer Ahmad hat es erlebt, dass er fünf Monate auf eine Antwort von der Ausländerbehörde wartet. Und ebenfalls Gast in der Sendung: der zuständige Staatssekretär im Innenministerium, Torsten Geerdts. Der CDU-Politiker weiss, dass bürokratische Hürden bei der Integration gang und gäbe sind. Er will bis 2020 ein neues Integrationsgesetz auf die Beine stellen und eben diese Hemmnisse abbauen - auch für Arbeitgeber. Denn viele Flüchtlinge werden in Schleswig-Holstein dringend auf dem Arbeitsmarkt gebraucht.

"Die beiden rocken hier eine Radiosendung"

Insgesamt sei die Stimmung gegenüber den Flüchtlingen im Land absolut positiv, stellte Geerdts fest. Vorurteile und Ablehnung seien die Ausnahme. Von Ahmad Ahmad und Atiq Asisi, die in kurzer Zeit Deutsch gelernt haben, zeigte sich Innenstaatssekretär Geerdts begeistert: "Ich finde, die beiden, die heute hier waren - Ahmad und Atiq - haben bewiesen, was Integrationsleistung ist. Die sind seit zwei Jahren in der Bundesrepublik Deutschland, kamen mit null Sprachkenntnissen in deutscher Sprache hier an und rocken hier gerade eine ganze Radiosendung! Also, wenn man's will, dann kann man's schaffen, und darum bin ich total zuversichtlich, dass uns das gelingt".

Persönlicher Kontakt erleichtert Integration

Ob Integration gelingt oder nicht ist keine Frage gesetzlicher Regelungen, egal wie gut oder schlecht sie sind. Erfolgreiche Integration werde vor allem durch die Art und Weise des Zusammenlebens bestimmt, sagte jüngst der Vorsitzende der Akademie für ländliche Räume, Hermann-Josef Thoben, auf einer Veranstaltung in Flintbek. Erfreulich seien deshalb die Ergebnisse einer landesweiten Online-Befragung von Gemeinden, Ämtern und Kreisen. Danach gingen die Proteste gegen die Aufnahme von Flüchtlingen in den vergangenen Monaten deutlich zurück. An die Stelle seien vor allem in kleineren Gemeinden Offenheit und ein zum Teil herzliches Miteinander getreten, heißt es in der Studie.

Sprache und Bildung sind das "A und O" für erfolgreiche Integration

Egal, ob Vertreter von Verbänden, der Wirtschaft oder der Politik: Sie alle sind sich einig, dass Sprache und Bildung ein zentraler Schlüssel für die Integration ist. Doch diese Erkenntnis hilft den Flüchtlingen nicht, wenn sie an Veranstaltungen nicht teilnehmen können, weil diese zu weit von ihrem festgelegten Aufenthaltsort entfernt angeboten werden. Ein neuer Erlass des Innenministeriums verspricht da für Schleswig-Holstein Abhilfe. Generell ist jedoch der Handlungsspielraum des Landes recht begrenzt, denn:  Asyl- oder Ausländergesetze sind  Bundesrecht.

Weitere Informationen

Mehr Freiheiten für Asylbewerber auf Jobsuche

Bislang durften Asylbewerber ihren zugewiesenen Aufenthaltsort nicht wechseln. Dadurch hatten viele Probleme bei der Jobsuche. Mit einem Erlass des Innenministeriums soll sich das ändern. (28.7.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Zur Sache | 10.09.2017 | 18:05 Uhr

Podcast

Podcast: Zur Sache

Jeden Sonntag diskutieren Experten in der Sendung "Zur Sache" von 18 bis 20 Uhr über das Thema der Woche. Auch die Meinungen und Fragen der Hörerinnen und Hörer sind gefragt. mehr

Zur Sache: Die Themen im Überblick

Mitschnitte, Zusammenfassungen, Hintergrundberichte - alles zu den Sendungen "Zur Sache" zum Nachlesen und Nachhören. mehr