Sendedatum: 10.01.2016 18:05 Uhr

Zur Sache: Kampf dem Amtsdeutsch

Die Bürgerbeauftragte des Landes, Samiah El Samadoni, setzt sich für eine verständlichere Behördensprache ein.

Zusammengesetzte Fachwörter und verschachtelte Sätze: Wer von uns steht bei Behördenbriefen nicht hilflos da?

Mann schaut verzweifelt in einen Ordner © fotolia.com Fotograf: Robert Kneschke

Zur Sache: Kampf dem Amtsdeutsch

NDR 1 Welle Nord -

Wie kann man Amtssprache verbessern? Darüber diskutierten wir mit Ihnen in "Zur Sache" am Sonntag. Zu Gast im Studio war die Bürgerbeauftragte für soziale Angelegenheiten, Samiah El Samadoni.

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Fast 90 Prozent der Deutschen haben Schwierigkeiten mit dem Deutsch in den Amtsstuben. Was schwer verständlich ist, wird ungern gelesen - oder eben gar nicht. Und das hat schnell negative Folgen, für den Bürger wohlgemerkt, nicht für die Verwaltung. Insbesondere bei Bescheiden geht es meist ums Geld. Und wird dann nicht richtig reagiert, kann es schnell teuer werden.

Beschwerden nehmen zu

Immer häufiger wenden sich die Schleswig-Holsteiner an die Bürgerbeauftragte, weil sie Behörden-Briefe oder behördliche Entscheidungen sprachlich nicht verstehen. Besonders problematisch ist das bei Schreiben im Zusammenhang mit den Sozialgesetzen, wie beispielsweise Hartz IV. Denn dabei kann es im schlimmsten Fall um die wirtschaftliche Existenz der Menschen gehen.

Verwaltungssprache ist eine "Fachsprache"

Behördendeutsch gilt als eine eigene "Fachsprache", ähnlich wie das Mediziner-Deutsch. Verstanden wird sie vor allem von Verwaltungsmitarbeitern. Jedoch nicht von den Bürgern, die sie betreffen. Juristen sehen hier die Mitarbeiter der Verwaltungen in der Pflicht, den Bürgern juristische Vorgänge auch sprachlich verständlich zu machen. Das heißt, sie müssen sich an der Alltagssprache orientieren.

Und was wird zu Beamtendeutsch gezwitschert?

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Alltagssprache: Ein Muss

Wenn ein Text schwer zu verstehen ist, so liegt das meist nicht an dem Inhalt (WAS), sondern an der schwer verständlichen Ausdrucksweise (WIE). Ein paar Beispiele:

  1. Statt "Brauchen Sie eine größere Mülltonne" heißt es: "Sie haben kein zusätzliches Behältervolumen bestellt."

Oder

  1. Statt "Bitte rufen Sie uns an, damit wir einen Termin vereinbaren können" heißt es:  "Zwecks baldiger Terminierung bitten wir um Ihre Kontaktaufnahme".

Um solchen Stilblüten entgegen zu wirken, müssen Formulare dringend überarbeitet und Mitarbeiter der Verwaltungen geschult werden.

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Die deutsche Amtssprache birgt geheimnisvolle Worte, wissen Sie was "Spontanvegetation" ist? Diese Bildergalerie ist nicht nur auf der "Bedürfnisanstalt" (Toilette) unterhaltsam. Bildergalerie

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Zur Sache | 10.01.2016 | 18:05 Uhr

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Jeden Sonntag diskutieren Experten in der Sendung "Zur Sache" von 18 bis 20 Uhr über das Thema der Woche. Auch die Meinungen und Fragen der Hörerinnen und Hörer sind gefragt. mehr