Sendedatum: 29.01.2017 18:05 Uhr

Welche Werte braucht das Gesundheitswesen?

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Alena Buyx von der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel ist zu Gast im Studio.

Wenn wir krank sind und zum Arzt oder sogar ins Krankenhaus müssen, verlassen wir uns darauf, dass wir gut und richtig behandelt werden. In Zeiten der Gerätemedizin und der schnelllebigen Welt kommen wir Patienten als Menschen oftmals zu kurz. Sind wir nur ein "Versuchskaninchen" oder ein Objekt? Welche Rolle spielt der Mensch im heutigen Gesundheitswesen? Mit solchen und ähnlichen Fragen befasst sich die Medizinethik.

"Dem Tod keine Hindernisse in den Weg stellen"

Ob und wie wir Menschen von Ärzten behandelt werden, diese Entscheidung lässt sich nicht allein auf der Basis medizinischen Fachwissens fällen. Es geht vielmehr um die zentralen Fragen, was kann und was darf in der Medizin getan werden. Beispiel "Sterbehilfe": Das Verbot aktiver Sterbehilfe bedeute im Umkehrschluss nicht, dass das Sterben eines Menschen verlängert werden muss, sagt die Medizinethik-Professorin Alena Buyx von der Uni Kiel. "Ich wünsche mir, dass Ärzte mutiger handeln und dem Tod keine Hindernisse in den Weg stellen", so Alena Buyx. Als Beispiel nennt sie das Abschalten von Beatmungsgeräten oder  das Absetzten von Herzmedikamenten.

Chancen und Grenzen der Genmedizin

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Genom-Chirurgie soll nach Buyx nur dann angewendet werden, wenn damit schwere Erkrankungen vermieden werden können.

Die Gentechnik in der Medizin ist weiter fortgeschritten, als die meisten von uns wissen. So ist es heute bereits möglich, Abschnitte des Erbgutes aus Zellen zu entfernen und durch andere zu ersetzen. Diese "Genom-Chirurgie" bedeutet faktisch eine Manipulation der Zellen und damit nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. "Wir wollen keine 'Designerbabies', die blauäugig, hochintelligent und kerngesund sind", sagt die Professorin Alena Buyx. Die Genanalyse dürfe auch nicht als Grundlage dafür dienen, welches Leben "lebenswert" oder eben nicht "lebenswert" ist. Buyx befürwortet deshalb enge Grenzen für Gen-Chirurgie vor allem bei Embryonen. Hierüber dürfe nur nachgedacht werden, wenn das Ziel sei, sehr schwere Krankheiten zu vermeiden. Für genchirurgische Therapien muss aber nicht unbedingt das Erbgut des ungeborenen Lebens verändert werden. Prof. Alena Buyx: "Die Gen-Chirurgie bei Erwachsenen kann vielleicht zukünftig dazu beitragen, schwerste Erkrankungen zu heilen."

Maßstäbe für die Menschen

Moralische Vorstellungen und gesellschaftliche Maßstäbe ändern sich und damit auch die übergeordneten Werte für Ärzte und Patienten. Deshalb gibt es an der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel den Lehrstuhl für Medizin-Ethik. Dessen Leiterin, die Professorin Alena Buyx, diskutierte mit Moderatorin Michaela Aßmann in Zur Sache auf  NDR 1 Welle Nord über die aktuellen Fragen von Ethik in der Medizin.

Podcast Bild für die Sendung "Zur Sache". ©  Roman Gorielov/fotolia Fotograf:  Roman Gorielov

Bedeutung von Medizinethik im Gesundheitswesen

NDR 1 Welle Nord -

Alena Buyx, diskutierte mit Moderatorin Michaela Aßmann in "Zur Sache" über die aktuellen Fragen von Ethik in der Medizin. Hier gibt es die ganze Sendung zum Nachhören.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Zur Sache | 29.01.2017 | 18:05 Uhr

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