Sendedatum: 05.02.2017 18:05 Uhr

Steht die Fischerei in der Ostsee vor dem Aus?

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Rainer Froese vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung spricht als Experte im Studio.

Das Land zwischen den Meeren - es lebte und lebt nicht nur vom Tourismus. Jahrhunderte lang lebten und handelten die Menschen an den Küsten mit dem, was sie aus dem Meer holten. An der Ostsee verdienen die Fischer heute vor allem mit Dorsch ihr Geld. Er spielt neben Sprotte, Hering und Scholle die größte Rolle beim Umsatz der Fischer. Doch damit könnte bald endgültig Schluss sein. Treffen die Prognosen der Meeresforscher zu, wird es in ein paar Jahren keinen Dorsch mehr in der westlichen Ostsee geben.

Die Fischbestände drohen einzubrechen

Wo kein Fisch ist, braucht es keine Fischer - so könnte man das Fazit der Experten zusammenfassen. Nach Angaben des Internationalen Rates für Meeresforschung wird der Dorschbestand in der westlichen Ostsee seit Jahrzehnten massiv überfischt. Grund sind die von den Landwirtschaftsministern beschlossenen Fangquoten, die oft weit über den Empfehlungen der Experten liegen. Der Bestand sei inzwischen so gering, dass eine normale Nachwuchsproduktion gefährdet ist, sagt der Meeresforscher Rainer Froese vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Froese hatte gemeinsam mit anderen Experten deshalb vorgeschlagen, den kommerziellen Dorschfang und die Angelei für zwei Jahre gänzlich einzustellen.

Willi Lüdtke, Rainer Froese und Günter Koschwitz (v.l.) stehen im Studio für die "Zur Sache" Sendung. © NDR Fotograf: Sabrina Santoro

Stirbt der Dorsch in der westlichen Ostsee aus?

NDR 1 Welle Nord -

Laut Forschern findet eine Dorsch-Überfischung in der westlichen Ostsee statt. Experten haben über dieses Thema in unserer "Zur Sache" Sendung diskutiert. Hören Sie hier die ganze Sendung.

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Es herrscht Schonzeit statt Fangverbot

Trotz aller Argumente der Wissenschaftler: Ein generelles Fangverbot für Dorsch gibt es bislang nicht. Stattdessen einigten sich die Fischereiverbände und die Angler mit dem für Fischerei zuständigen Minister Robert Habeck auf eine Schonzeit für den Dorsch bis Ende März dieses Jahres. Doch auch diese Regelung wurde inzwischen aufgeweicht. Jetzt dürfen kleinere Kutter bis zu einer Tiefe von 20 Metern auch während der Laichzeit Dorsch fangen. Eine falsche Entscheidung, meint Froese.

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Der Dorsch ist - neben Sprotte, Hering und Scholle - nur ein Fisch, der das Einkommen der Fischer sichert. Doch reicht das als Alternative aus? Führen Quoten und Fangregeln möglicherweise dazu, dass Fischerei in der Ostsee keinen Sinn mehr ergeben? Froeses Vorschlag einer zweijährigen Fangpause von Dorschen kommt nicht allen Parteien entgegen. Fischer Günter Koschwitz aus Lübeck könne in dieser Zeit zwar auf andere Fischarten umsteigen und so sein Einkommen sichern, doch plädiert er dafür, dass sie EU, Bund, Länder und Kommunen nicht derartig in die Fischerei einmischen. Ein Vorzeigebeispiel wie es auch anderes funktionieren könne, sei die Trave. Hier hätten sich die Fischer untereinander geeinigt, Quoten festgelegt und keine Fischart sei vom Aussterben bedroht. Für Angelkuttenbesitzer Willi Lüdtke von Fehmarn sieht die Situation wiederum anders aus. Eine zweijährige Pause würde die komplette Existenz bedrohen. Während Fischer noch Aushilfen vom Staat erhalten würden, bekämen er und seine Kollegen keinerlei weitere finanzielle Unterstützung. Erst wenn für sie eine ähnliche Vorsorge eingerichtet würde, könne man über ein Fangverbot ernsthaft nachdenken.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Zur Sache | 05.02.2017 | 18:05 Uhr

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