Stand: 25.01.2016 08:13 Uhr

Anonymität im Netz: Kein Gesicht, keine Hemmungen

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In sozialen Netzwerken wie Facebook haben viele eine Plattform gefunden, Hass zu schüren.

Ist Anonymität im Netz Segen oder Fluch? Einerseits sinkt bei einigen Usern dadurch die Hemmschwelle, überhaupt mitzudiskutieren. Andererseits nutzen viele den Deckmantel eines Pseudonyms, um in Onlineforen und sozialen Netzwerken Hass und Hetze zu verbreiten - zurzeit meist gegen Flüchtlinge. Aber auch Politiker sind häufig Ziel der Shitstorms.

Von Notz: Stimmung kippt - online und im realen Leben

Ob sich etwas am rauen Ton im Netz ändern würde, wenn sich Nutzer nur unter ihrem richtigen Namen äußern dürften, ist nach Ansicht von Experten fraglich. "Es gibt eine Hetze im Netz, und ich bin der Auffassung, dass die im realen Leben auch vorhanden ist", sagt Konstantin von Notz, Bundestagsabgeordneter und netzpolitischer Sprecher der Grünen. "Man merkt in den letzten Wochen und Monaten: Die Stimmung kippt in der Gesellschaft insgesamt. Man erlebt auf der Straße und in Diskussionen im Freundeskreis, dass da doch manche Dinge aus den Fugen geraten sind. Und so gibt es das auch im Netz." Dass die Aufhebung der Anonymität helfen würde, um Kommentare im Netz zu mäßigen, bezweifelt von Notz sehr. "Ich würde sagen: Über 50 Prozent der Nutzer sind nicht auf Facebook, um an politischen Diskussionen teilzunehmen, sondern um sich mit ihren Freunden auszutauschen."

Trend bei vielen Netz-Themen positiv

Fiete Stegers, Online-Redakteur bei NDR.de, sieht die aufgeheizte Stimmung insbesondere beim Thema Flüchtlinge dafür verantwortlich, dass sich die Situation bei einigen Netz-Debatten so angespannt hat. "Insgesamt sehe ich es aber so, dass es bei der Kommunikation über Social Media und das Internet sehr viele kleine Themen gibt, bei denen sich positive Punkte bewegen."

Ein Mann blickt über einen aufgeklappten Laptop. © fotolia Fotograf: CHW

Zur Sache: Anonymität im Netz

NDR 1 Welle Nord - Zur Sache -

Ist Anonymität im Netz Segen oder Fluch? Darüber diskutierte Constantin Gill mit Experten in der Sendung "Zur Sache". Unter anderem ging es um den Einfluss einer möglichen Klarnamenpflicht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Zur Sache | 24.01.2016 | 18:05 Uhr

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