Sendedatum: 16.02.2016 21:40 Uhr

Neue Leitung des Plattdeutsch-Zentrums Holstein

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Thorsten Börnsen ist der neue Leiter des Plattdeutsch-Zentrums Holstein.

Der 47-jährige Plattschnacker Thorsten Börnsen hat im Interview mit NDR 1 Welle Nord-Reporterin Mechthild Mäsker im Lübecker Studio über seinen Beruf gesprochen. Als neuer Leiter des "Plattdeutsch-Zentrums Holstein"gestaltet er gern die plattdeutsche Kinder- und Jugendarbeit in den Grundschulen in Schleswig-Holstein.

Mechthild Mäsker: Thorsten Börnsen, Sie sind der neue Leiter des Zentrums für Niederdeutsch im Landesteil Holstein. Was genau muss man sich darunter vorstellen?

Thorsten Börnsen: Das Plattdeutsche Zentrum ist im Allgemeinen für alles, was sich mit Plattdeutsch im Raum Schleswig-Holstein befasst zuständig. Dabei ist der Raum Schleswig-Holstein von Hamburg bis an den Nord-Ostsee-Kanal bzw. die Eider zu sehen. Die Aufgaben hierbei befassen sich mit Lesungen, Organisieren von Konzerten und besonders die Begleitung von Schulen. In Schleswig-Holstein haben wir 29 Grundschulen, in denen Plattdeutsch ab der ersten Klasse unterrichtet wird. Ich besuche diese Schulen und spreche mit den Schülern dort auf Plattdeutsch.

Mäsker: Also sind Sie Lehrer von Beruf?

Börnsen: Nein, ich habe Geschichte, Religionswisschenschaft sowie Plattdeutsche Sprache und Literatur studiert.

Mäsker: Was ist der Reiz daran, sich den ganzen Tag mit der plattdeutschen Geschichte und Kultur zu befassen?

Börnsen: Ich habe bereits im Studium in Hamburg mit den Rundgängen auf Plattdeutsch begonnen. Und ab 2008 habe ich Führungen durch das Hamburger Rathaus auf Plattdeutsch gemacht, um festzustellen, dass das funktioniert die Menschen über Politik, Kultur und Kunst auf Plattdeutsch zu informieren. Und damals habe ich dann auch einen kleinen Stadtführer auf Plattdeutsch geschrieben: „Hamburg op Platt“. In Niedersachsen habe ich vor 5 Jahren den Bandwettbewerb „Plattsounds“ gestartet, bei dem junge Musiker zwischen 15 und 30 Jahren teilnehmen und so die Plattdeutsche Jugendkultur auf Grundlage der Musik prägen. 2013 habe ich die letzten zwei Jahre im Lüneburgischen Landschaftsverband (Organ für regionale Kulturpflege) als Referent für Plattdeutsch gearbeitet.

Mäsker: Aber aufgewachsen sind Sie mit Plattdeutsch auf dem Land bei Schleswig? Wo genau dort?

Börnsen: Geboren wurde ich in Schleswig und aufgewachsen bin ich in Schuby. Aber gesprochen haben wir Plattdeutsch und Hochdeutsch zu Hause.

Mäsker: Hat Ihre Familie dann auch auf dem Bauernhof gelebt? Man sagt ja, dass die Bauern oft Plattdeutsch sprechen.

Börnsen: Ich war oft auf dem Bauernhof, da meine Eltern beide vom Bauernhof kommen. Und mein Vater ist sogar Landmaschinenverkäufer gewesen.

Mäsker: Und dann ist es ja auch am besten, wenn man mit den Bauern und den Menschen von den Bauernhöfen auf Plattdeutsch spricht. Zum Beispiel wenn man eine Maschine kaufen möchte oder einen Vertrag aushandeln muss, dann lässt sich das wohl am Leichtesten auf Plattdeutsch bewerkstelligen.

Börnsen (lacht): Das war gar nicht anders möglich. Das wäre unvorstellbar gewesen, wenn dort auf dem Hof einer Hochdeutsch gesprochen hätte. Dem hätte, glaube ich, niemand etwas abgekauft.

Mäsker: Haben Sie Geschwister oder sind sie Einzelkind?

Börnsen: Ich habe einen Bruder, der elf Jahre älter ist und hier in Lübeck Polizist ist.

Mäsker: Der kann dann auf Streife mit bösen Jungen auf Plattdeutsch besser schimpfen, oder spricht er kein Plattdeutsch?

Börnsen: Doch, der kann auch Plattdeutsch. Und ich glaube, dass er das sogar auch manchmal macht. Gerade mit älteren Menschen auf Plattdeutsch sprechen, klappt besonders gut.

Mäsker: Ist das eine große Hilfe, wenn man mit der Familie und den Kindern Plattdeutsch im Alltag spricht, um die Sprache lebendig zu halten?

Börnsen: Auf jeden Fall. Da das Plattdeutsche nun auch mein Beruf schon seit längerer Zeit ist, spreche ich vorher erstmal mit allen Menschen auf Plattdeutsch. Und wenn das funktioniert, mache ich weiter, wenn sie mich nicht verstehen, kann ich notfalls auch Hochdeutsch sprechen. Aber wenn sie mich verstehen und trotzdem auf Hochdeutsch antworten, dann bleibe ich beim Plattdeutsch und versuche die Kommunikation so zu führen.

Mäsker: Wie sind denn Ihre Erfahrungen? Sind die Menschen erstmal irritiert oder wie sind ihre Reaktionen?

Börnsen: Komplett unterschiedlich. Auf dem Land, besonders in Mölln habe ich bisher noch überhaupt keine Probleme gehabt, weil sie mich praktisch alle verstehen. Einige freuen sich und ich bekomme sogar plattdeutsche Antworten. Und andere schauen ein bisschen irritiert, besonders, wenn ich an der Supermarkt-Kasse mit der Kassiererin Plattdeutsch spreche. Aber ich denke, dass wir als Plattdeutsch-Sprecher einen kleinen Exoten-Bonus haben.

Mäsker: Welches Projekt steht nun als nächstes an?

Börnsen: Erstmal mit dem Büro und der Bibliothek umziehen. Ein Termin ist das Plattdeutsche Autorentreffen im Mai, welches jedes Jahr stattfindet. Und meinen Vorgänger Volker Holm unterstütze ich bei der Organisation.

Mäsker: Ich wünsche Ihnen dabei ganz viel Spaß und Erfolg und wir sind gespannt auf die nächsten Projekte. Vielen Dank Herr Börnsen.

Das Interview führte Mechthild Mäsker.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 16.02.2016 | 21:40 Uhr

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