Stand: 02.02.2016 15:06 Uhr

Selbstgespräche: Sind wir etwa alle verrückt?

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Selbstgespräche am Arbeitsplatz sind keine Seltenheit und fördern sogar die Konzentration.

Wenn Sie zwischendurch mal durchs Büro gehen, dann hören Sie es überall leise sabbeln und murmeln - gerade am Arbeitsplatz führen viele von uns gern einmal Selbstgespräche. Es soll bekanntlich helfen, sich besser zu konzentrieren, daher sind Selbstgespräche bei der Arbeit gar nicht verkehrt. Therapeut Dirk Schippel aus Lübeck klärt auf, warum wir überhaupt mit uns selbst reden. "Das machen wir speziell, um uns selbst zu beruhigen, wenn wir in Stress geraten oder etwas schnell gehen muss. Auch hilft es, Emotionen herauszulassen, als Ventil sozusagen."

Selbstgespräche gezielt einsetzen

Diese kleinen Plappereien macht man eher unbewusst. Man kann Selbstgespräche aber auch ganz bewusst einsetzen, zum Beispiel, um in stressigen Situationen cool zu bleiben. Das ist dann allerdings etwas für Fortgeschrittene, denn dafür muss man über sich selbst in der dritten Person sprechen: "Ich spreche da nicht zu mir selbst und sage: 'Ich bin nervös'. Sondern ich sage zum Beispiel: 'Thomas ist nervös'. Das heißt, ich bin nicht völlig mit dem Gefühl verbunden, sondern ich versuche, durch die sprachliche Distanz und dadurch, dass ich mich als Beobachter sehe, eine Distanz aufzubauen. Und wir wissen aus vielen Studien, dass dieser Effekt noch mehr Auswirkung auf die Selbstberuhigung hat."

Psychohygiene als neue Unternehmenskultur

Wer jedoch gerade im Büro anfängt, wilde Konversationen mit sich selbst zu führen, der kann mit schiefen Blicken der Kollegen rechnen. Das ist auch für Dirk Schippel nicht ungewöhnlich: "Das wirkt ein bisschen komisch oder vielleicht auch ganz stark komisch, aber letztendlich ist das eine Form der Psychohygiene, die uns extrem gut tut. Also wäre eher die Frage, ob wir nicht eine Kultur schaffen müssen, eine Unternehmenskultur, wo Menschen auch so mit sich sprechen können. Selbstgespräche tun uns richtig gut."

Erfahren Sie hier, welcher Selbstgespräche-Typ Sie oder Ihre Kollegen sind

  • Der Kommentator

    Der Kommentator hat zu allem etwas zu sagen. Egal ob er gerade über einer Tabellenkalkulation brütet oder seine To-Do-Liste durchgeht - alles wird kommentiert. Besonders unter Zeitdruck hat der Kommentator viel zu vermelden - und alle Kollegen sind auch ohne Nachfragen bestens darüber informiert, was er gerade macht. Ein paar Ohrenstöpsel können hier hilfreich sein.

  • Der Brummler

    Der Brummler hat im Gegensatz zum Kommentator eine sehr beruhigende Wirkung auf seine Umwelt. Meist nuschelt er unverständlich vor sich hin und seine Kollegen nehmen nur ein monotones und leises Brummen oder Summen wahr. Wichtig ist hier, den Brummler nie zu stören. Das könnte ihn aus seiner Konzentration reißen und zu großen Verwirrungen führen.

  • Der Zerfleischer

    Der Zerfleischer wirft mit Selbstbeleidigungen nur so um sich. Bei den kleinsten Unstimmigkeiten oder Fehlern geht er mit sich selbst gnadenlos ins Gericht und beschimpft sich selbst. Das kann sich häufig negativ auf die Stimmung im Büro auswirken. Auch hier gilt: Bloß nicht stören. Alle betroffenen Kollegen sollten sich lieber leise verkrümeln und diese Monologe zum Anlass für eine Kaffeepause nehmen.

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