Stand: 30.05.2017 07:02 Uhr

E-Auto: Heute schon gut oder noch Zukunftsmusik?

Wie gut ist Schleswig-Holstein für die Zukunft des Autofahrens gerüstet? Autofahren mit Strom statt mit Diesel oder Benzin - das scheint die Zukunft zu sein. Aber funktioniert das auch jetzt schon richtig gut? Ist das E-Auto bereits eine praktische Variante und das Auto der Zukunft bei uns im Land? Der Landeskoordinator für Elektromobilität in Schleswig-Holstein, Jens Sandmeier, hat darauf Antworten.

Die Elektromobilität könnte die Zukunft sein. Fängt die Zukunft auch schon vor Ihrem Büro an? Haben Sie eine Ladestation vor der Tür?

Jens Sandmeier: Wir haben eine Ladesäule in Kiel in unserer Tiefgarage, damit wir unser eigenes E-Fahrzeug laden können. Und darüber hinaus gibt es in Kiel auch in unmittelbarer Nähe zunehmend immer mehr Ladestationen.

Der Aufbau eines verlässlichen Netzes an Stromtankstellen im Land ist ja tatsächlich eine der großen Herausforderungen. Wie viele Stromtankstellen gibt es im Moment bei uns im Land und wie schnell geht der Ausbau voran?

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Auf Internetseiten kann man sich über die Verfügbarkeit von Stromtankstellen informieren.

Sandmeier: Genau sagen kann man das mit der Schnelligkeit des Ausbaus tagesaktuell nicht, weil immer mehr private Investoren und private Institutionen investieren. Das heißt, Hotels und Kaufhäuser bauen Lade-Infrastruktur auf und melden das nicht hier im Land. Es gibt beim Bund eine Stelle, aber das wird nicht tagesaktuell veröffentlicht. Einen genauen Überblick, wie viele Ladesäulen es jetzt genau in Schleswig-Holstein gibt, kann ich nicht geben. Es sind schon einige Hundert in der Summe. Es gibt aber Onlineportale, die diese Daten sammeln. Beispielsweise www.lemnet.org ist eine nutzergepflegte Übersichtskarte, wo man sich einfach mal anschauen kann: Was ist bei mir in der Region eigentlich los? Wo gibt es da schon was? Das sind zum Teil Autohäuser, Hotels und öffentliche Einrichtungen, die Ladesäulen haben. Das kann man da alles einsehen.

Zur Frage nach der nächsten Ladestation gehört ja auch die Frage nach den Reichweiten. Diese sind noch sehr unterschiedlich. Zwischen 100 und 300 Kilometern ist alles mit dabei. Wann erwarten Sie den großen Durchbruch bei den Herstellern?

Sandmeier: Zunächst kann man jetzt erwarten, dass sich die Reichweiten um und bei 300 Kilometern etablieren werden in den nächsten Monaten. Und wenn man bedenkt, dass die durchschnittliche Fahrleistung eines Pkw in Deutschland bei 50 Kilometern liegt, können viele Fahrprofile schon durch E-Mobile abgewickelt werden. Darüber hinaus ist das alles Zukunftsmusik. Welche Fahrzeuge dann zukünftig rauskommen werden, mit noch mehr Reichweite, das kann man noch nicht genau sagen.

Parkplatzmarkierung an einer Solartankstelle © NDR Online Fotograf: Jens Otto

Ist SH bereit für die Zukunft des Autofahrens?

NDR 1 Welle Nord - Der Nachmittag -

Im Telefongespräch mit Jens Sandmeier, dem Landeskoordinator für E-Mobilität in Schleswig-Holstein, spricht Pascal Hillgruber über Status und Zukunft von E-Autos. Es ist noch Luft nach oben.

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In der Vergangenheit konnte man das Gefühl bekommen, dass der Auto-Branche das Thema E-Mobilität nicht gerade unter den Nägeln brennt. Hat sich das verändert, geht es jetzt mit Vollgas voran?

Sandmeier: Dem Eindruck kann man sich nicht widersetzen, dass die Fahrzeugindustrie ihre herkömmlichen Verbrennerfahrzeuge verkaufen will. Nichtsdestotrotz bekommen wir eine große Dynamik in den Markt hinein. Das ist ja nicht zwangsläufig immer nur aus Deutschland getrieben, sondern auch im internationalen Kontext gibt es Hersteller, die Fahrzeuge am Markt etabliert haben. Wir haben in Asien einen riesengroßen Druck, weil wir dort einfach Emissionsprobleme haben, wie wir sie uns hier kaum vorstellen können - aus den Megacities, die wortwörtlich im Verkehr ersticken. Und aus diesen Feldern kommt natürlich auch ein Riesendruck auf die deutschen Hersteller. Das wird der Druck sein, der letztlich wahrscheinlich dafür sorgen wird, dass sich die E-Mobilität auch in Deutschland gut durchsetzt.

Am Ende fällt für viele von uns die Kaufentscheidung auch mit dem Preis. Die E-Autos sind noch vergleichsweise teuer in der Anschaffung. Rechnet sich das trotzdem jetzt schon?

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Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre Regierung haben ein Ziel: 1 Million E-Autos bis 2020.

Sandmeier: Da muss man sich ganz genau anschauen, welches Fahrprofil man hat. Das heißt: Welche Strecken lege ich täglich zurück. Und wenn ich eine bestimmte Laufleistung pro Jahr habe, vielleicht viele kurze Strecken pro Tag fahre, dann ist es durchaus möglich, dass sich ein E-Fahrzeug auch schon heute rechnet. Das ist aber vom Einzelfall abhängig. Darüber hinaus haben wir zwar die höheren Anschaffungskosten, aber es gibt eine Kfz-Steuer-Befreiung und den Umweltbonus. Letztlich sind auch die laufenden Kosten, wie beispielsweise eine Inspektion oder Wartungsarbeiten am Fahrzeug, auf mittlere Sicht viel günstiger als bei einem Verbrenner. Außerdem sind elektrische Antriebe einfach besser, weil sie Bremsenergie nutzen können, die wir bei den Verbrennerfahrzeugen gar nicht nutzen, weil sie emissionsärmer unterwegs sind und erneuerbare Energien nutzen, von denen wir in Schleswig-Holstein ja einige haben.

Die Bundesregierung hat das ehrgeizige Ziel formuliert: 1 Million E-Autos bis 2020. Schleswig-Holstein ist ja in Sachen erneuerbarer Energien vorne mit dabei, werden wir das auch bei den E-Autos sein?

Sandmeier: Wir sind schon ganz gut dabei. Wenn wir uns die Bevölkerungszahl anschauen und die zugelassenen Fahrzeuge dann auf die Einwohnerzahl umrechnen, dann passt das schon ganz gut. Wir haben zur Zeit mehr als tausend rein batterie-elektrische Fahrzeuge in Schleswig-Holstein dazu gewonnen in den letzten Jahren. Ich bin ganz zuversichtlich, dass es da auch noch weiter nach oben gehen wird. Wir sind ganz gut dabei, aber insgesamt könnte Elektromobilität schon deutlich weiter sein.

Vielen Dank für das Gespräch.

Sandmeier: Sehr gern.

Das Interview führte Pascal Hillgruber, NDR 1 Welle Nord.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Der Nachmittag | 29.05.2017 | 16:16 Uhr

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