Stand: 10.09.2017 00:01 Uhr

Karl Lagerfeld - Das große Rätsel um sein Alter

von Oliver Klebb, NDR.de

Um sein tatsächliches Alter macht der in Hamburg geborene Star-Designer Karl Lagerfeld, der Anfang der 80er-Jahre die kreative Leitung des Pariser Modekonzerns Chanel übernahm, ein Geheimnis. Er selbst behauptet - neueren Angaben zufolge - im Jahr 1935 geboren zu sein. Damit ist er quasi über Nacht um drei Jahre gealtert, hatte er doch zuvor standhaft verkündet, Jahrgang 1938 zu sein. Die Erklärung für die "buchhalterischen Unstimmigkeiten" ist natürlich so genial einfach wie Lagerfelds Entwürfe: Mutti sei schuld. Die habe einfach auf offiziellen Dokumenten ein wenig Zahlenkorrektur betrieben, so Lagerfeld.

Von Hamburg in die Pariser Modewelt

Schon anlässlich früherer vermeintlich runder Geburtstage war in der Presse zu lesen, dass der Modekönig bereits im Jahr 1933 das Licht der Welt erblickt haben soll - diese "investigativen" Berichte stützten sich auf einen Taufregisterauszug. Um die verwirrende, fast schon satirisch anmutende Zahlenjonglage abzukürzen: Einigkeit herrscht über den Tag seiner Geburt, es ist ein 10. September gewesen. Aber eine echte Diva fragt man eben niemals nach dem Alter. Es ändert ohnehin nichts daran, dass Lagerfeld zu den Erfolgreichsten seiner Zunft gehört. Der längst vollständig ergraute Zopf ist neben der Sonnenbrille zum Markenzeichen des Modemachers geworden. Den Fächer hat er inzwischen als Accessoire abgelegt, sein Leben lang geblieben ist das nasale Hamburgisch des hanseatischen Kaufmannssohnes.

Stilikone mit vielen Geheimnissen

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Zopf und dunkle Brille sind die Markenzeichen von Karl Lagerfeld. Er liebt die Anzüge seines Designer-Kollegen Hedi Slimane von Dior.

Nicht nur seine Haute-Couture-Kreationen für die Laufstege weltweiter Modenschauen sind stilprägend, auch Lagerfeld selbst ist ein Trendsetter: Damit ihm die Anzüge seines Designer-Kollegen Hedi Slimane passen, nimmt er in den Jahren 2000 und 2001 in nur 13 Monaten fast 40 Kilo ab - und auch heute stehen für seine fast jungenhaft wirkende Figur täglich gedünsteter Fisch und Magermilch-Joghurt auf dem Speiseplan. Nicht jeder Fernsehmoderator kann dem eloquenten Designer auf Anhieb folgen, wenn er bei Interviews mit dem Sprachduktus eines Schnellfeuergewehrs überraschende Antworten gibt. Das Schnellsprechen habe ihm seine Mutter Elisabeth beigebracht, die ihn gebeten habe, seine langweiligen Geschichten möglichst rasch zu erzählen, antwortet der Modedesigner auf Nachfragen. Um sein Privatleben ranken sich Gerüchte: Lagerfeld offenbart der Öffentlichkeit, mit Jacques de Bascher, der 1989 an Aids verstarb, eine platonische Beziehung geführt zu haben. Ob es heute eine Person an seiner Seite gibt, bleibt sein Geheimnis.

Sohn aus betuchtem Haus

Karl Lagerfeld kommt in den 30er-Jahren als Sohn eines reichen Hamburger Dosenmilch-Fabrikanten zur Welt. Um den Flächenbombardements der Hansestadt zu entgehen, zieht die Familie 1944 gegen Ende des Zweiten Weltkriegs auf das Landgut Bissenmoor bei Bad Bramstedt. Dort besucht der sprachbegabte Lagerfeld eine öffentliche Schule, bis er Anfang der 50er-Jahre nach Hamburg zurückkehrt. Im Jahr 1953 geht er zusammen mit seiner Mutter nach Paris. Dort beendet er seine Schulausbildung an der Privatschule Lycée Montaigne.

Talentwettbewerb öffnet Tür zur Modewelt

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Erste Auszeichnung im Jahr 1954: Mit dem Entwurf eines Wollmantels gewinnt Lagerfeld einen internationalen Modewettbewerb.

Im Jahr 1954 nimmt er mit einem selbst entworfenen Wollmantel an einem internationalen Designwettbewerb teil. Mit dem ersten Platz öffnet sich Lagerfeld die Tür zur Pariser Modewelt. Der renommierte Pierre Balmain stellt den jungen Designer als Assistenten ein und nimmt Lagerfelds Entwurf in seine Kollektion auf. Es folgen Stationen bei berühmten Modehäusern wie Jean Patou, Valentino, Krizia oder Fendi, teilweise arbeitet er als Freiberufler. Bevor er 1983 die Leitung des traditionsreichen Modehauses Chanel übernimmt, das zu diesem Zeitpunkt eher den Schick älterer Damen verkörpert, sorgt er mit Kollektionen für Chloé und Deco weltweit für Aufsehen. Seit 1984 verkauft der Designer auch Parfüms und Mode unter seinem eigenen Namen. Doch nicht nur für den großen Geldbeutel entwirft Lagerfeld Mode: Auch bei einer schwedischen Kaufhauskette und bei einem deutschen Versandhaus heuert er an.

Entdecker von Claudia Schiffer und Baptiste Giabiconi

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Der Meister und seine männliche Muse: Karl Lagerfeld zeigt sich mit seiner Entdeckung Baptiste Giabiconi bei einem Besuch in Berlin.

Lagerfeld gilt als Arbeitstier. Mit preußischer Disziplin nutzt er auch die Nacht für seine Entwürfe und stillt mit unzähligen Büchern seinen Wissensdurst. Sich selbst charakterisiert der Modepapst als Egoisten: "Ich interessiere mich nur für mich selbst und mein Spiegelbild", gibt Lagerfeld in einem Interview zu. Und auch eine gewisse Schnelllebigkeit ist bei dem Designer zu beobachten: Was er heute entworfen und kreiert hat, langweilt ihn am nächsten Tag zu Tode. So ist für Lagerfeld der Papierkorb das wichtigste Möbelstück. Zu spüren bekommen das auch seine Mitarbeiter und Models: Hält er ihre Arbeit oder ihre Gesichter für überholt, sucht er ohne Rücksicht nach etwas Neuem. Diese Erfahrung muss auch Supermodel Claudia Schiffer machen, die Lagerfeld 1990 als Gesicht für Chanel entdeckt. Mit seiner blonden Muse aus Deutschland beendet er abrupt die Zusammenarbeit, bis er sie 2007 für seine Arbeit wiederentdeckt. Als männliche Muse gilt seit 2009 Model Baptiste Giabiconi, mit dem er sich häufig in der Öffentlichkeit zeigt.

Kreatives Multitalent - Designer, Fotograf und Verleger

Karl Lagerfelds Schaffen beschränkt sich nicht nur auf das Design von Kleidung und Parfüms. Als begnadeter Porträtfotograf - ein Fototermin im Haus des Gruselrockers Marilyn Manson ängstigt ihn ein wenig - sowie als Kostümbildner für Theater und Oper sorgt er ebenfalls für Furore. Ein origineller Coup gelingt ihm mit einem Steiff-Teddy, der seinen maßgeschneiderten Anzug in Miniatur-Konfektion und eine schwarze Sonnenbrille trägt. Neben der Mode sind Bücher Lagerfelds große Leidenschaft: Unter dem Namen 7L unterhält Lagerfeld einen Buchladen und einen Verlag in Paris. Zusammen mit dem deutschen Verleger Gerhard Steidl gründet er zudem 2010 die Lagerfeld Steidl Druckerei (LSD), dessen Verlagschef der Modezar ist.

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Talk mit Modedesigner Karl Lagerfeld (18.06.1993)

NDR Talk Show classics -

Am 18. Juni 1993 war Modedesigner Karl Lagerfeld in der NDR Talk Show und erzählte von seinem Leben in Paris.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Talk Show classics | 12.08.2017 | 01:10 Uhr

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