Stand: 02.02.2017 00:01 Uhr

Karl Dall - Ein knorriger Komiker

von Stefanie Grossmann, Nicola Millies

Der "Spiegel" hat ihn mal den "Zyklop im Weichteil-Paradies" getauft. Und niemand weiß genau, ob Karl Dall sich durch solche Spitznamen verletzt oder geadelt fühlt. Fest steht: Der Wahl-Hamburger ist ein Lästermaul. Fest steht zudem: Er polarisiert - auch wenn er mittlerweile etwas leisere Töne anschlägt.

Ich will da mal ein Auge zudrücken ...

Als Karl Bernhard Dall am 1. Februar 1941 in Emden das Licht der Welt erblickt, tut er das bereits nur mit dem linken Auge. Das rechte bleibt drei Jahre verschlossen und wird danach zu seinem markantesten Kennzeichen. Bevor Karl Dall aber sein humoristisches Talent entdeckt, lernt der Sohn eines Schuldirektors und einer Lehrerin erst einmal Schriftsetzer bei der "Ostfriesen-Zeitung" in Leer. Von dort zieht es ihn in den 60er-Jahren in die Welt - oder zumindest nach West-Berlin.

Lebenswerk als Blödelbarde und Telefonschreck

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Mit "Insterburg & Co." wird Karl Dall (l.) bekannt. Außerdem dabei: Peter Ehlebracht, Ingo Insterburg und Jürgen Barz (v.l.n.r.).

Mit Gelegenheitsjobs verdient sich Dall in den 60ern seinen Lebensunterhalt, trifft irgendwann auf Ingo Insterburg. Gemeinsam mit Peter Ehlebracht und Jürgen Barz treten die vier ab 1967 als "Insterburg & Co." auf. Das Quartett spielt auf - meist von Ingo Insterburg selbst gebauten - Instrumenten und singt dazu Blödel-Lieder. Der Endlossong "Ich liebte ein Mädchen" klingt den Fans auch heute noch in den Ohren. Zwölf Jahre können die kuriosen Typen ihren Erfolg genießen, dann ist die Luft raus und man trennt sich. Karl Dall versucht sich als Solist.

1984 wird das Fernsehen auf ihn aufmerksam. Zusammen mit Paola und Kurt Felix legt er als Spaßvogel und Telefonschreck in "Verstehen Sie Spaß?" nichts ahnende Opfer herein, bekommt 1985 eine eigene Talkshow bei RTL. Sieben Jahre nimmt er sich prominente Gäste zur Brust. Wer ihm Paroli bietet, hat die Lacher auf seiner Seite. Wer nur ein Buch, eine Platte promoten will, hat schlechte Karten. Zum Eklat kommt es nicht selten. Zum Beispiel verlässt Roland Kaiser die Sendung, nachdem Dall ihn mit den Worten "Na, sing schon mal, damit wir es hinter uns haben" anmoderiert. Dem Gastgeber ist es egal, wie er bei den Gästen ankommt. Seine rotzige und zynische Art wird vom Publikum geliebt und sein Lebenswerk 1999 mit dem Comedypreis geehrt.

Hinter jedem erfolgreichen Mann ...

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Die Damen seines Herzens: Ehefrau Barbara - seit 40 Jahren an seiner Seite - und Tochter Janina, Stuntfrau in Kanada.

Privat mag Dall es solide: Seit 40 Jahren gehört sein Herz Ehefrau Barbara. Er sagt, er wäre nichts ohne sie. Sie sagt auf die Frage, was schlimmer als ein Leben mit Karl Dall sei: zwei Leben mit ihm. Zu Hause ist der Entertainer nicht mehr das Lästermaul. Da ist er sanft und kommt zur Ruhe. Regelmäßig nimmt sich das Ehepaar Auszeiten, fährt an die Nordsee oder zur Familien-Mühle in Emden. Und so oft es geht, findet man die Dalls in Kanada. Nicht zur Bärenjagd, sondern zu Besuch bei Tochter Janina. Die bildhübsche Stuntfrau lebt dort zusammen mit ihrem Ehemann - 2007 macht sie ihren berühmten Vater zum Opa von Enkeltochter Nelina. Schon längst haben sich die Damen um Karl Dall damit abgefunden, dass er manchmal eine recht frauenfeindliche Art hat. "Pointe geht vor Familie", so erklärt er.

Karl Dall findet seine Paraderolle

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"Dieser Opa ist ein Hit." Die Hamburger Presse feiert Karl Dall nach der Premiere des Solo-Stücks "Der Opa".

Aber nicht nur im richtigen Leben ist Dall Großvater, auch auf der Bühne schlüpft der Entertainer 2012 in "Der Opa" in "die Rolle seines Lebens", wie er selbst sagt. In dem Solo-Stück des Isländers Bjarni Haukur Thorsson setzt er sich mit dem Alterungsprozess auseinander und macht sich natürlich auch mit der Endlichkeit des Daseins vertraut. Angst vor dem Tod hat Dall keine, trotzdem er die 70 längst überschritten hat. Auf der Bühne sterben wolle er allerdings auch nicht.

Prozess droht Karriere zu zerstören

Ende 2013 steht die lange Karriere von Karl Dall beinahe vor dem Aus. Wegen eines Vergewaltigungsvorwurfs sitzt er vier Tage im schweizerischen St. Gallen in Untersuchungshaft. Knapp ein Jahr später findet vor einem Bezirksgericht in Zürich die Verhandlung statt. Der Prozess endet mit einem Freispruch für Karl Dall. "Zuerst spürte ich pure Erleichterung, dann kam Genugtuung hinzu", sagt der Entertainer damals der "Bild". Seit dem Vergewaltigungsvorwurf sei er 13 Monate durch die Hölle gegangen. Dall sei froh, dass es der Klägerin nicht gelungen sei, seine Karriere zu zerstören. "Das hätte ich wohl nicht verkraftet."

Mittlerweile lässt Karl Dall es etwas ruhiger angehen. Nach fast 50 Jahren auf deutschen Bühnen habe er sich nun von diesen verabschiedet, schreibt er auf seiner Website. Zur Ruhe werde er sich aber nicht setzen: "Es gibt genügend Sachen die ich noch bewältigen möchte, wie zum Beispiel schreiben, filmen oder auch mal auf einer Gala erscheinen."

Dieses Thema im Programm:

Mein Nachmittag | 01.02.2017 | 16:20 Uhr

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