Stand: 14.06.2016 16:59 Uhr

Jan Delay - Rapper, Chef-Styler, Rocker

Anzug-Träger, markante Quengelstimme, Hip-Hop-Soul-Funk-Rock-undnochvielesmehr-Sänger - die Rede ist von Jan Delay. Mittlerweile gehört er zu Norddeutschlands bekanntesten Acts, und das wohl nicht zu Unrecht, schließlich lebt er die Musik seit vielen Jahren mit Haut und Haaren. Und Hut.

Jan Delay - Stationen seiner Laufbahn

Rap und Hip-Hop - das Maß aller Dinge

Am 20. Februar 1976 in Hamburg geboren, wühlt er sich bald durch die Plattensammlung seiner Eltern. Zumindest entdeckt der kleine Jan-Philipp, Nachname Eißfeldt, schon im Alter von fünf, sechs Jahren musikalische Perlen - unter anderem von Bob Marley, Nina Hagen und Udo Lindenberg. Die Platten sollen seinen späteren Weg merklich beeinflussen. Doch zunächst bringt ein Auftritt der Rapper Run DMC in der Sendung "Formel 1" Eißfeldt auf den Trichter, dass Rap und Hip-Hop das Maß aller Dinge sind. Als er Ende der 80er-Jahre zusammen mit einem Freund ein Underground-Hip-Hop-Magazin veröffentlicht, ist das in Sachen Musik wohl das erste offizielle Lebenszeichen des späteren Chartstürmers.

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Run DMC hatten in den 80er-Jahren großen Einfluss auf Delay.

Hip-Hop ist zu dieser Zeit in Deutschland groß im Kommen, und 1991 gründet Eißfeldt mit seinen Kumpels Denyo und DJ Mad die Band Absolute Beginners. Einige Zeit nach der Gründung beschließt Eißfeldt, ausschließlich auf Deutsch zu rappen, was wohl unter anderem den deutschsprachigen Musik-Einflüssen seiner Kindheit zuzuschreiben ist. Auch der Bandname ändert sich und wird eingedeutscht zu Absolute Beginner. Die Truppe veröffentlicht in den Jahren danach einige Aufnahmen, auf denen zunehmend szeneübergreifende Musikstile hörbar sind, bis man schließlich bei einem Gemisch irgendwo zwischen Hip-Hop, Bossa Nova und Dub landet.

Davon nach einiger Zeit selbst angeödet, besinnen sich Absolute Beginner Ende der 90er auf ihre Wurzeln und legen mit "Bambule" Album Nummer zwei vor, das sich einerseits wieder auf traditionelle Elemente des Hip-Hop beschränkt und andererseits in den Charts einschlägt wie eine Bombe. Ein neuerlicher Boom des Hip-Hop in Deutschland dürfte daran nicht ganz unschuldig sein.

Missgunst der Hip-Hop-Szene

Allerdings blickt Jan Delay, wie er sich nun nennt, in dieser Zeit auch schon wieder über den Tellerrand hinaus: Auf Bitten Herbert Grönemeyers macht er bei dessen Projekt "Pop 2000" mit und nimmt eine Reggae-Version von Nenas Klassiker "Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann" auf. Der Stilbruch und der damit zusammenhängende Erfolg sorgt dafür, dass Delay aus der Hip-Hop-Szene eine gewisse Missgunst entgegenschlägt, was ihn wiederum dazu bewegt, von der ganzen Bewegung Abstand zu nehmen - komplett lossagen kann er sich von seinen musikalischen Wurzeln vermutlich ohnehin nicht. Zeichen dieser zumindest partiellen Abgrenzung ist zunächst ein reines Reggae/Soul-Album in deutscher Sprache, das unter dem Namen "Searching For The Jan Soul Rebels" im Jahr 2001 für Furore sorgt und weiteren Erfolg in den Charts bringt. 2003 ist es dann aber schon wieder Zeit für ein weiteres Album seiner mittlerweile auf den Namen Beginner gekürzten ersten Band, was ebenfalls von Erfolg gekrönt ist.

Der Kreis schließt sich

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Delay vereint mit Udo Lindenberg (links) und Nina Hagen, seinen frühen Idolen.

Die Solokarriere Delays ist mittlerweile jedoch merklich in den Vordergrund gerückt. Parallel zu einer steigenden Live-Präsenz und TV-Auftritten kommt 2006 das zweite Album in die Läden. Auf "Mercedes-Dance" sind die Reggae-Einflüsse und kritischen Texte des ersten Albums ad acta gelegt, Delay findet sichtlich Gefallen an tanzbarer Partymucke ohne Weltverbesserungsanspruch. Heraus kommt dabei eine immer noch auf Hip-Hop basierende Mischung aus Funk und Soul, die wieder mal die Spitze der Charts erklimmt. Das scheint Delay wohl eine angemessene Basis zu sein, um weiterzumachen: Nach einer Kooperation mit Udo Lindenberg auf dessen Album "Stark wie zwei" erscheint 2009 sein drittes Soloalbum mit dem Titel "Wir Kinder vom Bahnhof Soul". Und bei diesem Album schließt sich der Kreis zu Delays ganz frühen Einflüssen wie Udo Lindenberg und Nina Hagen - deren musikalische Eigenheiten werden nämlich deutlicher als jemals zuvor in Musik und Style integriert.

Weiterentwicklung und Rückbesinnung

Überhaupt ist das Album laut dem "Chef-Styler" selbst eine "konsequente Fortführung, Verdichtung und ultimative Ausflashung einer über drei Jahre gereiften musikalischen Vision". Und das ist auch auf seinem 2014er-Album "Hammer & Michel" nicht anders: Delay wirft Soul, Funk und Anzug über Bord und macht stattdessen den Weg frei für bodenständigen Rock. Doch so weit sich das Hamburger Allround-Talent auf Solopfaden von seinen musikalischen Anfängen mittlerweile vielleicht entfernt hat - der Hip-Hop lässt Delay nicht los: Im Sommer 2016 soll tatsächlich ein neues Beginner-Album kommen. Vermutlich tritt der "Chef-Styler" auf "Advanced Chemistry" zwar ohne Hut in Erscheinung, aber das ist dann wohl auch ziemlich egal.

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