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Die Köhlbrandbrücke © fotolia Fotograf: Marco2811
 

Der Hamburger Hafen

Mehr als Container und Warenumschlag - ein Blick hinter die Kulissen. mehr

 

Mehr Atomtransporte als bislang bekannt?

Die "Atlantic Cartier" am 17.05.2013 im Hafen von Hamburg. Der Anfang Mai in Brand geratene Auto- und Containerfrachter hatte auch radioaktives Material an Bord. © dpa-Bildfunk Fotograf: Christian Charisius Detailansicht des Bildes Die "Atlantic Cartier" im Hamburger Hafen. Der Auto- und Containerfrachter hatte radioaktives Material an Bord, als er Anfang Mai ausbrannte. Die Reederei des ausgebrannten Frachters "Atlantic Cartier" schlägt häufiger als bislang bekannt radioaktive Ladung im Hamburger Hafen um. Das geht aus der Antwort des Senats auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervor, wie NDR 90,3 am Freitag berichtete.

21 Mal in den vergangenen drei Monaten hatten Frachter der Atlantic Container Line (ACL) radioaktives Material an Bord. Allein im März kamen in Hamburg fünf Frachter der Reederei an, die zumeist das besonders gefährliche Uranhexafluorid geladen hatten. Darunter war auch die "Atlantic Cartier", die am 1. Mai in Flammen aufging, während wenige Hundert Meter entfernt der Kirchentag eröffnet wurde.

Behörden: Keine Schäden für Mensch und Umwelt

Laut Hamburger Feuerwehr konnten schlimmere Folgen abgewendet werden, weil die Behälter mit spaltbarem radioaktivem Material schnell erkannt und von Bord gebracht wurden. Nach Angaben der Behörden sind bei dem Brand keine Schäden für Mensch und Umwelt entstanden. "Es ist überhaupt nichts schief gegangen und genau so gelaufen, wie es laufen sollte", sagte ein Sprecher der Innenbehörde am Freitag. Ein Sprecher der Umweltbehörde ergänzte: "Es sind keinerlei Schäden für die Umwelt entstanden. Noch nicht einmal Löschwasser ist ins Hafenbecken gelaufen." Durch das Gefahrgut-Informationssystem Gegis sei bekannt gewesen, dass die "Atlantic Cartier" Uranhexafluorid geladen habe.

Genaue Angaben aus Sicherheitsgründen geheim

Jährlich gehen nach Angaben der Umweltbehörde rund 180 Transporte von spaltbarem Material für Kernkraftwerke sowie zahllose weitere Gefahrgut-Transporte durch die Hansestadt. Konkrete Angaben darüber, welche Schiffe für den Transport von radioaktiven Substanzen verwendet werden und auf welchen Routen sie fahren, sind laut Senat aus Sicherheitsgründen bundesweit als Verschlusssache eingestuft, wie es in der Antwort auf die Anfrage der Grünen heißt.

Umweltschützer: Regelmäßige Atomtransporte

Umweltschützer gehen allerdings davon aus, dass neben ACL auch andere Reedereien regelmäßig Atomtransporte über den Hamburger Hafen abwickeln - im Schnitt etwa zwei Mal pro Woche. Die Ladungen sind häufig für eine Urananreicherungsanlage im nordrheinwestfälischen Gronau sowie für die Brennelementefabrik im niedersächsischen Lingen bestimmt oder kommen von dort.

Ihm grause bei dem Gedanken, dass auf der Elbe "vor unserer Haustür" Container mit radioaktiven Stoffen vorbeifahren, sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Frank-Ulrich Montgomery, im Gespräch mit NDR 90,3. Besonders Uranhexaflurid sei eine brisante Fracht und besonders schädlich für Menschen, so der oberste Mediziner Deutschlands.

Mehr als 200 Feuerwehrleute im Einsatz

Das Feuer war auf einem Deck der "Atlantic Cartier" ausgebrochen, auf dem etwa 70 Neuwagen standen. Mehr als 200 Feuerwehrleute waren zeitweise im Einsatz, um den Brand auf dem 276 Meter langen und 32 Meter breiten Frachter zu löschen. Dafür brauchten sie fast 16 Stunden. Der Frachter liegt immer noch im Hamburger Hafen, allerdings ist die radioaktive Ladung von Bord.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 90,3 Aktuell | 17.05.2013 | 12:00 Uhr

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Kommentar

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