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Entscheidung um "Hartz-IV-Rebellin" vertagt

Die freigestellte Mitarbeiterin des Hamburger Jobcenters, Inge Hannemann. © dpa Fotograf: Bodo Marks Detailansicht des Bildes Inge Hannemann möchte gern in ihren Beruf als Jobvermittlerin zurückkehren. Die Entscheidung ist vertagt: Bei einem sogenannten Gütetermin am Nachmittag vor dem Arbeitsgericht Hamburg konnten sich die Jobvermittlerin Inge Hannemann und ihr Arbeitgeber, das Jobcenter Hamburg-Altona, zunächst nicht auf eine Lösung einigen. Der Vorsitzende Richter forderte nun beide Parteien zu einem Vergleich auf: Bis zum 9. September sollen sie prüfen, ob die 45-Jährige an anderer Stelle - beim Jobcenter oder der Hansestadt Hamburg - weiterbeschäftigt werden kann. Anderenfalls werde das Arbeitsgericht in einem Kammertermin am 15. November entscheiden. Hannemann kündigte nach der Verhandlung bereits an, für sie komme nur eine Stelle als Arbeitsvermittlerin infrage.

Rechtsstreit mit langem Vorlauf

Mit ihrer öffentlichen Kritik an der Art und Weise, wie das Arbeitslosengeld II verteilt wird, sorgte Hannemann bundesweit für Furore als "Hartz-IV-Rebellin". Seit Herbst 2011 war Hannemann im Jobcenter Altona tätig und dort zuständig für Jugendliche, deren Vermittlung als schwierig galt. Wenn die Jugendlichen Beratungstermine verpassten, hätte Hannemann ihnen laut Vorschrift Gelder kürzen müssen. Hannemann hatte sich jedoch geweigert, das zu tun, und prangerte in ihrem Blog "altonabloggt" das System Hartz IV als menschenunwürdig an. Im April 2013 wurde sie von ihrer Arbeit suspendiert. Es folgte ein Rechtsstreit, bei dem Hannemann zunächst in einem Eilverfahren eine Niederlage einstecken musste.

Porträt
Inge Hannemann im Porträt © NDR Fotograf: Hanna Grimm
 

Inge Hannemann: Eine Frau gegen das System

Arbeitsvermittlerin Inge Hannemann prangert den Umgang mit Hartz-IV-Empfängern öffentlich an - und wurde vom Jobcenter freigestellt. mehr

"Sehr mutige Frau" oder Selbstdarstellerin?

Unterstützung erhält Hannemann von der Partei Die Linken. Doch auch der ehemalige CDU-Generalsekretär Heiner Geißler bezeichnet die 45-Jährige als "sehr mutige Frau". Bürger haben sie für den Deutschen Engagementpreis 2013 des Bundesfamilienministeriums nominiert.

Kritiker werfen ihr dagegen Selbstdarstellung vor. Die Bundesagentur für Arbeit, das Jobcenter Altona und die Hamburger Sozialbehörde äußern sich mit Verweis auf das schwebende Verfahren derzeit nicht direkt zum Fall Hannemann. Im Juni hatte die Bundesagentur allerdings in einer Mitteilung erklärt, Hannemann missbrauche ihre "angeblichen Insider-Ansichten, um sich in der Öffentlichkeit als einsame Kämpferin für Entrechtete darzustellen."

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Hinter Abrissmarken warten im Arbeitsamt Menschen auf ihren Aufruf. © picture-alliance/ dpa/dpaweb Fotograf: Uwe Zucchi
 

Das Sanktions-System der Jobcenter

28.08.2013 | 10:41 Uhr
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Wer als Hartz-IV-Empfänger gegen Auflagen verstößt, wird bestraft. mehr

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Inge Hannemann (links) mit ihren Unterstützern © NDR Fotograf: Hanna Grimm
 

"Hartz-IV-Rebellin" verliert gegen Jobcenter

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Inge Hannemann
 
Video

Die Hartz-IV-Rebellin

06.06.2013 | 19:30 Uhr
NDR Fernsehen: Hamburg Journal

Inge Hannemann und der Kampf gegen Hartz IV.

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