Auf den Weltmeeren zu Hause
Hapag-Lloyd aus Hamburg ist die größte Reederei Deutschlands - und ein Unternehmen mit Tradition. Es kann auf mehr als 160 Jahre Schifffahrtsgeschichte zurückblicken. Ein Porträt. mehr
Die beiden großen deutschen Containerreedereien Hapag-Lloyd und Hamburg Süd prüfen einen Zusammenschluss. In übereinstimmenden Pressemitteilungen vom Dienstag hieß es, die Firmenleitungen prüften "im Einvernehmen mit ihren Gesellschaftern, ob und unter welchen Bedingungen ein Zusammenschluss beider Unternehmen sinnvoll ist".
Gemeinsam würden beide Hamburger Unternehmen die viertgrößte Reederei weltweit bilden. Nur Maersk, MSC und CMA CGM wären noch größer. Rund 11.400 Mitarbeiter hätte die neue deutsche Großreederei - die meisten arbeiten derzeit an den jeweiligen Stammsitzen in Hamburg. Mit rund 150 eigenen und gemieteten Schiffen, 6.900 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 6,1 Milliarden Euro ist Hapag-Lloyd das größere der beiden Unternehmen. Hamburg Süd kommt mit 107 Schiffen und 4.500 Mitarbeitern auf 4,7 Milliarden Euro Umsatz. Der neue Reederei-Riese könnte fast eine Milliarde Container im Jahr transportieren.
Während Hapag-Lloyd die Ost-West-Routen bedient, kümmert sich die Hamburg Süd vorrangig um die Nord-Süd-Routen.
Ein Zusammenschluss der beiden Unternehmen war in den vergangenen Jahren immer wieder im Gespräch. Die Reedereien ergänzen sich gut: Während Hapag-Lloyd vor allem Schifffahrtsrouten in Ost-West-Richtung zwischen Europa, Asien und Amerika bedient, ist Hamburg-Süd eher auf den Nord-Süd-Strecken aktiv. Hamburg Süd gehört zum Oetker-Konzern aus Bielefeld, Hapag-Lloyd ist mehrheitlich im Besitz der Stadt Hamburg und des Logistikunternehmers Klaus-Michael Kühne. Der hatte in den vergangenen Monaten öffentlich für einen Zusammenschluss geworben.
Der Senat begrüßte die Fusions-Gespräche. Finanzsenator Peter Tschentscher (SPD) sagte am Dienstag, eine solche Allianz biete große Chancen für Hamburg. Die Stadt habe "großes Interesse", ein fusioniertes Unternehmen am "Standort Hamburg zu sichern". Zusätzliche Mittel werde die Stadt aber nicht investieren. Tschentscher sagte, er erwarte keine Arbeitsplatzverluste. Auch die Gewerkschaft ver.di begrüßte die Gespräche. Es gebe die Chance, dass ein Zusammenschluss die Wettbewerbsfähigkeit insgesamt stärke und damit einen Beitrag zur Standortsicherung leiste.
Kritischer beobachtet die Opposition in der Bürgerschaft die Verhandlungen der Reedereien. Sie befürchten Risiken für den Steuerzahler, wie NDR 90,3 berichtete. Die Grünen warnen vor einem noch höheren Haushaltsrisiko als bislang, da die Schifffahrtsbranche insgesamt in der Krise steckt. Der Grünen-Wirtschaftsexperte Anjes Tjarks sprach gegenüber NDR Info von einer möglichen Verstaatlichung von Hamburg Süd durch die Hintertür, die CDU-Abgeordnete Karin Prien warnte vor einem schwindenden Einfluss der Stadt.
Wie lange die Gespräche dauern werden und zu welchem Ergebnis sie führen, ist völlig offen. Es sind eine Reihe von komplizierten Fragen zu klären. Die Reedereien stehen unter Druck, weil zu viele neue Schiffe auf dem Markt sind und die Überkapzitäten für niedrige Frachtraten sorgen. Außerdem belasten hohe Treibstoffkosten die Reedereien. Große Unternehmen können sich in dieser Situation im Wettbewerb besser behaupten.