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Jetzt offiziell: Aus für die "FTD"

Ein Mitarbeiter der "Financial Times Deutschland" (FTD) trägt eine lachsfarbenen Trauerschleife vor dem Verlagshaus in Hamburg. © dpa Fotograf: Christian Charisius Detailansicht des Bildes "FTD"-Mitarbeiter trugen am Freitag lachsfarbene Trauerschleifen. Das Aus für die Wirtschaftszeitung "Financial Times Deutschland" (FTD) ist besiegelt. Der Hamburger Verlag Gruner + Jahr (G+J) hat am Freitag bestätigt, dass die "FTD" eingestellt wird. Die letzte Ausgabe erscheint am 7. Dezember. Das Magazin "Capital" soll von Berlin aus weitergeführt werden. Für "Impulse" und "Börse Online" wird nach Angaben des Verlags geprüft, ob sie verkauft werden oder ob sie durch ein Management-Buy-Out - also die Übernahme durch verlagsinterne Manager - weitergeführt werden können. Sollten die Gespräche nicht zu einem erfolgreichen Abschluss kommen, sei auch für diese beiden Wirtschaftsmagazine die Einstellung geplant.

Aus für die "FTD"

Hamburg Journal - 23.11.2012 19:30 Uhr

Die "Financial Times Deutschland" wird eingestellt. 314 Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz. Jetzt werden Sozialpläne ausgearbeitet und im Januar kommen die Kündigungen.

Verlagsmanagerin Julia Jäckel verteidigte die Entscheidung als unvermeidbar. Im "Hamburger Abendblatt" (Sonnabend) sagte sie, im Vorstand sei abgewogen worden, "ob wir echte Chancen für die nächsten Jahre sehen. Und diese Frage haben wir am Ende mit Nein beantwortet". Sie selbst habe fünf Jahre für die "FTD" gearbeitet. "Deshalb berührt mich das Schicksal ganz besonders."

Mehr als 300 Mitarbeiter betroffen

Von den Maßnahmen sind direkt 314 Mitarbeiter betroffen - 258 in Hamburg, 42 in Frankfurt und 14 in weiteren Außenbüros. Mit dem Betriebsräten werde über einen Sozialplan verhandelt, teilte der Verlag mit. Bei 50 Arbeitsplätzen in angrenzenden Verlagsbereichen soll vorwiegend die Fluktuation genutzt werden. "Capital" werde in Zukunft voraussichtlich mit einer verkleinerten Redaktion publiziert.

Die Belegschaft der Wirtschaftsmedien wurde am Freitag bei einer Versammlung informiert. Betroffenen Mitarbeitern soll voraussichtlich im Januar gekündigt werden. Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" hat G+J rund 40 Millionen Euro für Abfindungen eingeplant. Viele "FTD"-Mitarbeiter trugen am Freitag lachsfarbene Trauerschleifen am Revers. Betriebsrätin Maike Rademaker forderte einen Sozialplan und Perspektiven für die Mitarbeiter in anderen Redaktionen des Verlags.

Von Anfang an in den roten Zahlen

Die "FTD" wurde im Jahr 2000 gegründet und schreibt seitdem rote Zahlen. Die Auflage lag zuletzt bei 102.000, allerdings gab es nur noch etwa 42.000 Abonennten. Ein großer Teil ging als Bordauflage in Flugzeuge und an Flughäfen. Gruner + Jahr hatte während der Finanzkrise 2008 seine Wirtschaftsmedien in einem Verlagsbereich in Hamburg zusammengezogen, um Kosten zu reduzieren. "Zwar konnten erhebliche Einsparungen erzielt werden, diese reichten jedoch nicht aus, um die rückläufigen Anzeigenumsätze auszugleichen", teilte der Verlag mit. Auch 2012 würden die Wirtschaftsmedien einen deutlichen Verlust machen. "Vor diesem Hintergrund sehen wir keinen Weg, die "Financial Times Deutschland" weiter zu betreiben", so G+J-Vorstandsmitglied Julia Jäkel. Die "FTD" sei eines der ambitioniertesten journalistischen Projekte der vergangenen Dekade gewesen. "Es geht ein bedeutendes Kapitel deutscher Publizistik zu Ende."

Scholz: Gesellschaft braucht guten Journalismus

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) sagte zum Aus der "FTD": "Es wird eine große gesellschaftliche Aufgabe sein, auch im digitalen Zeitalter qualitativ hochwertigen Journalismus zu sichern." Denn die Gesellschaft brauche weiter guten, leidenschaftlichen Journalismus. Als wichtiger Medienstandort sei Hamburg prädestiniert, sich um dieses Thema zu kümmern, erklärte Scholz. Er betonte jedoch auch: "Verlage müssen mit Journalismus Einnahmen erzielen können."

Gewerkschaft: Verheerender Kahlschlag

Die Gewerkschaft ver.di warf G+J einen "verheerenden Kahlschlag" vor. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hatte bereits am Mittwoch an die soziale Verantwortung des Verlagsmanagements appelliert. Die Schaffung von Alternativarbeitsplätzen für die Betroffenen müsse oberste Priorität haben. "Wo das nicht möglich ist, erwarten wir von Gruner + Jahr Lösungen, die deutlich über den üblichen Sozialplankonditionen liegen", sagte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken.

Weiterer Schlag für die Medienbranche

Das Aus für die "FTD" ist ein weiterer Schlag für die deutsche Medienbranche. Vor wenigen Tagen hatte die "Frankfurter Rundschau" Insolvenz angemeldet. Auch die Nachrichtenagentur dapd ist seit Oktober zahlungsunfähig.

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Ausgabe der "Financial Times Deutschland" im Verkaufsständer eines Zeitschriftenladens in Hamburg. © dpa Fotograf: Christian Charisius
 
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Totgeschrieben - die "FTD"

21.11.2012 | 23:20 Uhr
NDR Fernsehen: ZAPP

Über das Schicksal der "FTD" erfahren die Mitarbeiter durch die Medien.

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Julia Jäkel © dapd Fotograf: Gruner + Jahr AG
 

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