Im Porträt: Hans Jürgen von der Wense

Ein wahres Universalgenie: Hans Jürgen von der Wense komponierte, musizierte, dichtete, fotografierte und übersetzte. DIe Reihe NDR das neue werk widmet Wense nun einen Porträtabend.

Hans Jürgen von der Wense (1894-1966) - ein Einzelgänger und Phantom, ein Original der deutschen Geistes- und Musikgeschichte. Expressionismus, Futurismus und Forschergeist verbinden sich im Werk dieses eigentümlichen Universalkünstlers. NDR das neue werk stellt in einem Porträtkonzert Musik, Dichtung und Lebenszeugnisse des Komponisten, Schriftstellers, Fotografen, Übersetzers und wandernden Großgelehrten Wense vor.

Fr, 23.02.2018 | 19.30 Uhr
Hamburg, Elbphilharmonie, Kleiner Saal (Platz der Deutschen Einheit 1)

Solisten des Leipziger Gewandhausorchesters
Steffen Schleiermacher Klavier

Musik und Literatur um den Komponisten und Visionär Hans Jürgen von der Wense mit Kammermusik von
FERRUCCIO BUSONI
EDUARD ERDMANN
ERWIN SCHULHOFF
ARNOLD SCHÖNBERG
GEORGE ANTHEIL
und einer Uraufführung von
STEFFEN SCHLEIERMACHER (Auftragswerk des NDR)

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"Gesamtsein der Menschheit"

Eine schöne Charakterisierung seiner Person lieferte Wense selbst: "Sie fragen mich, wer ich sei. Ich will es Ihnen ganz offen sagen: Ich bin nichts, gar nichts. (…) Ich habe nie etwas gelernt, nie etwas dauernd verdient, niemals Steuern gezahlt, habe auch, obwohl ich ein Deutscher bin, keinerlei Titel."

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Pianist Steffen Schleiermacher wird die Musik Wenses interpretieren - gemeinsam mit Solisten des Leipziger Gewandhausorchesters.

Enorm produktiv war Wense gleichwohl: Er musizierte, dichtete, übertrug obskure Texte aus alten Sprachen und hinterließ bei seinem Tod neben einigen faszinierenden Kompositionen Tausende von Briefen und 30.000 Blätter mit Übersetzungen, Aphorismen, Reisebeschreibungen und entlegenen Bildungsfunden. Nichts Geringeres als "ein Querschnitt durch das Gesamtsein der Menschheit", in einem "All-Buch" alphabetisch angeordnet von "Aas bis Zylinder", war sein Ziel.

Extremer als Bartók?

Von der Wense kannte tatsächlich Gott und die Welt: Die Komponisten Erwin Schulhoff, Ernst Krenek und Eduard Erdmann zählten zu seinem Bekanntenkreis; ohne Scheu stellte der junge Komponist Arnold Schönberg seine Werke vor; der Dirigent Hermann Scherchen wurde Wense ein guter Freund. Über Wenses Musik schrieb der Musikpublizist Oskar Bie: "Doch Hans Jürgen von der Wense stellte ihn [Bartók] in den Schatten an Extremismus. Er malt musikalische Vorstellungen mit assoziativen Strichen, wie es Schönberg begann, doch stärker in innere Vision getaucht, in seelische Intensität gebunden."